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Angespannte Lage bei den Pflegediensten in Saarlouis und Merzig-Wadern

Pflegedienste in Saarlouis und Merzig-Wadern : Pflegedienste sind extrem gefordert

Bei den Pflegediensten in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern ist die Situation angespannt. Die Pflegekräfte verdienen höchste Anerkennung.

Desinfektionsmittel und Mundschutz sind gefragter denn je – nicht nur in den Krankenhäusern, sondern auch bei den Pflegediensten, deren Mitarbeiter sich um pflegebedürftige Menschen kümmern. Wie arbeiten sie in Zeiten von Corona, und reicht ihr Schutzmaterial noch? Die SZ hat sich in den Kreisen Merzig-Wadern und Saarlouis umgehört.

„Die Lage ist nicht chaotisch“, sagt Karin Weirich, Geschäftsführerin von „Betreuung und Pflege aus einer Hand“ aus Saarlouis. „Wir haben noch ein bisschen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel“, sagt sie, mit dem anderen Material werde es allmählich knapp. „Das ist überall das Problem“, schildert Weirich. Derzeit warte man auf eine Lieferung, „aber wir wissen nicht, wann und was kommt“. Zwar sei Hygiene im Pflegebereich ohnehin ein wichtiges Thema, die Hygienevorkehrungen wurden laut Weirich aber nochmals verschärft. Außerdem stellte sie einen Pandemie-Plan auf. „Ich denke, dass es noch mehr wird. Wir stehen erst am Anfang“, beurteilt Weirich die steigenden Infektionszahlen. Auch bei ihren Patienten bemerkt sie: „Sie haben Angst. Aber wir versuchen zu beruhigen.“

Marianna Schaaf vom Pflegedienst „Untere Saar“ aus Mettlach schildert, wie es dort aussieht. Mit einem Schreiben wandte sich der Dienst direkt an die Patienten und bat sie um Mithilfe, ihre persönlichen Besuche durch Familienangehörige und Nachbarn zu reduzieren. Wurde ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet, „müssen sie uns das sofort mitteilen“, sagt Schaaf. „Die Patienten werden beobachtet, aber sie sind gut isoliert.“ Wie viel Schutzmaterial sie noch hat? „Es ist alles weg“, antwortet Schaaf. Es sei schwierig, an Mundschutz und Desinfektionsmittel zu kommen. Sie warten aktuell auch auf eine Lieferung. Deshalb haben sie angefangen, aus Leinenstoff selbst Mundschutz zu nähen, auch desinfizieren sie täglich ihre Firmenautos von innen. Zudem seien ihre Mitarbeiterinnen auf die richtige Hygiene geschult, sodass von ihnen keine Gefahr ausgehe, das Virus zu übertragen.

Schaaf betont außerdem, dass allen Pflegekräften ein großer Dank gebühre, und dass man für die Patienten da sei und zusammenstehe. „Sie gehen jeden Tag raus, müssen ihre privaten Angelegenheiten regeln und setzen sich trotzdem der Gefahr aus, um die Patienten zu versorgen.“

Und wie sieht es bei den sieben Sozialstationen der Caritas im Landkreis Saarlouis und in Merzig-Wadern aus? „Die Lage ist angespannt“, stellt Direktor Frank Kettern fest. „In der Versorgung der Patienten richten wir uns nach den Hinweisen des Robert-Koch-Instituts und achten vermehrt auf Hygiene und Schutz der Klienten, aber auch der Mitarbeiter.“ Trotz der jahrzehntelangen Erfahrung in der Pflege und Betreuung älterer Menschen sei solch eine Krisensituation auch für sie neu und herausfordernd.

„Die Arbeit in der ambulanten Pflege ist für die Mitarbeitenden schon immer sehr anstrengend und fordernd. In dieser Zeit ist die Belastung aber nochmals wesentlich höher. Daher habe ich allerhöchsten Respekt, Anerkennung und große Dankbarkeit für den Dienst“, sagt Kettern. „Aktuell sind wir noch mit den Schutzmaterialien versorgt, wobei es in Stationen erste Engpässe gibt. Bestellungen sind bisher noch nicht eingetroffen, werden aber immer dringender benötigt“, schildert Kettern. So haben einige Mitarbeiter inzwischen ebenfalls angefangen, freiwillig Schutzmasken zu nähen. „Ein schönes Zeichen der Solidarität“, findet Kettern.

Die erfahren sie nicht überall: Wie der Direktor des Caritasverbandes Saar-Hochwald mitteilt, wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag bei zwei Fahrzeugen der Caritas-Sozialstation in Dillingen die Scheiben eingeschlagen. „Die Mitarbeitenden sind schon jetzt stark belastet und dann noch von Vandalismus betroffen“ – da muss Kettern den Kopf schütteln.

Gut gewappnet fühlen sich Armin Streit und sein Team vom Pflegedienst Saarschleife. „Wir haben uns im Vorfeld gut eingedeckt und noch einen Vorrat“, erzählt der Geschäftsführer des Pflegedienstes, jedoch sei die Frage: Wie lange noch? „Meine Mitarbeiter sind in der Hygiene geschult“, sagt Streit, daher sei die Arbeit nicht anders als sonst: „Hygiene ist unser täglich Brot.“ Ihm ist es wichtig, dass keine Hysterie aufkommt. Aktuell ist die Tagespflege geschlossen und werde durch den ambulanten Pflegedienst abgedeckt, auch einen Plan für die Notversorgung hat sein Dienst nun aufgestellt. „Ich bin guten Mutes, dass wir die Herausforderung hinkriegen“, sagt Streit.