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Wider die Politikverdrossenheit
Saarlands Jugend darf zur Wahl gehen

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen am 15. September bei der U18-Bundestagswahl ihre Kreuzchen setzen. Insgesamt laden bundesweit mehr als 1500 Wahllokale zum symbolischen Urnengang.
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen am 15. September bei der U18-Bundestagswahl ihre Kreuzchen setzen. Insgesamt laden bundesweit mehr als 1500 Wahllokale zum symbolischen Urnengang. FOTO: Martin Schutt / dpa
Saarbrücken. Ein Test-Kreuzchen setzen: Auch unter 18-Jährige können morgen in einer Wahl-Simulation ihre Stimme abgeben. Von Daniel Maßing

Die Vorbereitungen für die Bundestagswahl laufen  auf Hochtouren. In diesem Jahr haben auch saarländische Kinder und Jugendliche die Chance, ihre Stimme abzugeben, nur zählen werden die Stimmen nicht. Weiterführende Schulen bereiten sich bereits seit Wochen auf die Juniorwahl vor. Bei dieser handelt es sich um ein bundesweit organisiertes Schulprojekt, in dem Schüler ab Klassenstufe 7 besonders im Politikunterricht gezielt Themen rund um die Wahl besprechen und sich so auf ihre eigene Beteiligung im politischen System der Bundesrepublik Deutschland vorbereiten. Dabei steht das Thema „Demokratie und Wahlen“ besonders im Fokus. Schulen erhalten beispielsweise Wahlurnen und Kabinen, um eine möglichst realitätsnahe Wahl-Situation zu gewährleisten. 30 saarländische Schulen mit etwa 6800 Schülern nehmen dieses Jahr tei, wie die Organisatoren mitteiltenl.

Albert Stoll, Politiklehrer des Gymnasiums am Steinwald in Neunkirchen, betreut in seiner 10. Klasse die Juniorwahl. Passend zum Lehrplan vermittelte er seinen Schülern in den vergangenen Wochen die Grundzüge der Demokratie sowie die Wahlgrundsätze in der Bundesrepublik Deutschland. „Die Schüler sollen sich ein Urteil über die deutschen Parteien bilden und ihre Stimme begründet abgeben können“, erklärte Stoll der SZ. Seiner Ansicht nach wird diese Wahl sehr ernst genommen. Er beobachte ein deutlich steigendes Interesse, da vermehrt Fragen zu verschiedenen Parteiprogrammen oder Themen der politischen Öffentlichkeit aufkämen. „Bei der Auswahl der Wahlvorsteher, Schriftführer oder Wahlbeisitzer der Juniorwahl habe ich in meiner 10. Klasse regelrechte Kampfabstimmungen festgestellt, da jeder an der Wahl mitwirken möchte“, berichtete Stoll. Hauptziele der Juniorwahl seien vor allem die Demokratieerziehung und das Erlernen der Fähigkeit, sich ein Urteil über das politische Geschehen in der Bundesrepublik zu bilden, sagte Stoll.

Die U18-Wahl ist ein weiteres Projekt, in dem es darum gehen soll, das politische Interesse von Kindern und Jugendlichen zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, eine Stimme abzugeben, obwohl sie noch nicht wahlberechtigt sind. Wahllokale befinden sich in Jugendzentren, Schulen oder Sportvereinen.

Im Rahmen der U18-Wahl können sich die interessierten Wähler in Diskussionsrunden oder Gesprächen mit Politikern ein Bild von der politischen Landschaft in Deutschland machen und anschließend neun Tage vor dem offiziellen Wahltermin bei der U18-Wahl ihre Stimme abgeben. Dieses Jahr übernimmt der Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung (juz-united) die Koordination der U18-Wahl im Saarland. Bis jetzt haben sich bereits 39 Wahllokale für die morgige U18-Wahl angemeldet.

Theo Koch, Geschäftsführer bei juz-united, sieht der U18-Wahl gespannt entgegen: „Das Alltagsleben der Jugendlichen ist durchdrungen von politischen Entscheidungen, daher sollten sie auch die Möglichkeiten erhalten, stärker für Politik sensibilisiert zu werden“, meint Koch.In Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden besprechen die jugendlichen Wähler besonders Themen wie „Was bedeutet Demokratie?“. Im Rahmen der U18-Wahl beobachte er, dass keine Politikverdrossenheit bei den Jugendlichen bestehe, wie es immer berichtet werde, sondern eher eine Parteienverdrossenheit, betonte Koch. Zwar sieht Koch die Verbreitung der Idee der U18-Wahl als äußerst positiv, dennoch müsse aber noch viel mehr dafür getan werden, um auch der Jugend die Möglichkeit zu geben, ihre politischen Interessen weiterzuentwickeln und zu äußern. „Die Jugend stärker einzubeziehen, heißt die Demokratie wieder erstarken zu lassen“, erklärte Theo Koch.

Nähere Infos zur Juniorwahl und zu Standorten der U18-Wahl kann man unter juniorwahl.de, u18.org/bundestagswahl-2017 oder juz-united.de nachlesen.