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Der Zeiten- Sammler

Bernhard Strohm mit ein paar schönen Stücken.
Bernhard Strohm mit ein paar schönen Stücken. FOTO: Strohm
Bous. Seit 30 Jahren sammelt Bernhard Strohm aus Bous Armbanduhren. Jetzt hat er seine Leidenschaft in einem Buch verewigt, das auch vergnüglich ist für Leser, die sich nicht einmal für Uhren interessieren. Tobias Kessler

Bernhard Strohm sagt es etwas drastisch: "Wir sammeln, weil wir verrückt sind." Ganz so meint der Armbanduhr-Experte es nicht, aber in seinem lesenswerten Buch über das Sammeln der Chronometer taucht nicht selten das Wort "Sucht" auf, auf dem Umschlag bezeichnet er sich selbst als "Autor und Abhängiger". Wobei der 54-Jährige aus Bous zu den leichteren Abhängigkeitsfällen gehört. Er besitzt nie mehr als 30 Uhren gleichzeitig, erzählt er, fünf bis sechs davon trägt er regelmäßig und wechselt gerne mal das Armband, damit es zur Kleidung passt. "Aber das merkt ohnehin nie jemand."


Seine 30-jährige Sammelleidenschaft hat Strohm, Marketing-Stratege und Gründer der Saarbrücker Werbeagentur ACN, in einem Buch verewigt. An dem Werk "Armbanduhren sammeln" hat man seine Freude, auch wenn einen Uhren kalt lassen; mit Witz schildert Strohm die verschiedenen Typen und Gefühlslagen der Sammler und ist damit interessant für jene, die irgendetwas sammeln, ob nun Vinylplatten, Brillen, Bücher , was auch immer. Man erkennt sich wieder.

Strohm unterscheidet im Buch, das auch Tipps über Aufbewahren und Pflege gibt, verschiedene Typen des Sammlers: Da ist der Flipper, der hektisch kauft und wieder verkauft; der Experte, der lieber endlos fachsimpelt, als dass er Uhren kauft; der Heiler, der über Flohmärkte pilgert, um schrottwerte Uhren wiederzubeleben; oder der Luxus-Messi, der hortet, hortet, hortet.

Für Strohm ist das Buch sowohl Herzensangelegenheit als auch Eigenwerbung für seinen Uhren-Blog www.herrstrohmsuhrsachen.de . Im Eigenverlag veröffentlicht, hat sich das Buch laut Strohm in den ersten Monaten schon über 600 Mal verkauft. Als wir uns zum Gespräch treffen, trägt er eine nagelneue Uhr, 2500 Euro teuer. Der Hersteller hat ihm die Uhr geschickt, damit er sie für seinen Blog im Internet testet. Der ist von den Firmen unabhängig, betont Strohm, Gefälligkeitsartikel wären tödlich, denn "Reputation ist alles" in einer Szene, die genau hinschaut. "Wenn ich innerhalb eines Jahres mehr als eine Uhr einer Firma vorstellen würde, hielte man mich schon für gekauft."

Strohm trägt und testet die Uhr, veröffentlicht seine Eindrücke "aus der Sammler- und Liebhaber-Perspektive". Natürlich ohne "Korrekturvorschläge" der Hersteller. Dann schickt er die jeweilige Uhr zurück - oder kauft sie, wenn sie ihm besonders gut gefällt. 10 000 Zugriffe hat der Blog im Monat, Strohm ist zufrieden, "auch wenn das weniger Klicks sind als bei einer 17-Jährigen, die für Youtube durch ihr Kinderzimmer turnt". Das technische Innenleben der Uhr interessiert Strohm, der gerne ältere Uhren trägt, die "schon gelebt haben", bei den Tests nur bedingt, einem absolvierten Uhrmacherkurs zum Trotze. "Einen alten Mercedes finde ich auch toll, obwohl ich wenig Ahnung habe, wie der funktioniert."



Strohm hat mittlerweile einen Online-Shop und das An-/Verkaufen des Sammlers sozusagen offiziell gemacht. "Für mich war das ein Hobby auf hohem Niveau, für das Finanzamt Handel." Per Mausklick gekauft wird nicht bei ihm, Interessierte müssen anrufen, lange Gespräche unter Sammlern beginnen, und manchmal kauft Strohm dann seinerseits auch eine Uhr beim zukünftigen Kunden.

Es ist eine alte Frage - taugen Uhren als Geldanlage? Strohm ist skeptisch. "Ein Satz wie ‚Hätte ich vor 20, 30 Jahren diese und jene Uhr gekauft, wäre ich heute reich', ist gefährlich." Das Alter alleine habe wenig zu bedeuten, man müsse sich schon auskennen, dann sei eine Uhr als Anlage einträglicher als ein Girokonto zur Zeit. "Wenn man eine Uhr für 10 000 Euro kauft, wird man für bekloppt gehalten - bis man sie dann für 11 000 wieder verkauft." Welchem Typus würde sich Strohm selber zuordnen? Heiler? Zeiger? Luxus-Messi? "Ich bin ein Jäger und Sammler - ich suche gerne, kaufe gerne und trage gerne. Ganz einfach."

Bernhard Strohm: Armbanduhren sammeln. Wertermittlung, Kauf, Pflege, Aufbewahrung. 240 Seiten, 29,90 Euro. Kontakt: www.armbanduhren-sammeln.de