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Hospizwochen
Wo der Tod seinen Schrecken verliert

Bei vielen Menschen weckt der Gedanke an ein Hospiz eher Unwohlsein. In einem Dokumentarfilm erzählen Pflegekräfte aus dem Hospiz in Bous nun aus ihrem Alltag.
Bei vielen Menschen weckt der Gedanke an ein Hospiz eher Unwohlsein. In einem Dokumentarfilm erzählen Pflegekräfte aus dem Hospiz in Bous nun aus ihrem Alltag. FOTO: picture-alliance/ dpa / Oliver Berg
Bous. Anlässlich der Bouser Hospizwochen läuft morgen im Thalia-Kino ein Dokumentarfilm über die Arbeit im Sankt-Barbara-Hospiz. red

Der Dokumentarfilm „Zeit Punkt – Anfang, Ende und das Dazwischen“ läuft im Rahmen der Bouser Hospizwochen am Dienstag, 18. September, 19 Uhr, im Thalia-Kino in Bous. Der Interviewfilm will in Gesprächen mit Hebammen und Pflegefachkräften im Hospiz Anfang und Ende des Lebens, aber auch das Dazwischen erkunden. In dem Film berichten drei Pflegefachkräfte aus dem Sankt-Barbara-Hospiz Bous über ihren Arbeitsalltag, aber auch private Erfahrungen mit dem Tod.


Der Film ist die Abschlussarbeit von Katrin Neisius aus Saarbrücken an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Der Aufenthalt im Hospiz hat sie „positiv überrascht“, sagt sie: „Es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre und man hat das Gefühl, das Sterben ist hier etwas ganz Normales, was es ja eigentlich auch ist. Natürlich hat man zunächst ein mulmiges Gefühl, aber hier schwebt absolut keine Trauerwolke.“ Die Idee zum Film ist ihr gekommen, als es auf das Ende ihres Studiums zuging, erzählt sie. Sie habe „viel darüber nachgedacht, was anschließend kommt, was für Gemeinsamkeiten ein Anfang und ein Ende mit sich bringen. Im Leben gibt es ja immer wieder Anfänge und Enden. Ich habe mir die Frage gestellt, ob denn vielleicht die Geburt der konkrete Anfang und der Tod das konkrete Ende sind“, erzählt die Filme-Macherin. „Mir ist dabei auch klar geworden, dass die Geburt und der Tod eine der wenigen Erlebnisse sind, von denen wir nicht selbst berichten können. Also habe ich mich auf die Suche gemacht nach Leuten, die darüber berichten können. Hebammen oder Pfleger in Hospizen sind zwar einerseits beruflich täglich mit den emotionalen Ausnahmesituationen Leben und Tod konfrontiert, aber es betrifft sie auf der anderen Seite auch persönlich.“

In dem Film berichten drei Pflegefachkräfte aus dem Sankt-Barbara-Hospiz Bous über ihren Arbeitsalltag, aber auch ihre ganz privaten Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Tod. „Am Anfang waren wir natürlich skeptisch und konnten uns überhaupt nicht vorstellen, was da auf uns zukommt“, sagt Uschi Appel. „Aber dann haben wir uns auf das Experiment eingelassen und dadurch auch viel über uns selbst erfahren.“ Jürgen Konrad ergänzt: „Sie hat uns ihr Vertrauen geschenkt und wir ihr unseres. Man kommt automatisch über die Arbeit auch auf die persönliche Ebene. Am Ende war es vor allem ein Bericht über uns selbst. Ich habe durch den Film auch Dinge über meine Kolleginnen erfahren, die ich vorher nicht wusste.“



Neisius hat sich bewusst dafür entschieden, es in dem Film bei reinen Interviews zu belassen: „Ich unterhalte mich sehr gern mit Menschen und nutze Interviews, um in ein Thema reinzukommen und Ideen zu sammeln. Über das Medium Film habe ich die Möglichkeit, von den Perspektiven der anderen Menschen zu lernen und das dem Zuschauer weiterzugeben. Es lohnt sich einfach, über das Leben und den Tod nachzudenken und sich damit zu befassen.“

Hospizleiterin Judith Köhler ist stolz auf ihre Mitarbeiter und freut sich, dass der Film nun bei den Bouser Hospizwochen gezeigt wird: „Um die Arbeit in einem Hospiz machen zu können, braucht man eine eigene Geschichte und Persönlichkeit. Ich habe schon oft erlebt, dass viele Außenstehende Interesse daran haben zu erfahren, was das für Persönlichkeiten sind. Es ist schön, mit diesem Film Einblicke in unsere Arbeit geben zu können.“

Der Eintritt kostet 7,50 Euro. Der Erlös geht an das St.-Barbara-Hospiz Bous.