Mus-e lässt Kreativität erleben

Bous. Ein kleines weißes Schild weist die Grundschule Bous künftig als "Mus-e"-Schule aus. Gestern überbrachte die Koordinatorin für das Projekt beim Land, Sandra Krämer, das Schild. Drei Klassen haben drei Schuljahre lang wöchentlich zwei Stunden qualifizierte musische Anleitung. Das dritte Jahr liegt noch vor ihnen

 Klasse 3.3 bei ihrer Zirkus-Choreografie. Foto: Hartmann Jenal

Klasse 3.3 bei ihrer Zirkus-Choreografie. Foto: Hartmann Jenal

Bous. Ein kleines weißes Schild weist die Grundschule Bous künftig als "Mus-e"-Schule aus. Gestern überbrachte die Koordinatorin für das Projekt beim Land, Sandra Krämer, das Schild. Drei Klassen haben drei Schuljahre lang wöchentlich zwei Stunden qualifizierte musische Anleitung. Das dritte Jahr liegt noch vor ihnen. Part der Lehrer ist, die musische Kreativität in die reguläre Unterrichtszeit zu integrieren. Denn die zwei Mus-e-Stunden werden nicht zusätzlich auf den Stundenplan gesetzt. "Mus-e ist für viele Kinder die einzige Gelegenheit, Kultur aktiv zu erleben", sagte die Schulleiterin, Irmtraud Kutscher. "Ich musste immer wieder bei Eltern dafür werben, dass das keine vertane Zeit ist, sondern dass alle Fähigkeiten der Kinder entwickelt werden."

Die 3.1 von Klassenlehrerin Susanne Hector hat zuletzt mit dem Tänzer Miguel Bejanero Bolivar Szenen aus dem "Karneval der Tiere" geprobt. Der Kolumbianer Bolívar setzte Schwerpunkte auf Körperbewusstsein und Bewegungslust.

Die 3.2 (Marianne Viguié) inszenierte mit Franz Peter Bruna Elemente aus Breakdance, Bauchtanz und philippinischem Stocktanz. Bruna, Sozialpädagoge, bringt eine Ausbildung als Gestalttherapeut mit.

Und die 3.3 entwickelte mit Eva Lajko und Thil Bremeier eine Tanzchoreografie zum Thema Zirkus. Lajko hat sich nach ihrer Ausbildung am Konservatorium in Wien als Tänzerin selbstständig gemacht. Kostproben aller drei Projekte lieferten die Kinder gestern in der Südwesthalle Bous.

Erkennbar wurde, was " Kultur aktiv erleben" meinte: Jedes Kind hatte seine Rolle, seinen Ausdruck, musste sich mit den anderen organisieren, das Ganze zu Rhythmus, Choreografie und Musik. Rhythmusgefühl, Körperbeherrschung, Präsentation - Aspekte von "Mus-e". "Mus-e" steht für "Künstlerisches Programm für Schulen in Europa".

Das Konzept stammt von der vom Geiger Yehudi Mehuhin gegründeten gleichnamigen Stiftung. Im Saarland nehmen derzeit 14 Schulen mit 34 Klassen daran teil. Finanziert wird Mus-e komplett vom Land.

Meinung

Was Mus-e wirklich leistet

Von SZ-Redakteur

Johannes Werres

Es ist keine Glaubensfrage, man weiß es: Musizieren, Tanzen, Malen, Theater, noch dazu mit qualifizierter Anleitung, entwickelt Kinder ganzheitlich. Das Projekt Mus-e hat den Bouser Kindern Lebensfreude geschenkt. Es legt aber auch den Finger in die große bildungspolitische Wunde: Schule fast nur leistungsorientiert zu betreiben. Verzicht auf systematisch angeleitete musische Kreativität ist inhuman. Und dumm: Weil die musische Komponente Kinder ja gerade zu Leistungsentfaltung befähigt. Vor diesem Hintergrund reicht es eigentlich als Kommentar, was die Bouser Schulleiterin sagte: "Mus-e ist für viele Kinder die einzige Gelegenheit, Kultur aktiv zu erleben."