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Musik
1000 Besucher beim Serenadenkonzert

Herry Schmitt und vor ihm Gabriele Gerstner
Herry Schmitt und vor ihm Gabriele Gerstner FOTO: Herry Schmitt
Dillingen. Am Sonntag fand bei tollstem Wetter das Abschlusskonzert der Sommerserenaden der Arbeitsgemeinschaft der kulturellen Vereine und der Stadt Dillingen im Stadtpark statt. Gestaltet wurde es vom Kreis Symphonie Orchester Saarlouis, dem Europa-Ensemble von Herry Schmitt und Solisten. Von Jutta Stamm

Nymphen werden trotz Aufforderung von Herry Schmitt, danach Ausschau zu halten, nicht gesichtet, aber herrliche Sommermusik bei herrlichem Sonnenschein ist weit über den Dillinger Stadtpark hinaus zu hören – und wieder sind fast 1000 Besucher gekommen. Geboten werden Melodien aus Oper, Operette und Musical.


Und immer wenn diese Genres auf dem Programm stehen, geht es um die Liebe mit ihren fatalen Auswirkungen. Selbst in Starlight Express, dem (Rollschuh-)Musical von Webber, das schon 30 Jahre in Bochum zu Hause ist, gibt es Eifersuchtsszenen. Da buhlen die veraltete Dampflok Rusty, die moderne E-Lok Electra und die mächtige Diesellok Greaseball um die Gunst des 1.-Klasse-Waggons Pearl (Rusty gewinnt!) – leidenschaftlich gesungen von der Mezzosopranistin Gabriele Gerstner, virtuos begleitet von Herry Schmitt am Flügel.



Schmitt hat nicht nur seine Band mitgebracht, sondern auf charmante Art auch die Moderation übernommen. Mit ihrer wunderbaren Musicalstimme, einem breit angelegten Sopran, schlüpft Gerstner mühelos in die Haut legendärer Gesangsgrößen wie Edith Piaf, der Knef, Caterina Valente oder Milva . Zauberhaft interpretiert sie in der Originalsprache (Schwedisch) den berühmten „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“, der unter die Haut geht.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Kreis Sinfonie Orchester (KSO) unter Leitung von Christian Schüller mit der Herry-Schmitt-Band musiziert. Schon im April dieses Jahres gaben beide ein Konzert im Saarlouiser Theater am Ring, und so schöpfen sie aus einem reichhaltigen Repertoire. Zu hören sind u.a. Medleys aus „My fair Lady“ von Loewe, aus dem „Phantom der Oper“ von Webber, aus „Porgy und Bess“ des legendären Gershwin sowie das klassische „Prélude „Les Chasseresses“ aus dem Ballett „Sylvia“ von Delibes, das das KSO differnziert interpretiert. Klare Zäsuren, feine Akzentuierungen und perfekte Schlussakkorde zeichnen das Spiel des KSO aus, wenn auch manchmal trotz exakter Vorgaben des Dirigenten leichte „Unstimmigkeiten“ passieren.

Mit „Take five“ im ungewöhnlichen 5/4-Takt setzt das Europa-Ensemble von Herry Schmitt, ein „Dillinger Bub“, wie er betont, einen besonderen Akzent. Es ist der Augenblick, in dem Jürgen Letter mit seinem Saxophon in Aktion tritt und auf grandiose Art sein virtuoses Spiel unter Beweis stellen kann – unterstützt von Herry Schmitt am Flügel, dessen Sohn Dominic am Schlagzeug sowie Jörg Jenner am Kontrabass. Alle sind im Genre Jazz und damit im Swing zu Hause.

Auch Stefan Röttig, Bariton am Saarländischen Staatstheater, ist bestens bekannt. Er übernimmt das Ressort Oper. Gemeinsam mit dem KSO trägt er große Arien von Leoncavallo und Mozart vor, wagt aber mit Millöcker oder Gershwin auch den Abstecher in die leichtere Muse, wobei er nicht nur mit seiner beweglichen Stimme, sondern auch mit komödiantischem Talent imponiert – beispielsweise in der Arie „Und da soll man noch galant sein“ aus Millöckers „Bettelstudent“, denn er hat sie ja doch „nur auf die Schulter geküsst“.

Nach mehr als zwei Stunden geht ein gelungenes Sommer-Open-Air zu Ende, das mit zwei Zugaben bereichert wird: „Moon River“ von Henry Mancini, gesungen von Gabriele Gerstner, und „I did it my way“, womit Stefan Röttig eindrucksvoll in die Fußstapfen von Frank Sinatra tritt.