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Western-Sommercamp
Der wilde Westen vor der Haustür

Die Kanonen mussten schweigen, dafür feuerten diese Schützen unter Führung von Sascha Jung einige Salven aus Vorderladern ab.
Die Kanonen mussten schweigen, dafür feuerten diese Schützen unter Führung von Sascha Jung einige Salven aus Vorderladern ab. FOTO: Johannes A. Bodwing
Bous. Beim Treffen des Western-Country-Clubs Saar wird die Zeit der Cowboys und Indianer im Amerika von einst wieder quicklebendig. Von Johannes Bodwing

Draußen steht die Hitze über dem trockenen Gras. Aber im Indianerzelt von Hardy aus dem Frankenland lässt es sich gut aushalten. „Weil die Luft nach oben abzieht, und die doppelte Außenwand die Wärme abhält.“ Als Lakota-Indianer im freizügigen Lendenschurz lebt der Franke auf dem Hundedressurplatz von Bous. „Zwei Erwachsene, ein Kind“, berichtete er am Sonntagmittag in seinem Tipi mit rund sechs Metern Durchmesser. „In zwei Stunden ist das Ding abgebaut, dann könnten wir weiterziehen.“


„Da gehört schon einiges an Individualismus dazu“, bewunderte Arthur Görgen aus Bous beim Tag der offenen Tür das doch entbehrungsreiche Leben im Westernlager. Er besuchte mit Ehefrau und den Enkeltöchtern Lea und Emilia das Camp am östlichen Ortsrand von Bous. „Das Fuchsfell hat mir gefallen“, meinte Lea. „Und der Indianerschmuck.“ Görgen sagt: „Den Kleinen macht‘s Spaß.“

„Wir wohnen in der Nähe und wollten uns das mal ansehen. Wir waren noch nie hier“, sagten zwei ältere Frauen aus Wadgassen. „Wo die schon überall waren“, staunten beide über die vielen Reisen der Lagerteilnehmer. Zum vierten Treffen des Western-Country-Clubs Saar waren um die 100 Teilnehmer gekommen. Etwa aus Köln und Pirmasens, aus Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und dem Saarland. Die lebten in etwa 30 Zelten – als Indianer, Trapper, Soldaten der Süd- und Nordstaaten sowie Zivilisten.



Schüsse mit der großen Feldkanone fielen wegen der enormen Trockenheit aus. Dafür donnerte ein recht kleines Geschütz Salut, und Schützen unter Führung von Sascha Jung aus Pirmasens schossen mit Vorderladern lautstarke Salven ab. In ihren Reihen stand auch Jason Trzcielinsky im karierten Kilt. „Da waren auch Schotten in der amerikanischen Armee, mit Schottenrock“, erklärte er. Drei Generationen seiner Familie waren beim Treffen in Bous vertreten. Das sei alles sehr authentisch angelegt, bestätigten die anderen Schützen. Von Waffen über Uniformen bis zu Dienstgraden. Die Männer gehörten zum Westernclub Weinheim und der 1st Missouri Light Artillerie.

Eine Bardame stellt Melanie Schustek dar. „Sobald man damals den Knöchel gesehen hatte, war das schon verrucht“, hat die junge Frau aus Saarwellingen recherchiert. Deshalb hatten Bardamen nicht gerade den besten Ruf. Trotzdem hat sie sich vor einem Jahr für ein entsprechendes Kostüm entschieden. „Ich finde das lustig“, lächelte sie. „Den Rock habe ich selbst genäht, 50 Arbeitsstunden. Darüber die weiße Bluse und die Korsage.“

„Wir wissen ganz genau, wie es ist“, sagten Heike und Reiner Rennertz aus Saarlouis anerkennend zum Lagerleben in Bous. „Wir haben früher selbst gecampt. Und hier geht man durch und sieht wirklich kein Smartphone, im Zelt keinen Fernseher.“ Zum Tag der offenen Tür stellte Reiner Rennertz fest: „Das ist mal ein ganz neuer Eindruck. Das ist schon nicht schlecht.“

In der Mitte des Platzes liege der neutrale Bereich zwischen Nord- und Südstaaten, erläuterte Ralf Coassin vom Vorstand des Western-Country-Clubs. Dort machten die Teilnehmer vergangene Woche ein großes Bankett bei Kerzenschein. Die Offiziere trugen Handschuhe, die Damen weite Röcke. Eine Woche haben die Westernfreunde nun hinter sich, sagte Coassin. Der Tag der offenen Tür am Sonntag war sozusagen Halbzeit. In der kommenden Woche dürften sich die Reihen lichten, denn in manchen Bundesländern gehen die Ferien zu Ende.

Als Bardame präsentierte sich Melanie Schustek.
Als Bardame präsentierte sich Melanie Schustek. FOTO: Johannes A. Bodwing
Der Lakota-Indianer Hardy aus dem Frankenland zeigt stolz sein geräumiges Tipi.
Der Lakota-Indianer Hardy aus dem Frankenland zeigt stolz sein geräumiges Tipi. FOTO: Johannes A. Bodwing