1. Saarland
  2. Saarlouis

"Bildung hängt am Geldbeutel"

"Bildung hängt am Geldbeutel"

Überherrn. Gibt man bei der Internetsuchmaschine Google den Begriff "Kinderarmut in Deutschland" ein, erscheinen fast 70 Seiten voll mit unzähligen Anbietern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, Organisationen und so weiter, die alle etwas dazu kundtun wollen. Es ist ein heikles Thema, das endlich aus dem Tabu herausgeholt wurde

Überherrn. Gibt man bei der Internetsuchmaschine Google den Begriff "Kinderarmut in Deutschland" ein, erscheinen fast 70 Seiten voll mit unzähligen Anbietern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, Organisationen und so weiter, die alle etwas dazu kundtun wollen. Es ist ein heikles Thema, das endlich aus dem Tabu herausgeholt wurde. Nur was tut die Gesellschaft, um dagegen anzukämpfen? Eine Frage, die sich auch die Arbeiterwohlfahrt stellt und die sie am Wochenende in den Mittelpunkt ihrer Landeskonferenz rückt. Vorab startete sie mit der Aktion "Schultüte", bei der sechs saarländische Schulen jeweils mit 2000 Euro unterstützt werden. Der Startschuss fiel am Dienstag in der St.-Bonifatius-Grundschule in Überherrn. Deutliches ZeichenDie Arbeiterwohlfahrt bezeichnet die Spende als "Bildungsscheck" und möchte dabei ein deutliches Zeichen an die politischen Verantwortlichen im Saarland richten. "Wir fordern eine kostenfreie Bildung, denn das Ziel muss sein, dass alle Kinder die gleiche Chance bekommen", sagte Ines Reimann-Matheis, Leiterin des Awo-Sozialmanagements, am Dienstag bei der Scheckübergabe in Überherrn. Sie zeigte am Beispiel eines Abc-Schützen auf, was Eltern für die Einschulung ihres Kindes zahlen müssen. Demnach bezahlten sie durchschnittlich 150 Euro, alleine 70 Euro für Bücher, hinzu kommt das Schulmaterial wie Hefte, Stifte, Malfarben oder Sportkleidung. "Das ist viel Geld, nicht nur für Hartz-IV-Empfänger", sagte sie. Die Kinder aus betroffenen Familien hätten eine geringere Chance, einen qualifizierten Schulabschluss zu erlangen. "Die Bildung hängt am Geldbeutel", erklärte Reimann-Matheis. Die Awo möchte jedoch nicht nur Forderungen an die Politik stellen, sie will sich konkret einsetzen, zum Beispiel mit der Aktion "Schultüte". Alle Anfragen anonymMit der Geldspende sollen zusätzliche Lehr- und Lernmittel angeschafft oder Kinder in Einzelfällen sofort unterstützt werden. "Sie wissen am besten, wo an ihrer Schule Bedarf besteht", sagte Reimann-Matheis in Richtung des Schulleiters Rudolf Fries. Der wiederum erklärte, dass die Spende individuell eingesetzt werde. Ein Gremium aus Elternvertretung und Lehrern wird sich darum kümmern, sei es zum Beispiel in der Unterstützung eines Kindes bei Schulausflügen oder bei Kosten für die Nachmittagsbetreuung. Wichtig ist dem Schulleiter, "dass alle Anfragen anonym behandelt werden."

Auf einen BlickDie Arbeiterwohlfahrt betreut 45 Freiwillige Ganztagsschulen im Saarland, acht im Landkreis Saarlouis. Von den Einrichtungen sind sechs Grundschulen ausgesucht worden, die im Rahmen der Aktion "Schultüte" einen Scheck in Höhe von 2000 Euro erhalten. Die erste Spende bekam die St.-Bonifatius-Grundschule in Überherrn. Dort gehen 321 Kinder zur Schule, 47 davon werden von der Awo im Ganztagsbereich betreut. hth