Tobias Hans besucht Kita in Bous

Sommertour : „Ich will, dass das so weitergeht“

Kita St. Raphael berichtet Ministerpräsident Tobias Hans, warum ihre Bewegungsprojekte zu erstarren drohen.

 Andere machen dicke Fehler, ausbaden müssen es dann engagierte Leute an der Basis. So ließe sich die Situation der Kinderbetreuungseinrichtung St. Raphael in Bous beschreiben. Darauf wiesen die Kita-Leitung, der Vizepräsident des Turnerbundes Saar, Jürgen Leiner, und die Kita gGmbH als Träger am Freitagmorgen bei einem Rundgang mit Ministerpräsident Tobias Hans hin.

Hintergrund sind Finanzprobleme des in Schieflage geratenen Landessportverbandes Saar, LSVS. Um die zu lösen, war auch eine komplette Stabsstelle gestrichen worden. Dadurch fehlen der Bouser Einrichtung inzwischen wichtige Qualifizierungsmöglichkeiten, Fortbildungen sowie Fördermittel für Bewegungsprojekte. Denn St. Raphael ist einer von vier Bewegungs-Kindergärten im Saarland und als einziger von Anfang an dabei. „Wir haben das seit 16 Jahren aufgebaut“, sagte Leiterin Michaela Linxen-Grün.

Doch das Vorzeigeprojekt Bewegungs-Kindergarten gebe es so nicht mehr, „der steht nur noch auf dem Papier“. Am Leben gehalten werde das in Bous mittlerweile durch das große Engagement von Betreuerinnen und durch eine unentgeltliche Kooperation mit dem TV Bous. Wie lange noch, sei unklar.

122 Kinder sind derzeit in St. Raphael, aufgeteilt auf zwei Krippengruppen sowie vier Kindergartengruppen. 20 Betreuerinnen, viele mit zusätzlichen Qualifikationen, kümmern sich um Kinder ab der achten Woche. Und überall verleiten kleine Tricks dazu, sich zu bewegen. Dafür genügt beispielsweise ein schmaler Teppich mit Kästchen für „Himmel und Hölle“. Auf dem hüpfen Kinder zwischendurch einfach mal drauflos. Andere balancieren über symbolische Fußspuren am Boden. „Kinder haben einen Bewegungsdrang“, erklärte Linxen-Grün. Wird der nicht ausgeglichen, werde es unruhig und laut.

Zum richtigen Austoben hat St. Raphael eine kleine Turnhalle mit Rutschen, Klettermöglichkeiten und vielem mehr, das sportliche Aktivitäten fördert. Denn über Körperbewegungen werden Kinder in ihrer Wahrnehmung, im Erleben und Handeln gefördert. Daraus ergeben sich bessere Ausdauer und Konzentration, Lernfähigkeit und soziales Verhalten.

St. Raphael war 2009 als „Bewegungs-Kindergarten“ ausgezeichnet worden, erklärte Linxen-Grün. Als erste saarländische Einrichtung dieser Art. 2010 folgte die bundesweite Auszeichnung als „Fit-Kid-Kita“, 2011 wurde „Familie in Bewegung“ gegründet. Kinder machen außerdem ein Mini-Sportabzeichen.

Über das Projekt „Bewegungs- und Sportkette“ wird Bewegung weitergetragen in Grundschulen und weiterführende Schulen sowie zu Senioren im Seniorenheim. „Wir haben Deutschland vertreten“, sagte Linxen-Grün zur Teilnahme am europäischen Projekt zur Förderung von Bewegung und Sport in Kindergarten und Schule. Doch all das fange nun an wegzubrechen durch Stellenstreichungen infolge der LSVS-Affäre.

Auf Probleme durch solche strukturellen Veränderungen verwies Thomas Schmitz, pädagogischer Geschäftsführer der Katholischen Kita gGmbH, die Träger von St. Raphael ist. „Es wäre schade, wenn dann Sachen wegfallen.“ Linxen-Grün ergänzte, dass Kindergärten in vielen Dingen „den Grundstock für Grundschulen und weiterführende Schulen“ legen. Auch was frühkindliche Bildung angeht. „Ich werde mich mit den zuständigen Stellen zusammensetzen“, versprach Ministerpräsident Hans. Vor dem Hintergrund der überzeugenden Eindrücke in Bous meinte er: „Ich will, dass das so weitergeht.“

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