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Erinnerungen an einen Bouser Missionar

Erinnerungen an einen Bouser Missionar

In der Nacht des 26. Juni 1946 wurde Pater Servatius in China erschossen. Paul Endres erinnerte im katholischen Pfarrheim Bous an diesen im Ort geborenen Benediktiner-Missionar.

"Die "Akte Servatius", um es einmal so salopp zu formulieren, liegt seit einigen Jahren im Vatikan bei der für Heiligsprechungen zuständigen Kongregation", sagte Paul Endres im katholischen Pfarrheim Bous . Die Seligsprechung sei geplant und eingeleitet, aber sie verzögere sich, da man Rücksicht auf die Situation der Christen in China nehme. Aber, fragte Endres, "ändert ein formeller Akt im Vatikan etwas an der Realität? Er ist ja nur noch die Bestätigung, dass der Mensch heiligmäßig gelebt hat".

In China als Heiliger verehrt

"In China verehren wir ihn als Heiligen", habe der Benediktinerpater Norbert Hu 2007 bei der Feier zum 100. Geburtstag von Servatius gesagt, berichtete Endres. Hu betreut den Seelsorgebezirk Sinchan, Servatius' ehemalige Pfarrei.

Eine Fülle an Details stellte Endres über den Bouser Missionar dar. Auf die Frage, woher das alles sei, meinte er: "Aus dem Familienarchiv. Pater Servatius war der Bruder meines Schwiegervaters." Servatius hieß eigentlich Otto Ludwig. Er kam als zehntes Kind von Peter Ludwig und Angela Fery am 15. Juni 1907 in Bous zur Welt. Noch bevor er in Saarlouis sein Abitur machte, wollte er Missionar werden. Am 28. April 1927 verließ der junge Otto sein Zuhause und trat in das rund 50 Kilometer westlich von München gelegene Benediktiner-Kloster St. Ottilien ein. Den Namen Servatius bekam er nach einem der Eisheiligen. Der Priesterweihe am 26. März 1933 folgte in Bous die erste von ihm gefeierte Heilige Messe (Primiz). Dabei säumten Menschenmassen die Straßen, erzählt Endres.

Am 18. August 1934 reiste Servatius per Schiff von Genua nach Dalian (damals Dairen), etwa 400 Kilometer östlich von Peking. Von dort per Bahn zur Abtei in Yenki/Yanji im Nordosten Chinas nahe der russischen Grenze bei Wladiwostok.

1928 hatten Missions-Benediktiner in Yanji ein Kloster gegründet. Von dort betreuten sie christliche Chinesen und Koreaner. Servatius begann als Missionar und Kaplan. Ab 1. Januar 1937 leitete er die neue Station Sinchan (heute Xinzhan) in einer bergigen Gegend. "Es gab jedes Jahr Tage bis zu 42 Grad Kälte", sagte Endres. Von über 700 Christen wurde aus der Station Sinchan berichtet. Viele lebten mehr als 100 Kilometer entfernt und unter ärmlichen Bedingungen. Zusätzlich machten Räuberbanden das Land unsicher. Auch Servatius lebte in Armut. Über Monate habe er kein Fleisch gegessen. Und um die Gläubigen mit Weihwasser zu besprengen, hatte er eine große Konservenbüchse und einen Tannenzweig. Sein Bischof schrieb Ende 1937: Er hat den kältesten Sprengel; aber wer wie er von Liebe zu Gott brennt, kann für Gott auch Kälte ertragen. Ein Pater Beda schrieb im Dezember 1938 an die Familie: Ihr Bruder hat einen schwierigen Posten, einsam und allein, sibirischer Winter, keine europäische Küche, Armut bis zur Unerträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Selbstlosigkeit bis über die Grenzen des Menschenmöglichen. Der letzte Brief von Servatius an seine Familie stamme vom 27. Juni 1941, sagte Endres. 1944 war der Missionar zum letzten Mal im Kloster in Yanji.

Ende August 1945 besetzte russisches Militär die Mandschurei. Nun war jeder verdächtig, mit den Japanern gemeinsame Sache gemacht zu haben. Auch Servatius wurde angeschwärzt, verhaftet und verhört, aber wieder freigelassen.

Ein Hund findet den Leichnam

Als Ende April 1946 die chinesische Revolutionsarmee die Macht übernahm, schlief Servatius nachts in wechselnden Häusern von Christen . Dies ging gut bis zum Sonntag, 26. Mai, gegen 21 Uhr. Dann drangen Soldaten in die Station ein und durchstöberten alle Räume. Sie nahmen eine Katechetin fest und Servatius. Die Katechetin wurde in ein Gefängnis gesteckt. Den Bouser Missionar sollen die Soldaten gegen Mitternacht misshandelt, erschossen und verscharrt haben. Zu seinem Leichnam führte später der Hund der Station.