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Demonstration in Saarlouis im Gedenken an Mord an Samuel Yeboah

Streit über Gedenktafel geht weiter : Demonstration zur Erinnerung an den 30. Todestag von Samuel Yeboah (mit Bildergalerie)

Ein Protestzug zum 30. Jahrestag der Ermordung von Samuel Yeboah fand am Samstag in der Saarlouiser Innenstadt statt. Über das Gedenken besteht immer noch Uneinigkeit in manchen Punkten. Die Antifa Saar konfrontiert die Stadt mit klaren Forderungen. Dabei geht es um den rassistischen Hintergrund der Tat.

Eine Demonstration am Bahnhof und das Angebot der Aktion 3. Welt, der Stadt eine Gedenktafel zu überreichen… viele Menschen in Saarlouis wollen den noch immer ungesühnten Fall des Mordes an Samuel Yeboah nicht vergessen. „Ich finde es schade, dass der Oberbürgermeister von Saarlouis, Peter Demmer (SPD), bis jetzt nicht auf unser Angebot eingeht, eine Gedenktafel für den ermordeten Samuel Yeboah am Rathaus anzubringen“, so Hans Wolf vom Vorstand der Aktion 3.Welt Saar. Der Mord jährte sich am Wochenende zum 30. Mal, das war Anlass für eine Demo und das Angebot an die Stadt, dem toten Mitbürger dauerhaft zu gedenken. Denn das Tötungsdelikt vom 19. September 1991 war eben kein gewöhnlicher Streit zwischen zwei Kontrahenten oder eine Beziehungstat – hier soll Rassismus im Spiel gewesen sein. Bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Fraulautern kam Yeboah grausam ums Leben und die Tat wurde niemals aufgeklärt.

Neue Ansätze wurden immer wieder mal geprüft, doch es kam wenig dabei heraus. Bis heute gibt es keinen Angeklagten, kein Verfahren, keine Strafe. Die Ermittler glauben heute fest an einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat, eine entsprechend aufgestellte rechte Szene hat zur Tatzeit in Saarlouis existiert. Immerhin hat der Stadtrat ein Konzept beschlossen, ein Bewusstsein für das Rassismus-Problem zu schaffen und daran gezielt zu arbeiten. In der Diskussion waren ein Gedenkort für Yeboah, ein Gedenktag oder Bildungsveranstaltungen für Jugendliche. Oberbürgermeister Peter Demmer unterstützte die Idee, eine Gedenktafel am Tatort anzubringen, wobei die Original-Adresse, die ehemalige Flüchtlingsunterkunft, nicht mehr existiert. Das alte Hotel, in dem Yeboah wohnte und starb, ist längst abgerissen. Die Tafel ist jetzt aber da und beschreibt die Tat und hält die Erinnerung an Yeboah wach. Hier fand am Samstag auch eine Kundgebung im Rahmen der Demo statt. Die Aktion 3. Welt wünscht sich jedoch mehr, zumal auf der städtischen Infotafel von einem „heimtückischen Anschlag“ die Rede ist. Die Aktivisten hätten lieber das Wort „rassistischen“.

Die Aktion 3. Welt hatte OB Demmer nach eigenen Angaben am 7. August in einem Brief das Angebot einer weiteren Tafel für das Rathaus gemacht. Wolf sagt dazu: „Wir haben geschrieben: Wir bieten Ihnen als Oberbürgermeister der Stadt Saarlouis an, diese Tafel noch vor dem 19.9.2021 – dem 30. Jahrestag der Ermordung – im Rahmen einer öffentlichen Übergabe vor dem Rathaus zu überreichen, damit Sie sie dort oder in der direkten Umgebung im Herzen von Saarlouis anbringen können.“ Hans Wolf ergänzt: „Unser Angebot steht auch nach dem 19. September. Möglicherweise hat der OB bis dato nur keine Zeit gefunden. An uns jedenfalls wird eine Übergabe der Gedenktafel auch nach dem 30. Todestag nicht scheitern. Vor 20 Jahren haben wir sie schon einmal am Rathaus festgemacht, die Stadt ließ sie entfernen und machte sogar eine Anzeige.“

Bei der Demonstration am Samstag lag die Sandsteintafel in Wolfs Kofferraum und war noch nicht angebracht, aus Sicht der Demonstranten eine verpasste Gelegenheit. Der rassistische Hintergrund der Tat werde heute weder von Medien noch von Behörden bestritten. Man werde weiterhin dafür sorgen, dass der Fall Yeboah nicht in den Akten verschwindet. Die Bundesanwaltschaft, so glaubt man, habe nur neue Ermittlungen aufgenommen, weil man nicht locker gelassen habe. Bisher sei mit den neuen Ermittlungsansätzen wenig erreicht worden, weshalb man auch weiterhin am Ball bleibe, heißt es von den Organisatoren, die zuletzt im Großraum Saarlouis 30 Großflächenplakate zur Erinnerung an Yeboah platzierten. Ähnliche Aktionen werde man weiter starten.

Die Aktion 3. Welt will insgesamt etwas mehr Ruhe in die Debatte bringen: „Die Übergabe einer Gedenktafel bietet die Möglichkeit, die heftigen verbalen Auseinandersetzungen um das Gedenken an Samuel Yeboah der Vergangenheit angehören zu lassen und dem würdevollen Erinnern an den Ermordeten gerecht zu werden.“

Sarah Jost von der Antifa-Saar fordert sogar einen Untersuchungsausschuss, der die Ermittlungsarbeit beleuchtet, und die Offenlegung aller Akten zum Fall. Einen Gedenkstein am Rathaus hätte sie auch gerne. Nach Polizeiangaben versammelten sich zur Demonstration 150 Teilnehmer. Die Stadt veranstaltete einen Gedenkgottesdienst am Wochenende und bot so ebenfalls einen Beitrag zum Jahrestag.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Menschen gedenken in Saarlouis Flüchtling Samuel Kofi Yeboah (†)