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Spaßtherapie
Ein Lachen für die kleinen Patienten

Glückwunsch: Seit fünf Jahren setzen die Saarlouiser Klinikclowns für die kleinen Patienten auf das Heilmittel Lachen. Der Arzt Eduard Aspenleiter weiß was er an Sarah Steffen (rechts) und Marie-Gabriele Massa hat.
Glückwunsch: Seit fünf Jahren setzen die Saarlouiser Klinikclowns für die kleinen Patienten auf das Heilmittel Lachen. Der Arzt Eduard Aspenleiter weiß was er an Sarah Steffen (rechts) und Marie-Gabriele Massa hat. FOTO: Milan Leinen
Saarlouis. Der Lichtblick auf der Kinderstation erscheint alle zwei Wochen: Zwei Klinik-Clowns amüsieren kranke Kinder im Marienhaus-Klinikum in Saarlouis. Seit fünf Jahren. Den Geburtstag begingen sie mit einer kleinen Feierstunde. lmi

„Sie haben die Fähigkeit, akute Traurigkeit zu behandeln – meist besser als wir Ärzte“, sagt Dr. Uwe Specht, Chefarzt der Kinderabteilung des Marienhaus Klinikums Saarlouis. Die Rede ist von den Klinik-Clowns Tilotamma und Lemonella, die nun seit fünf Jahren den Kindern in Saarlouis regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Im Zwei-Wochen-Takt verschlägt es sie in den achten Stock im Marienhaus-Klinikum St. Elisabeth, wo sie, in bunter Clownstracht gekleidet, von Krankenzimmer zu Krankenzimmer gehen. Mit Gitarre und Seifenblasen bewaffnet heißt dann die Mission: Kindersorgen vertreiben. So eine Visite lässt man sich gefallen.


Die etwas anderen Assistenzärzte, die auf das Heilmittel Lachen (Beipackzettel inklusive) schwören, das sind Marie-Gabriele Massa, alias Tilotamma, und Sarah Steffen, die den Clownsnamen Lemonella trägt. Massa ist studierte Musik- und Tanzpädagogin. In der Clownerie, sagt sie, hat sie ihre Nische gefunden. „Dabei kann ich einfach das, was ich an elementarer Freude an Musik und Tanz empfinde, unmittelbar weitergeben.“

Einem alten Hasen – Massa ist nun schon seit 16 Jahren Clownin – hat sich Sarah Steffen als Neuling angeschlossen. Die ehemalige Zahnarzthelferin hatte irgendwann das Gefühl, ein Kurswechsel sei nötig. Vor sechs Jahren fasste sie den Entschluss, eine Clowns-Ausbildung zu beginnen.



„Ich musste das alles neben meinem Beruf auf die Reihe kriegen. Das bedeutete vor allem eine Menge Überstunden.“ Die Mehrarbeit hat sich gelohnt: Seit zwei Jahren ist sie nun Vollberufs-Clownin und therapiert gemeinsam mit Kollegin Massa kranke Kinder in Saarlouis mit Spaß, Magie und lächerlich großen Schuhen. „Hier sind wir sozusagen noch im Kindergarten“, erzählt Massa in der Ansprache an ihre Geburtstagsgäste. Vor Kurzem feierten die Klinik-Clowns ihr fünfjähriges Jubiläum im Marienhaus Klinikum. „In anderen Krankenhäusern geht’s schon aufs Abitur zu.“

Ins Leben gerufen wurden die Klinik-Clowns vor mittlerweile fast 18 Jahren von Margarita von Boch. Die Idee dazu war die erste, die sie in Angriff nahm, nachdem sie 1999 die Kinderhilfe Saar gegründet hatte. „Das Erstlingsprojekt liegt ihr damals wie heute wirklich besonders am Herzen“, weiß Tochter und zweite Vorsitzende Antonia Nutting von Boch über ihre Mutter zu berichten, die dem Förderverein bis heute vorsteht.

Doch ein Projekt, das von mehreren Schultern getragen wird, ist einfach stabiler. Darin sind sich die beiden Clowninnen Tilotamma und Lemonella einig. Seit einiger Zeit werden die Spaßmacher zusätzlich durch die Narren vom saarländischen Karnevalsverband unterstüzt. „Ich war erstaunt über die Spendenfreudigkeit, als wir bei einer unserer Veranstaltungen den Hut haben rumgehen lassen“, erzählt Präsident Hans-Werner Strauß. „Jetzt sammeln wir bei jeder unserer Feiern, und alles kommt den Klinik-Clowns zu.“

Das Geld hilft, den zweiwöchigen Rhythmus der Clownsbesuche beizubehalten. „Am besten wäre es wirklich, sie würden jeden Tag kommen!“, findet Erzieherin Alina Skalniak. „Manche Kinder wollen gar nicht nach Hause, bevor nicht die Clowns bei ihnen waren.“ Erstmal haben es sich die Träger zum Ziel gesetzt, den beiden einen wöchentlichen Besuch im Saarlouiser Krankenhaus zu ermöglichen.

Denn „Lachen macht einfach alles leichter“, weiß Tilotamma aus langjähriger Erfahrung. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell es uns gelingt, mit einfachsten Mitteln Licht ins Dunkel zu bringen.“