Film Filmische Sinnsuche in Bubenhausen

Bous · „Landrauschen“ ist ein etwas anderer Heimatfilm. Im Thalia-Kino Bous gab es dafür reichlich Applaus.

 Moderator Gerhard Alt im Gespräch mit der Landrauschen-Crew (von links): Nadine Sauter, Heidi Walcher und Barbara Miller

Moderator Gerhard Alt im Gespräch mit der Landrauschen-Crew (von links): Nadine Sauter, Heidi Walcher und Barbara Miller

Foto: Johannes A. Bodwing

„Zwei Frauen und ein Dorf in der Identitätskrise“, so lautet die offizielle Zusammenfassung des Films „Landrauschen“. Darin bildet 102 Minuten lang das knapp 700 Einwohner zählende Bubenhausen bei Neu-Ulm die Bühne für die Sinnsuche der Hauptpersonen. Das ist einmal eine junge Journalistin, die an ihren eigenen Ambitionen scheitert und im Elternhaus zwischenlandet. Dann ihre Mutter, die im dörflichen Einerlei zum Schnäpschen tendiert und Halt im Kirchgang sucht. Dazu kommen eine zunehmend die Handlung bestimmende Lebensgeschichte sowie teilweise skurrile Charaktere, die sich in vielen Dörfern finden. Wer Spannung erwartet, packende Unterhaltung oder krachende Witze, für den ist „Landrauschen“ keine Option. Vielmehr wirken die Handlungslinien wie ein beständiges Rauschen, aus dem, je nach Laune, einzelne Stimmen hörbar werden, Melodien oder rhythmische Muster.

„Mich hat das betroffen gemacht“, sagte eine ältere Frau im Thalia-Kino Bous. Dort wurde der Film in Kooperation mit den Landesarbeitsgemeinschaften der katholischen und der evangelischen Erwachsenenbildung im Saarland gezeigt. Betroffen sei sie über den Film, „weil jeder für sich gelebt hat, keiner hat was geändert“. In diesem Stillstand zwischen Tradition und neuen Herausforderungen bewegt sich der Film durchs Dorfgeschehen. Von der Faschingsveranstaltung über Proben des Musikvereins hin zur Kirche als Halt, zu Dorffest und Frauenkaffee.

Applaus begleitete die letzte Filmszene und den Abspann. Und aus dem Publikum gab es „ein großes Kompliment für die Laienschauspieler“. Um die 70 Personen von etwa 85 blieben noch sitzen für ein Gespräch mit drei Crew-Mitgliedern. Das moderierte Gerhard Alt, pädagogischer Mitarbeiter der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Kreis Saarlouis. Zu dem Film-Trio gehörten Heidi Walcher, die als Mutter Ilse beeindruckt, die Associate Producerin Barbara Miller, gleichzeitig auch Mutter der Regisseurin Lisa Miller, sowie Nadine Sauter, im Film die lesbische Rosa. Nahezu ganz Bubenhausen habe den Film inzwischen gesehen, stellten die drei dar. Insgesamt werde er gut aufgenommen. „Das haben wir uns ja in unseren kühnsten Träumen nicht vorgestellt, was da Großes draus wird“, wunderte sich noch immer Heidi Walcher. Sie spielt Theater, ist aber keine ausgebildete Schauspielerin. „Landrauschen“ wurde im Januar beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken ausgezeichnet als bester Spielfilm, außerdem mit dem Fritz-Raff-Drehbuchpreis sowie mit dem Preis der ökumenischen Jury. Inzwischen ist er auch als Gast bei der Berlinale aufgeführt worden und seit Juli in den Kinos. Menschen, die sich darin in weniger schmeichelhaften Darstellungen zu erkennen glaubten, sagte Sauter, „finden ihn auch nicht gut“. Aber nicht Idylle stehe im Vordergrund, stellte Barbara Miller dar. „Landrauschen ist ein Neo-Heimatfilm“, der nah ans Alltagsgeschehen herangehe. „Es gab ein festes Drehbuch“, sagte Sauter, „aber bei vielen Laiendarstellern war es auch improvisiert.“ Sie selbst ist Pädagogin in einer Einrichtung für behinderte Jugendliche. Sie sei zwar selbst lesbisch, „aber das ist nicht ein Film über mein Leben“.

Gedreht wurde „Landrauschen“ von Februar bis November 2016 und dann 2017 geschnitten und vertont, berichtete Miller. Der Film entstand ohne öffentliche Filmförderung, aber mithilfe von Spenden übers Internet und lokalen Sponsoren. Eine desillusionierte Ehefrau und Mutter spielte Heidi Walcher. „Das war schon schwierig, in die Rolle reinzukommen und immer deprimiert zu sein“, sagte sie dieser Zeitung. Gegen Ende der Dreharbeiten habe ihr Lebensgefährte auch gemeint, „jetzt wird es Zeit, dass es mal vorbei ist“.

Der Film „Landrauschen“ ist am kommenden Sonntag, 19. August, nochmal im Kino „Thalia Lichtspiele“ in Bous zu sehen. Die Vorführung beginnt um 11 Uhr.

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