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50 Jahre und kein bisschen müde

50 Jahre und kein bisschen müde

Der Madrigalchor Dillingen feiert großes Jubiläum. Er gehört zu den renommiertesten Chören des Saarlandes und hat sich auch über dessen Grenzen hinweg Ansehen verschafft.

"Alles, nur keine Madrigale", antwortet Dimitris Ktistakis, Dirigent des Madrigalchors Dillingen (2003-2007), auf die Frage eines SR-Musikredakteurs, was der Chor denn so singt. Seit seiner Gründung studiert der Chor madrigale Liedformen, A-cappella-Literatur, Symphonie-Kantaten und Oratorien aller Stilepochen ein. Auch moderne Literatur wie Colin Mawby und Knut Nysted gehören lange zum Repertoire. Aber zurück zu den Anfängen. "Als Heinz Rothkopf 1960 das Männerquartett Dillingen gründete, war absolut nicht abzusehen, in welch kurzer Zeit dieser kleine Chor zu den besten unserer Heimat zählen würde", schreibt Günter Lehnen, damals erster Vorsitzender zum 25-jährigen Bestehen. Mit Otmar Schmitt, Hans Grandmontagne, Cilli Thirolf und Ingrid Paulus gehört er dem Chor noch heute an.

Im Gespräch mit ihnen und der Vorsitzenden Christa Klein sowie ihrer Stellvertreterin Gertrud Altrichter-Weth heißt es: Da die Männerliteratur bekanntlich begrenzt sei und man die großen Werke der "musica sacra" singen wollte, habe man sich entschlossen, einen Gemischten Chor zu gründen, den Madrigalchor Dillingen (MCD). Einige Ehefrauen können jetzt ihre Männer zum Singen begleiten, und bereits vier Monate nach der ersten Generalversammlung am 19. September 1967 wagt sich die neue Chorgemeinschaft zum ersten Mal in die Öffentlichkeit. 19 Sängerinnen und 16 Sänger gestalten mit Motetten den Gottesdienst zum vierten Advent in der Kirche Maria Trost.

Schon 1968 geben sie ein Konzert in der Merziger Pfarrkirche. Rothkopfs Liebe gilt der geistlichen Musik, er stellt die Einstudierung von Vokalmusik der großen Komponisten aller Epochen in den Mittelpunkt. Oft sitzt Sohn Andreas Rothkopf, inzwischen Professor an der Musikhochschule des Saarlandes, am Klavier oder an der Orgel. Eine erste Konzertreise führt 1983 im Auftrag des Saarländischen Kultusministeriums in die englische Grafschaft Leicestershire - allen, die dabei waren, ein "unvergessenes Erlebnis". Weitere Konzertreisen folgen, jedes Jahr eine: Gut in Erinnerung sind unter anderem die in die Dillinger Partnerstadt Hoyerswerda, 1990, und ein Konzert in St. Pierre in Metz (1982). Es wird gerade mal von drei Frauen besucht. Auf dem Ankündigungsplakat hatte kein Datum gestanden. Gesungen wird dennoch.

2001 zieht sich Rothkopf, Jahrgang 1931, nach 40 Jahren zurück. Mit Alexander Mayer, Thomas Kiefer und Dimitris Ktistakis folgen junge Dirigenten, an denen der Chor ständig wächst. Im August 2007 übernimmt Stephan Langenfeld die künstlerische Leitung. Der damals 25-jährige kann eine intensive musikalische Ausbildung vorweisen. Unter seiner jetzt zehnjährigen Leitung erlebt der Chor (nach Rothkopf) mit inzwischen 50 Choristen (2004 schließt sich der Singkreis Siersburg dem MCD an) zwischen 24 und 70 plus wohl seine intensivste Zeit. Alle Jahreskonzerte finden im ausverkauften Haus statt und werden mit viel Lob bedacht. Als herausragendes Ereignis nennt Langenfeld die Aufführung der "Carmina Burana" vor mehr als 1000 Konzertbesuchern im Lokschuppen Dillingen. Rundfunkaufnahmen vom SR dokumentieren die große Anerkennung dieses Chors.

 Dieses Archivbild zeigt den Chor bei einer Fernsehaufzeichnung 1969.
Dieses Archivbild zeigt den Chor bei einer Fernsehaufzeichnung 1969.

Langenfeld legt seinen Schwerpunkt auf die Einübung größerer Werke, insbesondere aus der Romantik wie die Cäcilienmesse "solennelle" von Charles Gounod, die er gerade zum Festkonzert einstudiert. "Diese wunderschöne Messe, die ich mit meinem Vater in Rom mit dem Gemischten Chor Weiskirchen und dem Kirchenchor Saarfels aufgeführt habe, ist mir ans Herz gewachsen", sagt er. "Jetzt - zu meinem Abschied - ist der Tag gekommen, an dem mir der Chor mit der Aufführung einen großen Wunsch erfüllt."