"DNA-Dusche" für Spielhallen

Bous. 24 Überfälle auf Spielotheken wurden der Saar-Polizei 2009 gemeldet, aktuell sind es bereits 21 Delikte. Im vorigen Jahr lag der Schwerpunkt der Überfälle im Landkreis Saarlouis, jetzt ist es der Kreis Neunkirchen. Zwar ist das gestohlene Geld wie im Fall von Spielotheken-Besitzer Rudolf Zintel meist versichert, aber für die Angestellten ist das Szenario der blanke Horror

 Unter dem Schwarzlicht wird die "künstliche DNA-Flüssigkeit" sichtbar. Foto: hth

Unter dem Schwarzlicht wird die "künstliche DNA-Flüssigkeit" sichtbar. Foto: hth

Bous. 24 Überfälle auf Spielotheken wurden der Saar-Polizei 2009 gemeldet, aktuell sind es bereits 21 Delikte. Im vorigen Jahr lag der Schwerpunkt der Überfälle im Landkreis Saarlouis, jetzt ist es der Kreis Neunkirchen. Zwar ist das gestohlene Geld wie im Fall von Spielotheken-Besitzer Rudolf Zintel meist versichert, aber für die Angestellten ist das Szenario der blanke Horror. Zintel, dessen Spielhalle in Bous innerhalb kurzer Zeit zwei Mal überfallen wurde, überlegte, wie er sich besser schützen kann. Gestern nun ließ sich der Geschäftsmann eine "künstlichen DNA-Dusche" einbauen, die am Täter wochenlang Spuren hinterlassen soll. Ein kleiner Kasten, nicht viel größer als ein Schuhkarton, hängt im Eingangsbereich der Spielothek. Er fällt kaum auf, soll im Ernstfall jedoch ganze Arbeit leisten. Über einen Kontakt soll sich die "DNA-Dusche" aktivieren lassen, bevor der Täter mit der Beute fliehen kann. Im Winkel von 40 Grad soll das Gerät eine Flüssigkeit versprühen, die den Räuber von Kopf bis Fuß einnebelt. "Völlig ungefährlich", erklärt Ralf Müller von der Geschäftsführung der Firma Alinotec. Sein Unternehmen bietet die "künstliche DNA" an. Die Flüssigkeit sei auch nach Wochen an Körper und Kleidung festzustellen, sei nicht abzuwaschen. Die Markierungsflüssigkeit enthält angeblich eine "künstliche DNA", die in ihrer Struktur der eines Menschen entspricht. Ein weiterer Bestandteil seien so genannte Microdots, mit Zahlen codierte Kunststoffplättchen, die unter dem Mikroskop sichtbar sind. Der Zahlencode lasse sich der Spielothek zuordnen, die mit der "DNA-Dusche" ausgestattet ist, weil er in einer Datenbank registriert werde. "Darauf kann die Polizei jederzeit zugreifen", sagt Müller. Ohne Mikroskop und relativ schnell lasse sich der Täter durch eine Schwarz-Licht-Lampe überführen. Sie bringe kleine gelbe Punkte zum Vorschein, die über Wochen noch sichtbar seien.Die "künstliche DNA" lasse sich jedoch nicht nur in Form einer Dusche nutzen. Laut Müller läuft in Bremen ein Pilotprojekt. Dort wolle die Polizei mit der "künstlichen DNA" Dieben das Handwerk legen. Die Flüssigkeit lasse sich nämlich generell auf potenzielles Diebesgut anbringen. "Die künstliche DNA ist für alle geeignet, die überfallgefährdet sind", meint Müller. Die "DNA-Dusche" sei für Spielhallen, Tankstellen oder Geldinstitute vorgesehen. Spielhallen-Besitzer Zintel hofft, künftig Kriminelle abzuschrecken und seine Angestellten schützen zu können. Im Eingangsbereich weist ein Schild darauf hin: "Diebstahlschutz durch DNA". Eine "DNA-Dusche" kostet zwischen 3500 und 5000 Euro, wie Müller erläutert.

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