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Kerosin-Regen über dem Saarland
Zweifel an Kerosin-Ablass-Informationen

Eine Frachtmaschine der Cargolux soll Ende Juli 2018 auch über dem Saarland Treibstoff abgelassen haben, berichtet ein SZ-Leser aus Eppelborn. 
Eine Frachtmaschine der Cargolux soll Ende Juli 2018 auch über dem Saarland Treibstoff abgelassen haben, berichtet ein SZ-Leser aus Eppelborn.  FOTO: dpa / Laurent Gillieron
Saarbrücken/Langen/Braunschweig. Wie genau ist die Tabelle über Kerosin-Ablässe des Luftfahrbundesamtes? Offenbar gab es 2018 doch einen Kerosin-Regen über dem Saarland. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Wo genau lassen Flugzeuge mit technischen Problemen tonnenweise Kerosin ab, um wieder sicher am Abflughafen zu landen? Diese Frage beschäftigt so viele Menschen in Deutschland, dass einige Bundesländer darauf pochten, die Informationen über Flugbenzin-Ablässe für die Bürger bereitzustellen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) verfügte, dass das Luftfahrtbundesamt (LBA) in Braunschweig auf seiner Internetseite über Treibstoffschnell-Ablässe informiert. Demnach gab es über dem Saarland in diesem Jahr noch keinen Kerosin-Regen, der von vielen Menschen wegen der bisher umstrittenen Gesundheitsgefahren mit Sorge beobachtet wird.


Doch die Verlässlichkeit dieser Tabelle des Luftfahrtbundesamtes wird jetzt von einem SZ-Leser aus Eppelborn angezweifelt. „Ich habe mit eigenen Augen das relativ tieffliegende Flugzeug der Cargolux gesehen, das über dem Eppelborner Ortsteil Habach die Ventile zum Kerosin-Ablass öffnete und diese, solange ich sie sah, auch geöffnet ließ“, schreibt der SZ-Leser. Er bezieht sich auf den 28. Juli 2018. Vier Tage danach hatte die SZ berichtet, dass es einen Kerosin-Ablass über der Westpfalz gegeben habe. Nach Recherchen der „Rheinpfalz“ im schwedischen Flugüberwachungssystem „flightradar24“ hatte die Maschine der Cargolux auch über Ottweiler eine Schleife gezogen. In der LBA-Tabelle ist nur ein Ablass über dem „südlichen Rheinland-Pfalz“ für jenen 28. Juli verzeichnet.

Eine Nachfrage bei einer Sprecherin des Luftfahrtbundesamtes in Braunschweig erbringt eine knappe Antwort. Demnach sei das Luftfahrtbundesamt für die Tabelle auf deren Internetseite nicht zuständig, sondern die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) in Langen. Ute Otterbein, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, erklärt dann kompetent die undurchsichtige Lage: Der Cargolux-Pilot habe mit dem Fluglotsen Kontakt aufgenommen, um gemeinsam mit ihm einen Luftraum, der für einen Kerosin-Ablass geeignet erschien, zu identifizieren. „In den Tagesberichten der Lotsen wird dann das Gebiet festgehalten, in dem der Treibstoffschnell-Ablass stattgefunden hat“, sagt Otterbein. Da der Kerosin-Ablass nicht auf einmal geschehen könne, vielmehr der Treibstoff über ein spezielles Ventil abgelassen werde, dauere der Vorgang. In dieser Zeit fliege das Flugzeug einen Kreisbogen oder einen Dreieckskurs. Die Ortsangabe im Tagesbericht werde vom Fluglotsen so eingetragen, dass „es ungefähr beschrieben wird“. Der Grund für den Kerosin-Ablass der Frachtmaschine seien Fahrwerksprobleme gewesen, weswegen der Pilot zurück nach Luxemburg-Findel flog. Aus etwa 4300 Metern Höhe seien 92 Tonnen abgelassen worden. Der Eintrag zu diesem Vorfall habe nach Otterbeins Angaben „Westpfalz“ gelautet.



Hat die Cargolux-Maschine auch über dem Saarland Kerosin abgelassen? Otterbein erklärt, dass sie es für einigermaßen wahrscheinlich halte, denn wenn man auf die Karte sehe, so ergebe das ein sinnvolles Bild. „Allerdings sind nicht wir von der Flugsicherung die Quelle dieser Information“, sagte die DFS-Sprecherin. Die Quelle seien die Recherchen über die Flugroute in der Zeitung „Rheinpfalz“. „Daher fließt diese Angabe auch nicht in die Liste des LBA ein“, betont Otterbein.

Definitiv kein Kerosin abgelassen habe jedoch eine Tui-Maschine am vergangenen Donnerstag im Landeanflug auf den Flughafen Saarbrücken. Ein SZ-Leser hatte „weißen Nebel“ hinter dem aus Palma kommenden Flugzeug gesehen und gefragt, ob der Pilot wegen der kurzen Landebahn in Ensheim Treibstoff abgelassen habe. „Der genannte Flug wird mit einer Boeing 737 durchgeführt. Das ist ein kleineres Mittelstrecken-Flugzeug. Hier ist gar kein Treibstoffschnell-Ablass möglich“, erklärt die DFS-Sprecherin.