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100 Jahre SPD Dillingen mit Jubiläum gefeiert

Jubiläum : SPD Dillingen feiert ihr 100-Jähriges

Rückblicke und Ausblicke: Rund 50 Gäste kamen zur Jubiläums-Matinee der SPD in der Dillinger Stadthalle.

Mit einer Matinee in der Stadthalle feierte die SPD Dillingen am Sonntag ihr 100-jähriges Bestehen. Ex-Bürgermeister Erwin Planta beleuchtete die Entstehungsgeschichte des Ortsvereins. Dittmar Wächter, von 1985 bis 2005 Vorsitzender des Stadtverbandes und seitdem Ehrenvorsitzender, hielt den Rückblick auf die Nachkriegsgeschichte der Partei. Den Ausblick auf ein „soziales Dillingen“ gab Sylvia Hoffmann, seit 2014 Vorsitzende der SPD Innenstadt und aktuell auch Bürgermeister-Kandidatin.

Als Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes hatte Petra Berg zunächst die rund 50 Gäste begrüßt. „Der Tag ist auch für Dillingen etwas Besonderes“, verwies sie auf die wechselvolle Geschichte der Dillinger Sozialdemokraten. Deren komplizierte Entstehungsgeschichte analysierte zunächst Planta. Sein Vortrag begann mit der Frage: „Feiern wir möglicherweise ein oder gar drei Jahre zu früh?“

Vor hundert Jahren im Februar 1919 habe es im damaligen Gasthaus Lindenhof (später Café Zech) zwar eine Versammlung von Gewerkschaftern gegeben, aber eine förmliche Partei-Gründung erst ein Jahr später: am 16. Mai 1920, allerdings ein Ortsverein der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USP), der saarländischen Ausgabe der USPD, die sich 1917 in Gotha von der SPD abgespalten hatte. Es gab starke sozialistische Strömungen in der USP, auch in Dillingen.

1921 seien die Dillinger USP-Mitglieder sogar mehrheitlich zur KPD übergetreten. Nur Franz Glauben, der schon bei der Versammlung 1919 dabei war, habe die Sozialdemokratie in der Hüttenstadt stabilisiert und 1922 einen SPD-Ortsverein gegründet. Obwohl die förmliche Gründung also erst drei Jahre später stattfand, könne man „mit Fug und Recht“ sagen, dass die Wurzeln der Dillinger SPD in den Februar 1919 zurückreichen, erklärte Planta: „Glückauf zu 100 Jahren SPD Dillingen.“ Mit der Rolle der SPD bei der Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich 1935 endete sein Vortrag.

Da die Partei im Nationalsozialismus verboten war, begann der Rückblick von Wächter folglich mit der Neugründung nach dem Krieg. In Dillinger Gasthaus „Schiedsmann“ kamen im August 1946 etwa 25 Mitglieder zur Bildung eines neuen Ortsvereins zusammen. Doch erst Anfang der 1960er Jahre habe eine „stetige Aufwärtsentwicklung“ eingesetzt.

Detailliert berichtete Wächter das Wachstum der Mitgliederzahlen, die Ergebnisse der Kommunalwahlen, die Zahlen der Stadtrats-Mandate sowie die Wechsel an der Spitze der Dillinger Ortsvereine. 1977 schlossen sich die Dillinger Ortsvereine Innenstadt, Überm Berg, Diefflen und Pachten zum SPD-Stadtverband zusammen. 1985 wurde der Ortsverein Dillingen-Nord gebildet. 1984 wurde mit Lothar Grund erstmals ein Sozialdemokrat Erster hauptamtlicher Beigeordneter, die SPD wurde bei der Kommunalwahl zur „bestimmenden Kraft“ im Stadtrat.

1989 schaffte die SPD erstmals die absolute Mehrheit im Rat und 1994 sei „der Höhepunkt der Entwicklung“ erreicht worden: Planta wurde zum ersten Dillinger SPD-Bürgermeister. Mitte der 1990er Jahre habe die Partei 150 Neu-Mitglieder in nur zweieinhalb Jahren, den höchsten Zuwachs landesweit auf insgesamt 1100 SPD-Mitglieder, in Dillingen verzeichnet. Der Verlust der absoluten Mehrheit 1999 und vor allem die verlorene Bürgermeisterwahl 2003 seien daher „herbe Niederlagen“ gewesen.

Trotz der „langen Zeit der Opposition“, meinte Wächter, blicke man der Kommunalwahl zuversichtlich entgegen. In einer kämpferischen Rede forderte Sylvia Hoffmann, den Fokus wieder stärker auf die sozialen Belange zu richten.

Musikalisch umrahmt wurde das SPD-Jubiläum von Wolfgang Winkler, der vor allem Lieder aus der Geschichte der Arbeiterbewegung vortrug. Passend dazu wurden 22 Tafeln einer Ausstellung der Stiftung Demokratie Saarland zur 150-jährigen SPD-Geschichte gezeigt.