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Naturschutz
Großer Ärger um einen Biberdamm

Der Biberdamm ist beseitigt, das zu einem kleinen See aufgestaute Wasser des Bommersbachs abgeflossen.
Der Biberdamm ist beseitigt, das zu einem kleinen See aufgestaute Wasser des Bommersbachs abgeflossen. FOTO: Ruppenthal
Bous. Umweltschützer klagen, das Feuchtbiotop Breitborner Floß auf Schwalbacher Bann sei vorsätzlich zerstört worden. Von Rolf Ruppenthal

Das Breitborner Floß, ein Feuchtbiotop im Naturschutzgebiet zwischen Bous und Schwalbach, bot bis vor kurzem zahllosen Insekten, Amphibien und Reptilien sowie Vögeln und Kleinsäugern eine Heimat – und auch einem Biber. Doch jetzt ist dieses Biotop verschwunden, weil bei Bauarbeiten der Energis ohne Rücksicht ein Biberdamm vorsätzlich zerstört worden sei, empört sich Andreas Pawelkiewicz, der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte der Gemeinde Bous. Er ist sauer, und mit ihm viele Naturfreunde aus naher und ferner Umgebung.


Auf SZ-Anfrage teilte Hans-Joachim Neumeyer, Bürgermeister der Gemeinde Schwalbach, auf deren Gebiet sich das Naturschutzgebiet befindet, mit: „Uns ist das auch erst zugetragen worden, als es schon passiert war.“ Die Gemeinde sei nicht beteiligt worden. Nach einer Anfrage in der Gemeinderatssitzung im November hatte die Verwaltung beim Landesamt für Umweltschutz (LUA), das die Genehmigung zu den Bauarbeiten erteilt hatte, eine Stellungnahme angefordert. Die sei bislang nicht eingetroffen, sagte Neumeyer.

Das LUA betonte auf Anfrage der SZ: „Der Biberdamm wurde nicht aufgrund einer Baumaßnahme der Energis beseitigt.“ Auch Hochspannungsleitungen der VSE verlaufen im Naturschutzgebiet. Weil Arbeiten in diesem Biotop nur sehr eingeschränkt möglich sind, sei „auch aus Rücksicht auf den Biber, seit einigen Jahren keine Trassenpflege durch die VSE erfolgt“, teilte das LUA mit. „Akut waren die Leitungen jedoch durch aufwachsende Bäume bedroht.“ Um Stromausfälle zu vermeiden, sollten diese innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zeiten, zwischen Oktober und Februar, zurückgeschnitten werden. Die Untere Naturschutzbehörde habe sich bei zwei Ortsterminen mit dem LUA und Mitarbeitern der VSE abgestimmt, wie dabei vorzugehen sei.



Zudem sei der Biberberater der BiberBurg in Berschweiler, Rasmund Denné, damit beauftragt worden, den Damm zu begutachten. Dessen Ergebnisse: „Im Rahmen der einwöchigen Begutachtung konnte keine Biberaktivität festgestellt werden. Der Biber war wohl aber in der vergangenen Zeit im Gebiet aktiv gewesen und die Auswirkungen noch deutlich feststellbar am Biberdamm.“ Eine Biberburg, die von einer Wasserabsenkung betroffen sein könnte, konnte er nicht entdecken. Der Biberdamm war bei seiner Begutachtung bereits nicht mehr voll funktionstüchtig, was dafür spreche, dass der Biber das Areal verlassen habe. Das LUA stellt also fest: Es gab keine Hinweise darauf, dass aktuell ein Biber in dem Gebiet lebte. Und selbst wenn: „Der Biber ist in der Schutzgebietsverordnung ,Breitborner Floß’ nicht als Schutzzweck aufgeführt.“

Geplant wurde deshalb, erklärt die Umweltschutzbehörde, ein Durchbruch des Biberdammes. „Bei der Umsetzung Anfang Oktober musste aber wegen des hohen Wasserdrucks und des Zustandes des Dammes beinahe das ganze Dammmaterial entfernt werden, da dieses bei teilweiser Öffnung des Dammes unkontrolliert bachabwärts gespült worden wäre“, teilt das LUA weiter mit.

„Das war ein kleines Paradies, in dem nicht nur der Biber, sondern auch Frösche, Enten, Reiher, sogar Fische lebten“, führt Pawelkiewicz sichtlich niedergeschlagen aus. „Jetzt ist alles weg, mutwillig zerstört.“ Hinnehmen will er einen „derartigen Frevel an der Natur“ jedoch nicht, kündigt er an. Diverse Natur- und Umweltschutzorganisationen sowie die Politik hat er mobilisiert. Seine Forderung: „Das Feuchtbiotop in dem Naturschutzgebiet muss umgehend wiederhergestellt werden.“

Unter Naturschützern im gesamten Land hat sich die Geschichte von der Zerstörung des Biberdamms herumgesprochen. Seinen Zorn hat der Naturschutzbeauftragte inzwischen in Worte gefasst und mit der Bitte um Stellungnahme und Unterstützung an die verschiedensten Gremien versandt, – an den Verursacher, aber auch an das Umweltministerium, die Naturwacht, die Gemeinde, die örtlichen Parteien und an den NABU. Die meisten Antworten stünden jedoch noch aus.

Die Linke im Saarländischen Landtag hat jedoch reagiert: Sie bedauert, dass der Biberdamm entfernt und das ein Hektar große Feuchtbiotop trockengelegt wurde. Nachdem die Landesregierung auf Antrag der Linksfraktion im Umweltausschuss über das Naturschutzgebiet berichtet hat, erklärt der umwelt- und tierschutzpolitische Sprecher Ralf Georgi: „Auch wenn die Entfernung des Biberdammes rechtens gewesen sein sollte, so war die Zerstörung dieses Biotops ein schwerer Fehler. Im Laufe der Jahre haben sich hier zahlreiche Tiere angesiedelt, neben Bibern auch etwa Libellen, Frösche, Fische und Reiher. Der Schutz von Natur und Tierwelt sollte mehr wert sein – vor allem in einem Naturschutzgebiet.“ Zudem sei deutlich geworden, dass die Kommunikation zwischen Land und den örtlichen Naturschutzbeauftragten und Naturschutzverbänden nicht gestimmt habe, sagt Georgi.