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Optimisten kommen zum Zuge

Bous. Auch ein Blick in die Zukunft von Bous gehörte zur Veranstaltung „Quo vadis Bous?“ im Petri-Hof. Aber vor Erreichen der optimistischen Aussichten sind noch einige Problemfelder zu beackern. Johannes A. Bodwing

Ein noch attraktiverer und lebenswerterer Ort ist Bous im Jahre 2028. Diesen optimistischen Blick in die Zukunft wagten am Mittwochabend zwei Vertreter der IHK-Saarland, Bürgermeister Stefan Louis und Christoph Jäger, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Bous . Dazu angeregt hatte sie am Mittwochabend im Petri-Hof Moderator Mathias Winters von der SZ bei "Quo vadis Bous ?".

Die Veranstaltung von IHK Regional Saarland sowie der Aktionsgemeinschaft Bous lotete Möglichkeiten der etwa 7000 Einwohner zählenden Gemeinde aus. Gekommen waren rund 85 Zuhörer, vor allem aus Wirtschaft, Politik und Vereinen.

2028 wirken viele Bürger mit, um die Gemeinde aufzuwerten, orakelte Jäger. Louis hielt dann viele Ziele des Gemeindeentwicklungskonzeptes für verwirklicht. Leander Wappler, IHK-Fachmann für Handel und Tourismus, sah ansprechende Fassaden in der Saarbrücker Straße, Verkehrsreduzierung und mehr Dienstleister und Gewerbetreibende . "Eine Musterkommune" sei Bous , sagte IHK-Geschäftsführer Carsten Meier. Und der Haushalt ausgeglichen.

Nicht ganz so strahlend sieht die heutige Realität aus. Was denn Sparen und Schuldenbremse konkret für Bous bedeute, wollte Winters wissen.

Ein bisschen fehlt noch



"Wir sind nicht mehr in der Lage, die Investitionen zu tätigen, wie es notwendig wäre", antwortete Louis. "Die Gemeinde Bous kann sich nur selbst retten", meinte Jäger und appellierte an Bürger : "Man sollte sich mit Bous identifizieren." Denn wer hier kaufe, stärke die Geschäftsleute, was wiederum der Gemeinde Gewerbesteuern bringe. Und "die Gewerbetreibenden unterstützen die Vereine und Jugendarbeit", sagte Jäger. Die "Mittel dort einsetzen, wo sie Sinn machen", forderte Meier. Deshalb seien auch 15 000 Euro der Gemeinde für Zuschüsse zu Fassadensanierungen gut angelegtes Geld, das steigere die Attraktivität.

Viele Hausbesitzer täten zu wenig, führte der Bouser Bürger Helmut Schirra an. "Das fällt denen auch mal auf die Füße", warnte er vor Konsequenzen aus ungepflegten Immobilien .

Die Gemeinde könne ja die Hausbesitzer an einen Tisch bringen, schlug Peter Reimringer vor, selbst Hausbesitzer in Bous . Wenn "gemeinsam Firmen für Arbeiten angeschrieben werden, hätte das Vorteile für Handwerker und Hauseigentümer ". Trude Steil schilderte, mit welch geringem Aufwand die Verschönerung der Saarbrücker Straße gelungen ist. Die Bouser Zukunftswerkstatt "hat dort eine Baumscheibe mit Blumen bepflanzt". Zur Aktionsgemeinschaft Bous erklärte Jäger, dass sie "Bindeglied zwischen Gemeinde, IHK und Gewerbetreibenden" ist. Man mache auch Vorschläge. "Und Sie treffen immer auf offene Ohren?", fragte Winters. "Nein."

Investor für Kloster gesucht

Eine Klosterbrauerei, ein Hotel und Restaurant könne sich Jäger im ehemaligen Kloster Heiligenborn vorstellen. Das Gebäude sei nicht für alles nutzbar, sagte Bürgermeister Louis. Man brauche auch einen Investor. Aber "bei einem vernünftigen Konzept" würde sich die Gemeinde einer Beteiligung nicht verschließen. "Damit Bous zukunftsfähig bleibt", gebe es keine Patentrezepte, sagte IHK-Geschäftsführer Carsten Meier im Petri-Hof. Aber Orientierung böten Entwicklungen, "denen sich keine Gemeinde entziehen kann". Er hielt das erste von zwei Referaten.

Wichtig sei es, die Ortskerne vital zu halten. Hier sah er Bous auf gutem Weg mit Leerstandskataster, Fassadensanierung und geplantem Mietzuschuss für Jungunternehmer. "Für mich hat Bous eine gute bis sehr gute Position im Ranking der saarländischen Kommunen." Die Bevölkerungsentwicklung sei durch Zuwanderung einigermaßen stabil, die Steuereinnahmen lägen mit 7,3 Millionen Euro im oberen Drittel, die Verschuldung mit 953 Euro pro Einwohner sei unterdurchschnittlich.

Der Kunde nutze heute große Märkte und Internetangebote, analysierte IHK-Experte Leander Wappler im zweiten Vortrag. Kleine Geschäfte seien oft nicht mehr konkurrenzfähig.

Bevölkerungszahl sinkt

Und Bous werde 2025 rund elf Prozent weniger Einwohner haben. Das ergebe ein Überangebot an Wohnungen, etwa 245 Wohngebäude stünden dann leer. Es drohten Werteverfall, Sanierungsstau und Verlust der Attraktivität im Ort. Den Handel koste es Kunden. "Investieren Sie in Ihre Häuser", appellierte Wappler an Hausbesitzer. "Für sich selbst, aber auch für die Lebensqualität der Kommune." Die müsse vor allem die Grundversorgung sichern, Parkflächen bereitstellen und es schaffen, die Bürger besser zu aktivieren.