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Feuerwehr
Alarm in Bous: „Einsatzfähigkeit gefährdet“

 Ein Teil der Freiwilligen Feuerwehr Bous mit Wehrführer Rainer Wolf (Bildmitte) vor dem Feuerwehrgerätehaus in Bous.
Ein Teil der Freiwilligen Feuerwehr Bous mit Wehrführer Rainer Wolf (Bildmitte) vor dem Feuerwehrgerätehaus in Bous. FOTO: Freiwillige Feuerwehr Bous/R.Wolf
Bous. Der Freiwilligen Feuerwehr in Bous fehlt es an dringend benötigten Mitgliedern. Wehrführer Rainer Wolf appelliert an die Bevölkerung, um Zwangsmaßnahmen zu verhindern. Von Jörg Laux

Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bous brennt es. Nicht buchstäblich. Vielmehr fehlt es an dringend benötigtem Personal. „Die Zahlen lügen nicht. Man muss jetzt gegensteuern, sonst ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet“, sagt der Wehrführer der Bouser Feuerwehr, Rainer Wolf. Und so hatte sich Wolf Ende des vergangenen Jahres mit einem Brandbrief zum Mitgliedermangel an den Bouser Bürgermeister Stefan Louis gewandt.


„Die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Bous“, heißt es in dem Brief, „ist der wichtigste Teil der Gefahrenabwehr in unserer Gemeinde. Zu unseren gesetzlichen Aufgaben zählt es, Menschen zu retten und Schaden von Menschen und Tieren, Gütern und Umwelt abzuwenden. Weitere Aufgaben bestehen aus der Brandschutzerziehung, der Brandschutzaufklärung und in der Mitwirkung im vorbeugenden Brandschutz. Des weiteren müssen wir auch im Katastrophenschutz mitwirken. Darüber hinaus werden wir oftmals auch zur weiteren Unterstützung außerhalb der Gefahrenabwehr im üblichen Ablauf der Gemeinde eingesetzt.“

Damit Freiwillige Feuerwehren all diese Aufgaben wahrnehmen können, gibt es einen sogenannten Brandschutzbedarfsplan, der für die jeweilige Kommune die Zahl der benötigten Feuerwehrleute festschreibt. Für Bous sieht dieser 55 Feuerwehrleute vor, erläutert Verwaltungschef Louis. Tatsächlich sind es aktuell nur noch 37. Wolf schlägt Alarm: „Ich sehe die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr als gefährdet an, um nicht zu sagen, wir können sie nicht mehr in dem geforderten Umfang zu jeder Zeit garantieren.“ Dabei kommt es nicht nur auf die Quantität – also die reine Anzahl an Einsatzkräften – an, sondern auch auf die Qualität.



Vorgeschrieben ist beispielsweise, dass die Freiwillige Feuerwehr innerhalb von acht Minuten in neun Funktionen am Einsatzort sein muss. Es reicht also nicht die reine Mannschaftsstärke von neun Kräften, vielmehr müssen diese verschiedene Funktionen besetzen können, wie etwa an Atemschutzmasken ausgebildet sein, es benötigt einen sogenannten Maschinisten mit Lkw-Führerschein und einen Einsatzleiter, der die Situation vor Ort einschätzt und das weitere Vorgehen koordiniert. „Und das gilt an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr“, sagt Wolf. Um das zu gewährleisten, ist eine umfangreiche Planung notwendig. Wer ist wann in Urlaub? Wer ist krank? Dabei darf man nicht vergessen, dass es sich hier um Ehrenamtliche handelt, also um Menschen, die außerdem einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen.

Doch woran liegt es, dass es in Bous an Freiwilligen fehlt? Viele, so Wolf, hätten einfach keine Zeit, anderen fehle das Interesse. Doch vor allem, so nimmt Wolf weiter an, liege es daran, dass viele Bürgerinnen und Bürger denken, „die Feuerwehr ist ja eh da!“ Dass es sich dabei um Freiwillige aus der eigenen Gemeinde handelt, sei vielen einfach nicht wirklich bewusst. Aus diesem Grund habe man sich gemeinsam mit der Verwaltung der Aufgabe gestellt, das Problem zu thematisieren. So konnten bereits – das Problem in der Neujahrsansprache des Bürgermeisters offen angesprochen worden – (wir berichteten) vier Neuaufnahmen verzeichnet werden. Wolf betont dabei: „Bous hat knapp über 7000 Einwohner. 100 Prozent der Bouser können die Feuerwehr rufen, wenn sich ein Prozent davon engagieren, hätten wir genug Leute.“

Zur Mobilmachung plant die Gemeinde nun gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr einen Aktionstag im Frühjahr. Hier soll die Bevölkerung ein Gefühl dafür bekommen, was die Feuerwehr genau macht. „Jeder kann zur Feuerwehr“, sagt Wolf. Auch Inklusion sei gewünscht, da es bei der Feuerwehr viele verschiedenen Funktionen zu besetzen gilt, beispielsweise auch als Funker oder Disponent.

Mitmachen kann man ab acht Jahren bei der Jugendfeuerwehr. Dabei sei man beim Nachwuchs in Bous auf einem guten Weg. Derzeit zähle die Jugendwehr 15 Mitglieder, Tendenz steigend. Und was, wenn sich nicht genug Freiwillige finden? Hier sieht das Gesetz vor, dass theoretisch alle Bouser Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 18 und 50 Jahren für maximal fünf Jahre zum Pflichtdienst bei der Feuerwehr herangezogen werden dürfen. Diese Dienstzeit kann sogar einmal verlängert werden. „Wir sind jedoch zuversichtlich, dass es dazu nicht kommen wird“, sagt Bürgermeister Stefan Louis.

Infos bei den Feuerwehrsachverständigen der Gemeinde Thomas Jost und Birgitt Laschet, Telefon (0 68 34) 8 31 51 bei Wehrführer Rainer Wolf, Telefon (0 68 34) 78 02 80 und freitags zwischen 18.30 Uhr und 22 Uhr direkt im Feuerwehr Gerätehaus in Bous.