Western-Sommerlager: Der Wilde Westen liegt derzeit in Bous

Western-Sommerlager : Der Wilde Westen liegt derzeit in Bous

Trapper, Indianer und Co. haben ihre Zelte beim Western-Sommerlager aufgeschlagen. Am Sonntag ab 11 Uhr ist Tag der offenen Tür.

Über dem Lagerfeuer im Camp der Südstaatler köchelt bereits das Abendessen. Tobias Gründel, Scharfschütze für die Südstaaten-Armee, rührt mit einem großen Holzlöffel im Topf. Um ihn herum stehen weitere Bewohner des Lagers – ein Captain und ein Private der Artillerie Seite an Seite mit dem Major und einem Trapper. „Ich bin vor den Indianern geflüchtet und habe mich ins Südstaatenlager begeben“, erzählt dieser schmunzelnd. Sein bürgerlicher Name ist Torsten Recknagel. Und natürlich ist der 58-Jährige aus Karlsruhe im richtigen Leben kein Trapper – sondern einer der Western-Fans, die derzeit auf dem Hundedressurplatz in Bous im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zelte aufgeschlagen haben.

Bereits zum vierten Mal hat der Western-Country-Club Saar zu diesem Treffen eingeladen. Um die 100 Gäste haben sich dieses Jahr angekündigt, berichtet Ralf Coassin vom Club-Vorstand. Die Teilnehmer kommen aus Weinheim und Köln, Baden-Württemberg und der Pfalz, einige Nordstaaten-Soldaten sind aus Windeck, Südstaatler aus Völklingen. „Manchmal sind es komplette Familien“, sagt er, teilweise einzelne Personen. Dargestellt werden Trapper und Siedler, Indianer und Texas Ranger – und natürlich Kämpfer im amerikanischen Bürgerkrieg.

Dabei tragen die Menschen im Lager entsprechende Kostüme und leben auch wie im amerikanischen 19. Jahrhundert. „Wir versuchen, 85 bis 90 Prozent historisch korrekt zu sein“, beschreibt Coassin das Ziel. So kommt es auch, dass sich die Nord- und Südstaatler „ein bisschen ärgern“, schmunzelt er – aber noch lieber reden sie über das gemeinsame Hobby: „Wenn wir abends am Lagerfeuer sitzen, tauschen wir Geschichten aus.“

Neben Siedlern, Trappern und Bürgerkriegs-Kämpfern sind auch Indianer mit ihren Tipis in Bous. Foto: Barbara Scherer
Dieter Weigel stellt einen Texas Ranger dar. Foto: Barbara Scherer
Die beiden Mountain Men Frank Helm (links) und Klaus Kopp präsentieren ihre mit Perlen bestickte Ausrüstung. Foto: Barbara Scherer
Der Südstaaten-Scharfschütze Tobias Gündel (rechts) rührt im Kochtopf, mit dabei (von links): Jan Siefert in der Rolle als Private bei der Artillerie, Christian Blaesi, Captain bei der Artillerie, Trapper Torsten Recknagel und Major Uwe Heilig. In der Gruppe hat er den höchsten Dienstgrad. Foto: Barbara Scherer

Dabei stellt jede Gruppe einen eigenen kleinen Teil der amerikanischen Geschichte dar. Als Mountain Men sind beispielsweise Klaus Kopp aus Pforzheim und Frank Helm aus Köln angereist. „Die Mountain Men waren mit Indianerinnen verheiratet“, erklärt Kopp die Rolle – und diese waren für die farbenprächtigen Perlenstickereien auf der Ausrüstung zuständig. Selbst kreativ wird Lothar Holz aus Saarburg: Aus Weidenzweigen flicht der 58-Jährige ein „Backrest“, also eine Rücklehne, für sein Bett. Auch die Bettunterlage besteht daraus, durch die Elastizität der Weide sei sie sehr bequem. Gut so: Schließlich verbringt er zwei Lager-Wochen darauf.

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