Um wenigstens trocken zur Schule zu kommen"Es fehlt uns einfach an allem"

Um wenigstens trocken zur Schule zu kommen"Es fehlt uns einfach an allem"

Bous. Im Mai 2010 zeigte das Bouser Kinoprojekt "Rollenwechsel" einen besonderen Film: "Hotel Ruanda". Er handelt vom unsinnigen Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi 1994. Bei einer Vorführung konnte zufällig die 41-jährige Ordensschwester Soeur Marie-Bernadette aus Gisenyi in Ruanda anwesend sein, und sie berichtete über die Situation in ihrem Land nach dem Krieg

Bous. Im Mai 2010 zeigte das Bouser Kinoprojekt "Rollenwechsel" einen besonderen Film: "Hotel Ruanda". Er handelt vom unsinnigen Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi 1994. Bei einer Vorführung konnte zufällig die 41-jährige Ordensschwester Soeur Marie-Bernadette aus Gisenyi in Ruanda anwesend sein, und sie berichtete über die Situation in ihrem Land nach dem Krieg.Um wirksam helfen zu können, gründete sie mit ein paar Frauen und unterstützt von der "Vereinigung der 1001 Hügel" der Pfarrei St. Anna im französischen Lunéville die "Abikunda Bruderschaft", die "Bruderschaft von der Barmherzigkeit ohne Grenzen".

Es gelang ihr, ein Stück Land zu kaufen und ein kleines, sehr einfaches Haus für Waisenkinder zu bauen. Zuerst waren es Kriegswaisen, zunehmend kümmert sie sich aber auch um Kinder, deren Eltern gestorben sind, oft an Aids, oder Kinder, die irgendwo zurückgelassen werden. Ohne ihre Hilfe sind sie Hunger und Malaria ausgeliefert. Sie haben keine Aussicht auf Bildung und keine Zukunft.

Schon als junges Mädchen kümmerte sich Marie-Bernadette um allein gelassene werdende Mütter, die sie bis zur Entbindung in ihr Elternhaus aufnahm. Mit 17 Jahren trat sie ins Kloster ein. Die Hilfe für Kinder und werdende Mütter blieb ihre Berufung. Das nächste Krankenhaus ist über 100 Kilometer entfernt, Medikamente kaum zu bekommen.

Für ihre Hilfsarbeit bat Marie-Bernadette um Spenden. Es ging zunächst um eine Regenbekleidung für die Kinder, damit sie ihre paar Schulsachen, die in Ruanda ein Vermögen wert sind, einigermaßen trocken zur Schule bringen können. Vielleicht bliebe noch etwas übrig für Schuhe oder Medikamente. Mit 300 Euro wäre viel geholfen, schrieb sie.

Der Bouser Paul Endres, Initiator des Kinoprojektes, startete eine Spendenaktion. Und das Ergebnis war überwältigend: Neben vielen Einzelpersonen spendeten die Handarbeitsgruppe des Seniorenhaus Bergfriede 380 Euro und die Gruppe "Familie Aktiv" ihren bei der Maisause erwirtschafteten Erlös von 700 Euro. Schwester Marie-Bernadette überreichte Bürgermeister Stefan Louis im Sitzungssaal des Rathauses den stolzen Betrag von 2200 Euro.

Das Spendenkonto bei der Volksbank Saarlouis bleibt vorerst bestehen: BLZ 59390100, Kto 201 886619. Patenschaftswünsche leitet Endres weiter an Soeur Marie-Bernadettes Verein "Enfants des 1001 collines" mit Sitz im französischen Lunéville. Es können Patenschaften in freiwilliger Höhe für ein Kind oder für das Haus übernommen werden.

Kümmern Sie sich allein um die Kinder?

Nein, ich kümmere mich nicht allein um die Waisenkinder von Ruhango. Sieben Mädchen haben sich engagiert, sich um die 37 Kinder zu kümmern und ihr Leben lang mit ihnen zu leben.

Wie kamen Sie dazu, sich für die Kinder zu engagieren?

Tiefes Mitgefühl mit den Leiden der Waisenkinder im Kleinkindalter hat mich zu dieser Tätigkeit veranlasst. Die Kinder sind unterernährt und würden verhungern, denn in unserer ländlichen Gegend sind die Familien sehr arm und viele leben seit dem Krieg in großem Elend. Alle Kinder werden in Ruanda mit Muttermilch ernährt, bis sie feste Nahrung aufnehmen können. Wenn also ein Kind seine Mutter verliert, ist es zum Hungertod verurteilt, wenn es nicht untergebracht werden kann. Die Familie verfügt nicht über die Mittel, Milch zu kaufen. Wenn nun ein verwitweter Vater allein mit seinen sieben oder acht Kindern da steht, ohne Geld mit nur zwei kleinen Gärten, ist er nicht in der Lage, Milch für den Säugling zu kaufen, der seine Mutter verloren hat.

Wofür wird das Spendengeld nun verwendet?

Es fehlt uns einfach an allem. Wir setzen die Prioritäten nach den Bedürfnissen. Das Geld ist zunächst einmal für den Kauf von Regenbekleidung bestimmt, denn es regnet hier sehr viel. Und wir wollen eine Kuh kaufen und einen Stall bauen. Langfristig planen wir, mehrere Kühe zu halten, denn die Milch ist sehr teuer. Vielleicht gelingt es uns eines Tages, die Kinder mit der Milch der eigenen Kühe zu ernähren.