Wadgassen hat größtes Jugendorchester im Saarland Der Nachwuchs macht die Musik

Wadgassen hat größtes Jugendorchester im Saarland Der Nachwuchs macht die Musik

Wadgassen. Tuba, Flöte, Schlagzeug, Saxofon: Im Proberaum des Orchestervereins Wadgassen sieht es aus wie in den meisten Orchestern. Umgeben von Vereinsinsignien und Auszeichnungen üben die jungen Musiker ihre Fertigkeiten auf dem jeweiligen Instrument. Sie sind jung, erstaunlich jung

Wadgassen. Tuba, Flöte, Schlagzeug, Saxofon: Im Proberaum des Orchestervereins Wadgassen sieht es aus wie in den meisten Orchestern. Umgeben von Vereinsinsignien und Auszeichnungen üben die jungen Musiker ihre Fertigkeiten auf dem jeweiligen Instrument. Sie sind jung, erstaunlich jung. Das Besondere am Schülerorchester Nummer Zwei ist das Alter der Mitglieder: Es besteht fast ausschließlich aus etwa 30 Schülern zwischen acht und elf Jahren.Der Verein besitzt sogar ein zweites Jugendorchester. Im Schülerorchester eins sitzen Kinder und Jugendliche von zwölf bis 20 Jahren. Nach zwei bis drei Jahren im Orchester Zwei können die Jungmusiker wechseln; es ist für die Kleinen sozusagen das Sprungbrett ins Orchesterleben. "Die Großen spielen bereits auf hohem Niveau", sagt Björn Jakobs. Der frühere Schlagzeuger am Saarländischen Staatstheater leitet das Orchester der Älteren mit etwa 65 Mitgliedern. Laut seiner Aussage ist das Wadgasser Jugendorchester das größte im Saarland. "Und das beste", meint der Lehrer und Theaterpädagoge stolz. 2011 gewannen die Älteren den Saarländischen Orchesterwettbewerb.

Während andere Musikvereine um jedes Mitglied kämpfen, haben die Wadgasser etwa 300. Ihr Erfolgsrezept ist die Kooperation mit verschiedenen Schulen. Durch das Projekt "Kulturverein und Schule", welches vom Bildungsministerium gefördert wird, kam der Verein in Kontakt mit den Grundschulen in Wadgassen und Bous. Das Orchester hat seitdem regelmäßig die Möglichkeit, mit Kindern in den Schulen direkt in Kontakt zu kommen. Diese versuchten den Schülern auch das Proben in dem Nachmittagsunterricht zu ermöglichen, sagt Jakobs. Zudem arbeitet der Verein mit der örtlichen Musikschule zusammen, die regelmäßig Schüler vorbeischicke. Für zehn Euro pro Monat können Mitglieder die Instrumente mieten; die wöchentliche Orchesterprobe ist kostenlos.

"Bedeutend ist der Förderverein, welcher "besondere Aktivitäten" wie den Gegenbesuch eines Partnerorchesters in Michigan ermögliche", meint Björn Jakobs.

"Wichtig ist dem Orchester die Stärkung von sozialen Kompetenzen", sagt Stefanie Schanno. Die Erzieherin im Kinderheim ist laut Björn Jakobs die "gute Seele des Vereins". Sie glaubt, dass die Mitglieder Disziplin und Konzentration lernen. Tatsächlich üben die Kinder eine dreiviertel Stunde ruhig vor der Dirigentin Anna Nicolay. Die 19-Jährige leitet das Orchester Zwei seit einem halben Jahr. Die Lehramtsstudentin freut sich über die Chance, schon jetzt mit Kindern arbeiten zu können. "Aber der Spaß, den die Kinder haben, macht es einfach für mich", sagt sie. Sie hat Fingerspitzengefühl: Mit sanfter Stimme, aber bestimmt, gibt die zukünftige Deutsch- und Religionslehrerin Anweisungen. Bei kleinen Fehlern greift Jakobs derweil dezent ein und hilft den Schlagzeugern.

Den Kindern macht das Musizieren Spaß. Den Klang der Trompete hat er schon immer gemocht, sagt der neunjährige Vincent. Besonders in Erinnerung blieb ihm ein Konzert für den Ortsvorsteher. Etwa fünf Auftritte haben sie im Jahr. Mira, elf Jahre, spielt bereits seit vier Jahren Querflöte. "Rock my soul" ist ihr Favorit im derzeitigen Programm. Am Ende spielen die Kinder mit der Dirigentin ein Wurfspiel mit einem Stofftier. Ganz so wie bei anderen Orchestern sieht es in Wadgassen eben doch nicht aus.

Den nächsten Auftritt hat der Orchesterverein Wadgassen am 27. April im Turnerheim bei einem Rock-Pop-Konzert. Am 12. Mai spielt er mit dem Komponisten Otto M. Schwarz ein Frühjahrskonzert in der Glückauf-Halle Hostenbach. Eine Tradition ist ihr Auftritt beim Abteifest vom 15. bis 17. Juni.

Das Schülerorchester zwei des Orchestervereins Wadgassen unter der Leitung von Anna Nicolay bei der Probe. Foto: Thomas Seeber.

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