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Wenn Altenpflege zu teuer wird

Wenn Altenpflege zu teuer wird

Innerhalb weniger Jahre musste eine Familie für die Unterbringung einer Angehörigen im Seniorenhaus Bergfriede eine Preissteigerung von über 50 Prozent hinnehmen. Eine hohe Summe, die allerdings neben einem Umzug in ein neues Gebäude auch mit gesetzlichen Vorgaben zusammenhängt.

Als Monika Lorenz im August 2008 in das Seniorenhaus Bergfriede in Bous zog, betrug der Tagessatz für ihre Unterbringung in der Einrichtung 65,28 Euro. Mittlerweile, informierte uns SZ-Leser Gerd Speicher, der Schwiegersohn von Monika Lorenz, belaufe sich dieser Tagessatz auf 108, 94 Euro. "Das ist ein Preisanstieg von 43,66 Euro", sagt Gerd Speicher, der sich deshalb bereits mit dem Träger, der Caritas in Saarbrücken, in Verbindung gesetzt hat. Detailliert listete er in einem Schreiben auf, in welchem Maß die Kosten Jahr für Jahr gewachsen sind. Besonders gravierend sind dabei drei Steigerungen: um knapp acht Prozent 2011, um rund sechs Prozent 2015 und um knapp 25 Prozent Mitte 2013. Mit der Betreuung ihrer Angehörigen in der Einrichtung sei die Familie stets zufrieden gewesen, betont Gerd Speicher. Aber die Preisentwicklung stelle ein großes Problem dar, sodass sie sie leider in eine andere Einrichtung verlegen müssten.

Stephan Manstein, Direktor für den Geschäftsbereich Altenhilfe der Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken, kennt den Fall der Familie Speicher. Er habe angesichts der Preissteigerung, die nicht zu leugnen sei, vollstes Verständnis für den Entschluss, Monika Lorenz in eine andere Einrichtung zu verlegen. Vonseiten der Caritas komme man der Familie daher entgegen und verzichte auf Einhaltung der Kündigungsfrist. "Frau Lorenz kann so lange bei uns bleiben, bis ein Platz für sie gefunden ist", sagt Stephan Manstein.

Die Pflegesätze im Caritas Seniorenhaus Bous hätte sich von 2010 bis 2015 in der Pflegestufe eins von 71,09 Euro auf 108,94 Euro pro Tag erhöht, also um 53 Prozent, gibt Manstein an. In diesen Pflegesätzen seien alle Bestandteile enthalten: Pflege, Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten .

Der größte Brocken, die Erhöhung um 22,50 Euro pro Tag im Jahr 2013, seien bedingt durch den Neubau der Einrichtung. "Der Umzug in das neue Gebäude hatte eine deutliche Anhebung der Investitionskosten für die Bewohner zur Folge, aber auch einen deutlich höheren Wohnkomfort", betont Manstein. Unter Investitionskosten sind die Kosten zu verstehen, die für die Bereitstellung der Immobilie anfallen.

Der damalige Anstieg hätte zwar zu fünf oder sechs Auszügen geführt, aber "unser Haus wurde und wird auch mit den neuen Preisen sehr gut angenommen". Der Anspruch an die Qualität der Pflege steige, sagt Manstein, und diesem Anspruch werde man unter anderem mit einem modernen Gebäude gerecht.

Die weiteren größeren Preissteigerungen 2011 und 2015 seien wegen einer Veränderung der sogenannten Personalanhaltszahlen entstanden, also mit der Anstellung von mehr Personal. Diese sei allen Pflegeeinrichtungen im Saarland vorgegeben worden, bedeute aber ebenfalls eine deutlich verbesserte und "von uns auch als notwendig angesehene Personalisierung in der Pflege", betont Manstein. "Wir haben uns mit der Saarländischen Pflegegesellschaft für diese Anhebung eingesetzt, weil die Pflege sonst nicht mehr zu leisten ist." Mehr Personal bedeute aber auch höhere Pflegesätze . In Bous wurde das Personal seit 2010 um fünf Vollzeitkräfte aufgestockt. Auch die deutlichen tariflichen Personalkostensteigerungen der vergangenen Jahre hätten zur Erhöhung der Tagessätze geführt. Zwar könne er ausschließen, dass es in naher Zukunft zu einer derart großen Preissteigerung wie 2013 komme, sagt Manstein, aber was die Pflegesätze angeht, seien weitere Anhebungen möglich. Denn diese werden Jahr für Jahr von den Pflegekassen und den Sozialhilfeträgern neu verhandelt.

Den Tipp bekamen wir von Leser-Reporter Gerd Speicher. Haben Sie Spannendes zu berichten? Schicken Sie uns alles: Sprachnachricht, SMS/Fax oder MMS mit Foto an (06 81) 5 95 98 00, E-Mails an leser-reporter@sol.de.