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Und plötzlich hatte der Engel ein Gesicht

Und plötzlich hatte der Engel ein Gesicht

Was in Klaus Ferner aus Wadgassen angesichts der Schließung des Klosters in Bous vorgeht, könnten andere unterschreiben: "Das Kloster Heiligenborn ist meine geistige und geistliche Heimat. In diesem Sinne verliere ich jetzt meine Heimat." Ob er eine neue findet, und wie? "Ich weiß es nicht." Was dabei genau Heimat heißt, ist nicht auf einen Nenner zu bringen

Was in Klaus Ferner aus Wadgassen angesichts der Schließung des Klosters in Bous vorgeht, könnten andere unterschreiben: "Das Kloster Heiligenborn ist meine geistige und geistliche Heimat. In diesem Sinne verliere ich jetzt meine Heimat." Ob er eine neue findet, und wie? "Ich weiß es nicht." Was dabei genau Heimat heißt, ist nicht auf einen Nenner zu bringen. Vielleicht am besten zeichnet eine kleine Anekdote, die Maria Plein aus Dillingen geschickt hat, was der Geist, die Spiritualität, der Bouser Redemptoristen ist: "Als Jugendliche habe ich im Rahmen der katholischen Jugendarbeit Pater Eberhard Neugebauer mit seinen Seilzaubertricks und das Klosterleben kennen gelernt. Niemals vergessen werde ich den Tag, an dem er mich anrief und fragte, ob ich nicht, wie schon so oft, während des Gottesdienstes eine Geschichte erzählen wolle. Er hätte so eine wunderschöne Geschichte, die müsste ich nur einmal durchlesen und dann vortragen. Wer Pater Neugebauer noch in Erinnerung hat, wird wahrscheinlich wissen, dass solche Anmerkungen von ihm oft einen Haken hatten. Und so auch hier. Er hatte eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes nämlich keine Geschichte für mich, sondern lediglich den Anfang der Geschichte vom kleinen Engel "Hatschi"! Und so stand ich, als nicht ganz 17-Jährige, vor dem Problem, aus dem Stegreif eine Geschichte erfinden zu müssen, da die Kirche gut besucht war in der Vorweihnachtszeit. Wie so oft kam meine Rettung von ganz allein. Ein kleiner Junge stand mit seinen Eltern in einer der ersten Reihen. Er brannte mit seiner Kerze das Liedblatt an, den Rest Wachs verarbeitete er zu einem kleinen Häufchen - und für mich hatte der imaginäre Engel plötzlich ein Gesicht und eine Geschichte, die wie selbstverständlich und lange geübt, die Ohren meiner Mithörer erreichte. Gelernt habe ich damals unendlich viel Geduld, Toleranz und die Portion Selbstbewusstsein, die ich jeden Tag zum Leben brauche." Warmherzige Erinnerungen aus der Weihnachtszeit steuerte auch Familie Schneider aus Schwarzenholz bei: "Als Familie waren wir regelmäßige Besucher der Familiengottesdienste mit Pater Franz Menke, der eine wahre Gabe besitzt, die Kinder und ihre Eltern anzusprechen und zu begeistern. Besonders jetzt in der Weihnachtszeit werden wir uns mit Wehmut an unseren Familienkreis um Pater Eberhard Neugebauer und seine Helferinnen erinnern. Vier Jahre lang trafen wir uns - nicht regelmäßig, aber immer im Advent - zu den Familienexerzitien. Die Kinder erzählen immer noch von den Übernachtungen im Kloster, dem gemeinsamen Singen, Wandern, Basteln und Beten. Wege zur BesinnlichkeitWir Eltern bekamen Wege aufgezeigt, wie man in einer immer schnelleren und kommerzialisierten Welt zurückfinden kann zur besinnlichen Weihnachtszeit, nie weltfremd und immer mit einem offenen Auge und Ohr für die Alltagsprobleme von uns Familien. Unvergessen sind auch die Besuche von Pater Neugebauer als Stellvertreter des Heiligen Nikolaus. Ihm ging es nie darum, ob die Kinder nun "gut" oder "böse" waren, sondern es lag ihm am Herzen, dass die Kinder wissen, wer denn dieser "Mensch Nikolaus" war. Wir möchten "Danke" sagen für die vielen schönen Stunden und wir werden sie vermissen!" Pater LuckasLänger zurück liegt eine Begebenheit, die Hannemarie Altmeyer aus Ensdorf erzählt: Ihr Onkel Sepp aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt kam 1952/53 zu Besuch nach Ensdorf. In einer Schrift über Exerzitien der Bouser Patres stieß er auf den Namen "Pater Luckas". Einen Kameraden diesen Namens habe er in seiner vierjährigen russischen Gefangenschaft gehabt, erzählt der Onkel, "Sepp" Josef Gernert. Hannemarie Altmeyer weiter: "Mein Vater und Onkel Sepp fuhren nach Bous, um herauszufinden, ob dies der besagte Pater Luckas sei. Sie warteten in einem kleinen Zimmer, und ein Pater kam herein. Es war Pater Luckas. Mein Onkel begrüßte ihn: Herr Pater, ich bin so froh, Sie wieder zu sehen. Pater Luckas nahm meinen Onkel in die Arme und sagte zu ihm: Sepp, in der Gefangenschaft waren wir doch immer per Du, dort war ich der Josef und nicht der Pater Luckas, und das soll auch immer so bleiben." Frühstück in KlosterkücheAus der Zeit auch Heribert Seidel, Bous: "Ich habe nach dem Krieg bis 1950 als Gymnasiast jeden Sonntag um sieben und um acht Uhr die Orgel gespielt. Ich bin jeden Morgen eine halbe Stunde zu Fuß zum Kloster gegangen. Alles für einen Gotteslohn, aber während der Predigt der zweiten Messe um acht Uhr konnte ich in der Klosterküche frühstücken." Aus Siersburg schrieben Günther und Gerlinde Grein sowie Nikolaus und Irmgard Bauer. Sie wurden bei einer Doppelhochzeit am 10. Juli 1958 im Kloster von Pater Leo Müller getraut. "Dass eine Klosterhochzeit lange Bestand haben kann, beweist unsere goldene Doppelhochzeit." Der Saarlouiser Aktionskünstler Mike Mathes war mit seinen Arbeiten und seinem Arbeiten oft zu Gast: "In seiner lebensklugen Art und Weise ließ Pater Wittenkämper mich nicht nur gewähren, sondern ermutigte mich durch direkte Fragen, zu meiner Homosexualität und meiner HIV-Infektion Stellung zu beziehen. Ich bin allen Brüdern des Klosters dankbar für ihre Entscheidung, mir die Tür zu öffnen, um auf diese ungewöhnliche Weise Gesicht zeigen zu können." Franz Neidhöfer trat mit seinem Madrigalchor Dillingen häufig in der Klosterkirche auf. "Eine fantastische Akustik." Und: "Uns Chorsängern hat die Freundlichkeit der Patres gefallen. Ich habe mich selten so wohl gefühlt wie dort."< wird fortgesetzt