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Rohre aus der Vorkriegszeit müssen raus

Bous. Kaum jemand möchte mitten im Sommer ausgerechnet über das Thema Heizung reden. Die Gemeinde Bous jedoch muss ihr umfangreiches aber veraltetes System im Rathaus bis zur nächsten Heizperiode erneuern. Johannes A. Bodwing

"Die Verrohrung ist noch die von vor dem Krieg", erläuterte Bürgermeister Stefan Louis im Gespräch mit der SZ. "Das sind zum Teil noch alte Stahlrohre mit großem Querschnitt und Leckagen." Vor dem Krieg heißt, aus der Anfangszeit des von 1936 bis 1938 erbauten Bouser Rathauses. Die Heizung selbst sei wesentlich jünger und etwa 15 Jahre alt. Weil das Gebäude unter Denkmalschutz stehe, könne energetisch nicht viel getan werden. Man müsse sich einiges einfallen lassen, um die Heizung optimal auszulegen. "Bislang war die Steuerung nur für das komplette Haus möglich." Dadurch habe es warme Bereiche gegeben, in welche die Sonne schien, die anderen blieben dann eher kalt.


Arbeiten haben begonnen

Mit moderner Regelungstechnik könne dies wohl gezielter gesteuert werden. In den vergangenen Tagen hat eine Fachfirma mit der Neuinstallation begonnen. Dabei müssen allein etwa 80 Heizkörper ausgetauscht werden. Die kompletten Arbeiten sollen bis Beginn der Heizungsperiode abgeschlossen sein. Die Maßnahme wurde für 101 875,26 Euro vergeben. Darüber stimmte der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien ab. Bei dieser Sitzung vermittelten einige Fraktionen den Eindruck, als hätten sie bessere Lösungen parat. Beispielsweise sprach die SPD von der Möglichkeit, Polizei und Altes Rathaus anzubinden. "Die Heizungsanlage war uns schon seit Jahren ein Dorn im Auge", merkte deren Fraktionsvorsitzende Jutta Fellinger an. Jetzt sei nicht das Effektivste herausgeholt worden. "Wir können so nicht zustimmen."



"Wenn es ein tolles innovatives Konzept geben würde", erwiderte Grünen-Chef Christoph Küntzer, "hätten Sie das zur Abstimmung vorschlagen können". Seine Partei stimme zähneknirschend zu, damit die Mitarbeiter im Winter nicht im Kalten säßen.

Auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung bei der Bouser Verwaltung inwiefern bislang Vorschläge von Fraktionen vorgelegen hätten, lautete die Antwort: "Keine." Die Rathaus-Heizung habe aber schon in der Vergangenheit immer wieder Probleme gemacht, teilte die Verwaltung weiter mit. Sie konnte jedes mal repariert werden, bis Ende April dieses Jahres. Trotz Reparaturversuchen habe man das Rohrnetz nicht mehr abdichten können. Nach Gesprächen mit Fachfirmen und den Gas- und Wasserwerken Bous-Schwalbach, GWBS war klar: Eine grundlegende Erneuerung musste her, statt weiterer Reparaturen.

Auf Kritik am Verwaltungsvorschlag erwiderte Bürgermeister Louis in der Sitzung: "Das Ausmaß der Unkenntnis ist erstaunlich." Die Verwaltung habe auch alternative Heizungsarten angesprochen. Aber diese wurden vor allem verworfen, weil die alte Gebäudestruktur Probleme mache sowie das vollständige Fehlen von Wärmedämmung im Bereich der Wände, Böden, Decken und Fenster.

Keine Alternative möglich

Für eine Wärmepumpe sei ein hochwärmegedämmtes Gebäude notwendig. Solar- oder Fotovoltaik-Anlagen scheiterten am Denkmalschutz , und ein Blockheizkraftwerk würde den finanziellen Rahmen der Gemeinde komplett sprengen.

Der Vergabe zur Erneuerung der Rathausheizung stimmte der Rat mehrheitlich zu, mit den Stimmen von Linke, Grüne, CDU und einem Mitglied der FWG.