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„Ich kann das Urteil nicht verstehen“

Der Bouser Ibrahim Acun (l.) ist hier gegen Lukas Seimetz im Vorwärtsgang, am Ende aber sprachen die Kampfrichter dem Köllerbacher den Sieg zu. Acun konnte das nicht nachvollziehen. Foto: Ruppenthal
Der Bouser Ibrahim Acun (l.) ist hier gegen Lukas Seimetz im Vorwärtsgang, am Ende aber sprachen die Kampfrichter dem Köllerbacher den Sieg zu. Acun konnte das nicht nachvollziehen. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Bous. Insgesamt 76 weibliche und männliche Karateka gingen am vergangenen Samstag in der Bouser Südwesthalle an den Start, um bei den diesjährigen Saarlandmeisterschaften im Karate die Titel untereinander auszumachen. Dabei lagen Freud und Leid eng beieinander. David Benedyczuk

Im letzten Kampf des Tages wurde es bei den Karate-Landesmeisterschaften am Samstag in Bous richtig dramatisch. Gerade haben Ibrahim Acun vom Karate Dojo Bous und der Köllerbacher Lukas Seimetz das Finale der Kumite-Allkategorie, in der Kämpfer aller Gewichtsklassen gegeneinander antreten, hinter sich gebracht. Beide konnten im Verlauf der drei Minuten je eine Wertung einstreichen, das endgültige Urteil müssen nun die Kampfrichter fällen. Am Ende liegt Seimetz mit 3:2-Stimmen vorne - eine Entscheidung, die der Unterlegene nur schwer akzeptieren kann: "Was soll ich denn noch machen?", lässt Acun seinem Unmut freien Lauf. "Ich kann dieses Urteil nicht verstehen. Beim Kampfrichter-Entscheid ist die Technik entscheidend. Ich habe bestimmt zehn verschiedene Techniken angewandt und verliere dennoch. Ich bin schwer enttäuscht", hadert der 22-jährige BWL-Student.

Bereits im Kumite bis 80 Kilo hatte Acun gegen Seimetz verloren. Vor diesen beiden landete in der Südwesthalle aber einmal mehr Sascha Meier auf Platz eins. Der 28-Jährige von SV Saar 05 Saarbrücken schnappte sich mit vier Siegen in vier Kämpfen souverän seinen insgesamt 24. Saarlandmeistertitel. Im letzten Duell gegen Acun machte er einen 0:1-Rückstand 15 Sekunden vor Schluss mit einer Fußtechnik zum Bauch, die zwei Punkte einbringt, wett. "Zum Glück hat es gereicht", freute sich Meier über den erneuten Triumph. "Das ist eine weitere Belohnung für meine harte Arbeit im Training. Ich freue mich über diesen Sieg genauso wie über den allerersten."

Recktenwald freut sich


Freude herrschte am Samstag auch bei Franziska Recktenwald vom Shotokan Saarwellingen. In der Kata, einer Kampfform gegen einen imaginären Gegner, reichte es für die 17-Jährige zwar nur zu Rang zwei hinter Mona Köhnke (SKA Saarpfalz). Dafür durfte sie sich später im Kumite mit dem Titel schmücken: "Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, ich habe ein paar schöne Techniken anwenden können", meinte Recktenwald nach ihrem Sieg über Lucia Bruno (Bous ). Bereits seit 2003 betreibt die Landeskader-Athletin Karate . "Kampfsport hat mich schon immer fasziniert. Ich habe es mir einfach mal angeschaut und bin dann hängen geblieben", verrät die angehende Abiturientin. Nach überstandenem Lernstress möchte Recktenwald spätestens nächste Saison wieder voll angreifen: "Ich will auf jeden Fall weiter machen und vielleicht nochmal bei einer deutschen Meisterschaft weit vorne landen." So wie im vorletzten Jahr mit Rang fünf bei der U18-DM. Bereits vor einigen Jahren hat Franziska auch ihre 13-jährige Schwester Lea mit dem Karate-Virus infiziert.

Überhaupt befindet sich die Sportart in Sachen Nachwuchsförderung wieder auf einem vielversprechenden Weg. Das liegt vor allem an den vielen Angeboten in Schulen. "Das bringt definitiv eine Menge", sagt Tobias Melzer, der Schulsportreferent des Karateverbands Saar. "Es wird in Zeiten von G8 und all dem Leistungsdruck schwerer, die Kinder in die Vereine zu locken. Durch Schnupperkurse in Schulen kommen aber viele auf den Geschmack." So dürften sich auch die Nachfolger der vier Karateka, die in Bous auf eigenen Wunsch aus dem Landeskader verabschiedet wurden (Steven Poggel, Melzer, Patrick Waldraff und Meier), bald auftreiben lassen. > siehe auch Zahlen