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Kommunalpolitisches Urgestein Heribert Seidel wird heute 80

Bous. Innenminister Klaus Meiser benutzte diesen Begriff, als er diesem Mann im vorigen Jahr die Freiherr-vom-Stein-Medaille für außerordentliche Leistungen überreichte: "kommunalpolitisches Urgestein". Heribert Seidel aus Bous ist nicht der erste und nicht der letzte engagierte Politiker, dem dieses Prädikat zugeschrieben wurde und wird - doch treffender ist es selten

Bous. Innenminister Klaus Meiser benutzte diesen Begriff, als er diesem Mann im vorigen Jahr die Freiherr-vom-Stein-Medaille für außerordentliche Leistungen überreichte: "kommunalpolitisches Urgestein". Heribert Seidel aus Bous ist nicht der erste und nicht der letzte engagierte Politiker, dem dieses Prädikat zugeschrieben wurde und wird - doch treffender ist es selten.Heute feiert Heribert Seidel seinen 80. Geburtstag. Selbstverständlich "ohne großen Bahnhof", wie er selbst sagt. Doch den werden ihm seine Bouser Freunde sicherlich bereiten, und die politischen Konkurrenten ("Gegner" gibt es in seinem Sprachgebrauch eher nicht) werden ihren Respekt bezeugen.Ob Seidel ein Buch über seinen politischen Lebenslauf schreiben wird? Es ist zu wünschen, denn es würde ein spannendes Stück deutscher und saarländischer Nachkriegsgeschichte. Nach dem Jura-Studium in Saarbrücken und Bonn ist er, beginnend in der damals illegalen Saar-CDU, ab 1953 politisch tätig. Nach der ersten Kommunalwahl nach der Volksabstimmung im Jahr 1956 zieht er in den Bouser Gemeinderat ein.Beruflich sind die Stationen Richter am Landgericht Saarbrücken (1958 bis 62), Syndikus beim Kreis Saarlouis (1963 bis 1966) und 1966 bis 1972 das Amt des Oberkreisdirektors, also Verwaltungschefs, beim Landkreis Blankenburg mit Sitz in Braunlage. Ehrenamtlich engagiert sich Seidel für die Lebenshilfe im Kreis, die er 1965 gründet hat, beim Sozialwerk des Kreises und beim Haus- und Grundeigentümerverein Bous. 1965 tritt er in die SPD ein, doch 1978 verliert er dort seine politische Heimat. "Ich musste raus, denn ich konnte nicht akzeptieren, dass Oskar Lafontaine mit Kommunisten kooperieren wollte", sagt er im Rückblick. Bis heute sind diese Heimat seit 1984 die Freien Wähler, deren Landesverband er 1984 mit gründet, und dessen Geschäftsführer er von 87 bis 1996 ist. 1993 ist Seidel Mitbegründer der FWG Bous, 1994 bis 1999 Vorsitzender des Kreisverbands. Seit 1994 ist er zweiter Vorsitzender der Bouser FWG, Mitglied im Gemeinderat und seit 2004 Fraktionsvorsitzender sowie zweiter Beigeordneter der Gemeinde. "Mit 80 ist ja dann Schluss", sagt er ohne Groll oder Gram zur politischen Zukunft seiner Gemeinde und seiner FWG. Hundertprozentig Schluss? Dass die FWG ihn zum Ehrenmitglied ernannt hat, und auch wenn Seidel das Feld gut bestellt sieht, wird nicht bedeuten, dass seine Freunde auf seinen Rat verzichten werden. pum