Der Wilde Westen tanzt auch in Walpershofen

Der Wilde Westen tanzt auch in Walpershofen

Walpershofen. "Ich fühle mich so richtig jugendlich. Wenn man gern tanzt und sich gern bewegt, ist Line-Dance was Tolles", schwärmt die 58-jährige Edith H. aus Bous

Walpershofen. "Ich fühle mich so richtig jugendlich. Wenn man gern tanzt und sich gern bewegt, ist Line-Dance was Tolles", schwärmt die 58-jährige Edith H. aus Bous. Seit ein paar Wochen übt die Verwaltungsangestellte im Vorruhestand, zusammen mit neun anderen Country-Freunden, unter Anleitung von Christine Krieger und Karl Scheile in der Walpershofer Kulturhalle amerikanische Tanzschritte. Zehn Termine und zehn Tänze umfasst der Kursus. Den "Little Black Book", den "Happy Circle" und auch den "One Step Forward" hat die Gruppe schon intus. Beim Besuch der SZ war gerade der "Canadian Stomp", also sozusagen "Stampfen auf kanadisch" dran. "Rechts vor, links vor", kommandiert der Tanzlehrer, und schon geht's los mit Spitze, Hacken, Überkreuz. Man springt und stampft, dass es eine Freude ist. Das besondere am Line-Dance ist, dass es zu jedem Song eine spezielle Choreografie gibt, und die wird von einem Dachverband überwacht, sie gilt weltweit. Vom Köllertal bis Texas sind die selben Schrittfolgen angesagt. So kommt's, dass sich, bei einer Veranstaltung plötzlich 100 Wildfremde in einer Linie formieren (daher auch der Name "Line-Dance") und lostanzen. Tanzlehrerin Christine Krieger (45) aus Riegelsberg kam bei einem Country-Fest in der Saarbrücker Bel Etage auf den Geschmack. Toll fand sie, dass Line-Dance auch alleine, also ohne Tanzpartner, geht. Karl Scheile, 64 und ebenfalls aus Riegelsberg, lernte die flotten Tänze bei einem Fest auf der Festus-Ranch in Heusweiler schätzen. Man müsse weder besonders begabt noch besonders sportlich sein. Man müsse nur auf den Rhythmus achten und sich die Schritte merken, behauptet Tanzlehrer Scheile. Zum zünftigen Karohemd, Cowboyhut und Jeans trägt er das typische Dreieckstuch. Im Wilden Westen zog man das beim Viehtreiben als Staubschutz vor Mund- und Nase. Wenn es beim Tanzen hoch her geht, wird es zum praktischen Schweißtuch."Da steckt Ausdauer, Koordination, Kraft drin", erklärt eine 31-jährige Tanzschülerin und Physiotherapeutin. "Line-Dance", sagt sie, sei "vielseitig" und vor allem bringe es Spaß. "Super gut" finden alle die Westernmusik. Für Marita H. (58) ist Line-Dance auch ein prima Gedächtnistraining. Obendrein sind ihre drei Enkel entzückt über diese unterhaltsame Sportart. Daniel, fünf, und Jonas, zwei, hopsen und stampfen mit Wonne zur Country-Musik, und selbst der anderthalbjährige Samuel mischt mit, wenn Oma Marita zu Hause übt. Für Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren findet am Samstag, 12. Juli, 10 bis 14 Uhr, in Hüttigweiler ein Line-Dance-Kursus statt (eine Veranstaltung im Rahmen des Sommerferienprogramms im Clubhaus der Hundefreunde). Die Teilnahmegebühr beträgt inklusiv Mittagessen und Getränke fünf Euro. Anmelden kann man sich bei Tanzlehrerin Christine Krieger, Tel. (06806) 3060936 (zwischen 17 und 19 Uhr).

HintergrundWie im Wilden Westen: Mit den Einwanderern kamen auch neue Tanzschritte nach Amerika. Slawische Polka, französische Quadrille, holländischer Holzschuhtanz und selbst der deutsche "Rheinländer" setzten Impulse. Auch die irische und isländische Folklore floss in die amerikaische Country-Music ein. Mit der Veröffentlichg von Bill Rays "Achy Breaky Heart", zu dem gleichzeitig ein Tanz kreiert wurde, kam die Country-Music in die Charts. Line-Dance wird, wie schon der Name sagt, in Linien und Reihen, neben- und hintereinander getanzt. Es gibt einfache Tänze und welche mit über 60 Schrittfolgen. Line-Dance ist ein Gruppentanz. Jeder darf mitmachen. Daneben gibt es im Bereich Western-Dance auch Rundtänze und Paartänze. Bekannt ist der Square-Dance, bei dem jeweils vier Paare in einem Viereck zusammentanzen. hof

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