1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Bous

Bubble Tea wird beliebt, Experten sind beunruhigt

Bubble Tea wird beliebt, Experten sind beunruhigt

Kreis Saarlouis. Der Fußboden ist klebrig, in der Luft liegt ein sehr süßer Geruch. Über die Theke geht ein Becher Bubble Tea nach dem anderen, jeder mit Inhalt in einer anderen leuchtenden Farbe. Inzwischen verkaufen bereits fünf Läden allein in der Saarlouiser Innenstadt das Tee-Milch-Zuckersirup-Geleeperlen-Gemisch in allen Variationen

Kreis Saarlouis. Der Fußboden ist klebrig, in der Luft liegt ein sehr süßer Geruch. Über die Theke geht ein Becher Bubble Tea nach dem anderen, jeder mit Inhalt in einer anderen leuchtenden Farbe. Inzwischen verkaufen bereits fünf Läden allein in der Saarlouiser Innenstadt das Tee-Milch-Zuckersirup-Geleeperlen-Gemisch in allen Variationen. Die Perlen bestehen aus Stärke oder aus Geliermasse. Die schwimmen im Getränk, werden mit Sirup und Tee durch den dicken Strohhalm gesogen und platzen im Mund. Gewonnen werden die gummiartigen Kügelchen aus den Wurzeln der Maniokpflanze.

Kunden sind meist Schüler

Bubble Tea ist bunt und süß, wie die meisten Produkte, die insbesondere Kinder ansprechen sollen. Tatsächlich geben die Inhaber der Bubble Tea Shops an, der Großteil ihrer Kunden seien Schüler. Jean Tran arbeitet in einem der Saarlouiser Läden und spricht von 70 Prozent. Das wissen die Läden zu nutzen: Auf Facebook werben sie mit Aktionen wie: "Alle Schüler erhalten in den nächsten zwei Wochen von zwölf bis 14 Uhr 20 Prozent auf alle Getränke. WOW."

Um 13.15 Uhr ist der Unterricht erst seit ein paar Minuten zu Ende. Vor den Tresen der Bubbe Tea Shops stehen schon einige Schüler. Keines der Kinder in der Warteschlange hat eine schlanke Figur. Melanie, 13, aus Bous steht schon seit zehn Minuten an. In einer dreiviertel Stunde gibt es Mittagessen zu Hause, sagt sie.

Aber Bubble Tea ist "cool", "lecker" und "erfrischend". "Die Kügelchen platzen im Mund, das ist lustig", sagt die zwölfjährige Alena. Marlon, 13, und Felix, 14, holen sich jeden Tag einen Bubble Tea, sagen sie. Was machen sie mit den Kügelchen? "Essen oder rumschießen". Gerne auf dem Marktplatz oder auf Passanten. Respektlos, aber laut Ernährungswissenschaftlern besser, als sie zu essen. Die Techniker Krankenkasse (TK) hatte vor dem Modegetränk insbesondere als Dickmacher gewarnt. Bubble Tea sei "nicht nur mit kalorienreichem Fruchtsirup versetzt, die Kügelchen sind ebenfalls gesüßt", teilt TK-Sprecherin Heike Weinert mit. Ein 0,2-Liter-Becher enthalte mit 300 bis 500 Kalorien rund ein Drittel des Tages-Energiebedarfs eines Kindes. "Die Kalorienangaben sind Schätzungen, die unsere Ernährungswissenschaftler bestätigt haben", sagt Weinert.

Susanne Reinert-Müller ist Ernährungswissenschaftlerin in Saarbrücken. Sie berät hauptsächlich übergewichtige Minderjährige in Sachen Ernährung. In Einzelgesprächen listen die Heranwachsenden auf, was sie den Tag über gegessen und getrunken haben. Seit einem Jahr taucht in den Gesprächen immer häufigerder Begriff Bubble Tea auf.

Klebrige Hauptmahlzeit

"Die Kinder holen sich das Getränk nach der Schule oder in der Pause. Eltern wissen oft nicht, was ihre Kinder essen und trinken". Bubble Tea sei nichts für zwischendurch, sagt Reinert-Müller. "So ein Becher ist im Prinzip eine Hauptmahlzeit, die man in nur fünf Minuten aufnimmt." Problematisch, da Jugendliche heute wenig in Bewegung seien.

Bubble Tea enthalte neben Zucker auch ungesunde Farb- und Zusatzstoffe. Läden, in denen die Kult-Kugeltees über die Theke gehen, wollen davon nichts wissen und berufen sich auf den guten Ruf grünen und schwarzen Tees. Aber auch der ist nicht für Heranwachsende geeignet, da er viel Koffein enthält. Überhaupt ist das Wort "Tea" irreführend. Laut einem Mitarbeiter eines der Saarlouiser Bubble Tea Shops besteht das Getränk nur zu etwa 30 Prozent aus Tee. Den Rest bilden Wasser, Geleekügelchen und Zuckersirup. Mit der Bezeichnung werde jedoch Gesundes assoziiert, so TK-Sprecherin Weinert.

Bis zu 500 Kalorien sind drin: Süßer Bubble Tea alarmiert Ernährungswissenschaftler. Foto: Jenny Kallenbrunnen.

"Bubble Tea ist kein Durstlöscher", warnt Reinert-Müller, "sondern eine Süßigkeit". Ab und zu sei das erlaubt, aber nicht täglich. "Es ist wichtig, Kinder den richtigen Umgang damit zu lehren." Ein Saarbrücker Bubble Tea Shop arbeitet nach eigener Aussage an einer Aufklärungsbroschüre. Auf die Mitteilung der TK hatte er mit einer Rechtfertigung reagiert. Die Modegetränke der vergangenen Jahre, "ein Frappé, Macchiato oder Frozen Joghurt haben auch ihre 300 Kalorien".