Deutsch-israelische Begegnung fand am RSG in Saarlouis statt

Schule : Wirkliches Leben ist Begegnung

Austauschschüler aus Israel waren eine Woche zu Gast am Robert-Schuman-Gymnasium in Sarlouis. Ein gemeinsames Konzert war der Höhepunkt.

Erstmals fand am Robert-Schuman-Gymnasium (RSG) ein deutsch-israelischer Schüleraustausch statt. Eine Woche lang waren 19 Schüler und vier Lehrkräfte aus Tel Aviv und Haifa zu Besuch in der Kreisstadt. Vermittelt und organisiert wurde der Austausch vom Verein Begegnungen 2005, der durch Michael Krebs vor Ort vertreten war.

An internationale Austausche ist das Saarlouiser Gymnasium gewöhnt, etwa fünfmal im Jahr finden Begegnungen vor allem mit Schülern aus Frankreich sowie aus Spanien, Polen oder den USA statt. Aber auch mit den Israelis „verstehen sich die Schüler super gut“, berichtet Politiklehrerin Claudia Schmidt. Neben zwölf jüdischen Musikern vom Bildungszentrum HaKfar HaYarok bei Tel Aviv sind es sieben Tänzerinnen aus Haifa. Die Mädchen arabische Christen im Alter von 15 Jahren, die 17- bis 18-jährigen Jungs sind jüdischen Glaubens. Die Gruppe wurde begleitet von vier Lehrpersonen.

Nach der Ankunft am Montag standen dienstags zunächst gemeinsames Kennenlernen und eine Tour nach Saarbrücken mit Besichtigung des Saarländischen Rundfunks auf dem Plan.

Deutsch-israelischer Austausch: 19 Schüler aus Israel und ihre 16 deutschen Gastgeber vom RSG in Saarlouis mit ihren Lehrkräften. Foto: Axel Künkeler

Der Mittwoch stand im Zeichen des gemeinsamen Konzertes am Abend im Theater am Ring.

Mit Proben und Sound-Check verging der Tag wie im Flug. Zum Konzert kam der Vorsitzende des Vereins, Dr. Karl Adenauer, der Enkel des ersten deutschen Bundeskanlers, mit seiner Ehefrau Elisabeth angereist. Das Motto wurde zu Beginn von zehn Schülern in sieben Sprachen verlesen: „Wirkliches Leben ist Begegnung“. Der Satz galt nicht nur dem Konzert, sondern sinnbildlich für die ganze Woche.

Die Concert Band des RSG unter Leitung von Lothar Fuhr. Foto: Axel Künkeler

Nach diesem Höhepunkt standen weiter gemeinsames Musizieren und Spurensuche aus der jüdischen Vergangenheit für die Schüler an. Die Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in Saarlouis, einige Stolpersteine, die an jüdische Mitbürger erinnern sowie die Ludwigskirche am Großen Markt wurden am Donnerstagmorgen besichtigt. Nachmittags wurde gemeinsam musiziert, im Workshop „Begegnen, Erinnern, die Zukunft gestalten“ miteinander diskutiert. Der Nationalsozialismus und der Holocaust, ein Film mit Berichten von Zeitzeugen sowie die Rolle der Musik im Leben generell, aber speziell im Konzentrationslager waren die Themen.

Das Schicksal der in Saarlouis geborenen Jüdin Esther Bejerano stand dabei im Mittelpunkt. Bejerano spielte im Mädchenorchester des KZ Auschwitz Akkordeon. Dabei hatte sie zuvor nur Klavierspielen gelernt, hatte lediglich zehn Minuten Zeit, das Akkordeonspiel einzuüben, um so der Gaskammer zu entgehen.

In einem Workshop-Experiment mussten nun Schüler ausprobieren, wie das geht. „Es liegen Welten zwischen den beiden Instrumenten“, sagte Jonas Lay aus Saarlouis. Der 16-jährige Schüler der Klasse 10M spielt seit einem Jahr Klavier und fand es „völlig schwierig“, plötzlich Akkordeon zu spielen. „Ich hätte es nicht geschafft“, er habe vor der Leistung und dem Lebenswillen von Esther Bejerano „einen Riesenrespekt“, meinte Lay nach dem Experiment.

Direkt mit der deutsch-jüdischen Vergangenheit setzten sich der 17-jährige Noam Kaplan (Tel Aviv) und der gleichaltrige Johannes Kockler (Elm) auseinander. Der jüdische Schüler war erst kürzlich in Polen, hat sich die Gedenkstätten der Konzentrationslager in Majdanek und Auschwitz sowie des Warschau-Ghettos angesehen. „Da sind durch Deutsche schreckliche, unverzeihliche Dinge geschehen“, klagt er, das mache ihn „wütend“. Aber das moderne Deutschland sein „ein wundervolles Land“, ohne dessen Hilfe Israel nicht das geworden wäre, was es heute ist, bekräftigt er ebenso. Den jungen Israeli mit deutschen Wurzeln hat bei der Spurensuche in Saarlouis besonders berührt, dass die Stadtführerin betont habe, „wir werden das Gedenken bewahren“.

Und für Johannes Kockler waren die Stolpersteine Anlass, darüber nachzudenken was war und die deutsche Geschichte nicht zu vergessen. Für ihn war der Hass gegen die Juden in der NS-Zeit „erschreckend und unvorstellbar“. Für die junge Generation sei es wichtig, offen damit umzugehen. Die Gespräche mit den Israelis seien „sehr frei und unbelastet“ verlaufen.

Insgesamt nahmen 16 deutsche Schüler am Austauschprojekt teil. In deren Familien waren die Israelis während der Woche zu Gast, konnten den Freitagnachmittag und den Samstag noch für gemeinsame Unternehmungen wie den Besuch von Weihnachtsmärkten nutzen. Nach der Abschlussfeier am Samstagabend traten die Gäste die Rückreise an.