Internationaler Austausch: „Ich möchte Dinge wertschätzen lernen“

Internationaler Austausch : „Ich möchte Dinge wertschätzen lernen“

Mara Thiel wird 13 Monate in der größten Stadt Boliviens einen sozialen Friedensdienst absolvieren.

Beneidenswert? Mara Thiel, 19, sitzt im Kino-Bistro in Bous, draußen donnert der Berufsverkehr vorbei, und sie geht in Gedanken durch, was sie noch alles tun muss. Das Abi am Völklinger Technischen Gymnasium ist geschafft, keine Woche mehr, und ihre Familie wird sie am Flughafen Luxemburg verabschieden. Am Sonntag hebt das Flugzeug ab. 13 Monate wird Mara in Bolivien bleiben.

Wo ich wohnen werde? Weiß ich nicht. Das klärt sich bei der Ankunft, sagt sie, „bei einer Familie, auf jeden Fall. Das ist ja schwierig mit den Gastgeschenken, wenn man das nicht genau weiß. Ich nehme auf jeden Fall etwas für alle Altersstufen mit.“ Mehr als ein Jahr also in Südamerika. Beneidenswert, ja: „Ehrlich gesagt, seit meiner Kommunion träume ich davon. Seit ich 13 bin, habe ich dafür gespart.“ Für eine lange Zeit in Südamerika, Peru eigentlich. „Wegen dieser vielen verschiedenen Kulturen.“

 Es muss in der Familie liegen. „Mein Papa hat das in diesem Alter auch gemacht. Ein Jahr in Ecuador zum Klettern.“ Papa habe auch Verständnis für Maras Projekt, ist sie sich sicher. Südamerika musste es werden: „Ich habe gehofft, zu helfen. Viel Gutes zu tun.“ Deswegen wollte sie hin. Ihr Motiv hat inzwischen gewechselt. In vielen Vorbereitungsseminaren habe man ihr klar gemacht, dass das mit dem Helfen so eine Sache sei. So viel helfen könnten sie gar nicht, warnte die Entsende-Organisation die jungen Leute vor falschen Vorstellungen. Diese Organisation heißt SoFIA, „Soziale Friedensdienste im Ausland“. SoFIA ist ein Verein, der vom Bistum Trier getragen wird. 30 junge Leute im Jahr bringt SoFIA fast auf der ganzen Welt unter.

Mara wird in der größten Stadt Boliviens, in Santa Cruz, leben. Sie wird dort sozial benachteiligte Kinder am Colegio Ciuidad del Nino Jesus/Martin Sappl nachmittags betreuen. Bemerkenswert, eben auch beneidenswert, ist ihr neues Motiv für den Aufenthalt. Sie hat es in der Vorbereitung mit SoFIA entwickelt. „Facetten des Lebens“ will sie wahrnehmen lernen, „ich möchte Dinge wertschätzen lernen. Nicht nur Dinge, natürlich. Bei uns hier scheint alles selbstverständlich. Es geht uns gut in Deutschland, in anderen Ländern ist das nicht so.“ Wenn sie wieder zurück ist, will sie Grundschullehrerin werden.

Diese Neugier auf Wertschätzung, sagt Mara, habe schon jetzt etwas verändert, Beispiel: „Ich nehme die Hilfsbereitschaft meiner Familie und von Freunden erst richtig wahr. Sie ist eben nicht selbstverständlich.“ Das Leben ganz neu schätzen zu lernen: Mara entdeckte das beim Reisen mit Freunden durch Europa, „ganz besonders in Kroatien. Da hat es mir besonders gut gefallen.“

In Santa Cruz wird Mara Thiel nutzen, dass sie Basketballerin ist, und dass sie auch schon Kinder trainiert hat. Kürzlich hat sie ein Benefizturnier in der Südwesthalle organisiert, für SoFIA. Das gehört zum Konzept von SoFIA. Die Organisation trägt alle Aufenthaltskosten, aber die jungen Leute sollen auch Mittel organisieren.

Die ersten vier Wochen in Bolivien ist für Mara Spanisch büffeln angesagt. „Ich wollte zwar vorher einen Kurs machen, im März. Aber das hat zusammen mit den Abi-Vorbereitungen einfach nicht hingehauen.“

Bewerbungen für das kommende Jahr noch bis 31. August: www.sofia-trier.de
Für SoFIA kann man spenden: BIC GENODED1PAX, IBAN: 75 370 601 93 3 005 497 018 (mit Spende, Namen und Adresse im Verwendungszweck kennzeichnen).