Hier ist die Anschrift die Botschaft des Briefeschreibers

Hier ist die Anschrift die Botschaft des Briefeschreibers

Schreiben ist eine Kunst. Erst recht, wenn jemand wie Peter Backes seiner Kreativität auch bei Briefumschlägen und Postkarten freien Lauf lässt, mit Anspielungen, Symbolen oder Wortspielen in der Anschrift.

Seine Adressaten finden Umschläge mit Druckknopf im Briefkasten, ausgeschnittene Weihnachtsmänner, Umschläge aus Seide und durchlöcherte Schießscheiben. "Es muss nur ausreichend frankiert sein", sagte der gebürtige St. Wendeler Peter Backes bei einer nur zweitägigen Ausstellung in der Hokuta Bous . "Dann besteht Beförderungspflicht".

Angefangen habe das, als er noch in Ensdorf wohnte. "In den 70er Jahren." Es sei darum gegangen, "etwas Besonderes" zu machen. Aber auch "das Getriebe der Post zu stören", das ihm zu bürokratisch war.

Die Empfänger lassen sich oftmals inspirieren und schicken ausgefallen gestaltete Briefe und Postkarten zurück. Das könne auch mal schief gehen, meinte mit einem Lächeln Hans Bender vom Hokuta-Vorstand. "Wenn das Format zu groß ist und die Briefmarkenwerte nicht reichen." Die Inhalte der Briefe seien auch nicht von tiefschürfender Wichtigkeit. "Es muss Spaß machen."

Erst recht in der heutigen Zeit. "Es schickt sich ja kaum noch jemand Briefe ", stellte Backes fest. "90 bis 95 Prozent sind Geschäftspost. Die laufen durch die Sortiermaschinen der Post." Dagegen könne es schwierig werden, wenn mal ein frankierter Kochlöffel kommt. Aber Briefträger erinnerten sich noch heute gern an seine ausgefallenen Postsendungen.

Eine Karte mit "Gruß aus Boppard" hat Backes mit Motiven aus Florenz versehen. Auf einem Umschlag mit Zebras ist die Anschrift über schwarze und weiße Streifen verteilt. "Da musste der Briefträger schon ziemlich suchen", amüsierte sich Backes. Andere Varianten bestehen aus originalen Briefmarken, deren Themen er zu Landschaften über die Umschläge hinweg fortgesetzt hat. "Ich schreibe im Jahr im Schnitt 300 Briefe ", sagte Backes. Und er sei "papierverrückt".

Die Inspiration komme über Werbung, Plakate und Zeitungen. Was dann entstehe, gehe an Freunde und Bekannte. Alleine Hans Bender hat mehr als 1000 solcher Briefe gesammelt, sagte er schmunzelnd. "Mail-Art kann man nicht kaufen", stellte Bender klar. "Sondern nur bekommen. Aber auch nur, wenn man was zurückschickt." Angefangen habe Mail-Art in New York, in den 1960er Jahren. "Ursprünglich waren das nur Postkarten. Zum Beispiel hat auch Joseph Beuys Mail-Art gemacht, und Friedensreich Hundertwasser ."

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