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Zur Weinlese von der Mosel an die Saar

Riesling-Lese an der Ayler Kupp: Ralf Petgen ist mit den Erträgen und dem Mostgewicht zufrieden. Foto: Rolf Ruppenthal
Riesling-Lese an der Ayler Kupp: Ralf Petgen ist mit den Erträgen und dem Mostgewicht zufrieden. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Ayl/Sehndorf. In der Regel wird der saarländische Wein von der Obermosel bezogen. Das saarländische Weingut Ökonomierat Petgen-Dahm in Sehndorf hat diese Gesetzmäßigkeit allerdings mittlerweile durchbrochen. Bei Ayl und an der Ayler Kupp betreibt es seit mehreren Jahren zwei Weinberge. Von SZ-MitarbeiterRolf Ruppenthal

Die saarländischen Weine sind Spitze. Und nach dem Siegesszug der Weißweine - hier sorgen vor allem die Burgundersorten immer wieder für Furore - sind jetzt auch die leichten und filigranen Roten im Vormarsch. Der saarländische Wein kommt aber nicht von der Saar, sondern von der Mosel, genauer der Obermosel. Die Saar-Weine kommen nicht aus dem Saarland, sondern aus Rheinland-Pfalz. Und auch sie genießen unter Weinfreunden hohes Ansehen.

Das saarländische Weingut Ökonomierat Petgen-Dahm in Sehndorf hat diese Gesetzmäßigkeit jedoch inzwischen durchbrochen. Bei Ayl und an der legendären Ayler Kupp betreibt es seit einigen Jahren zwei Weinberge. Jetzt ernteten die Lesehelfer von Ralf und Brigitte Petgen zum Abschluss der Weinlese in diesen extremen Steillagen besten "saarländischen" Riesling von der Saar.

Auch in diesem Jahr war diese Ernte wieder ein Kraftakt. Als sich in den vergangenen Tagen morgens die Nebel über der Saar allmählich hoben, die Sonne für schönstes Spätsommerwetter sorgte, waren Carlo Jacobs und sein gutes Dutzend meist lothringischer Erntehelfer schon im Einsatz. Nach einer gut einstündigen Traktorfahrt von der Mosel an die Saar ging es die steilen Hänge hinauf, um Reihe für Reihe abzuernten: eine schweißtreibende und kräftezehrende Handarbeit.

Carlo Jacobs und zwei weitere Mitstreiter erklommen mit der leeren Hotte auf dem Rücken immer wieder den Steilhang, um dann die Weintrauben den gleichen Weg steil abwärts zum Traktor zu bringen. Im oberen Teil der Steilhänge ging es dann genau umgekehrt: Mit der leeren Hotte runter zu den Lesehelfern, mit der vollen dann steil hoch zum Traktor mit seinem Trauben-Anhänger.

"Das ist echte Knochenarbeit" mussten auch Ralf und Brigitte Petgen bei ihrer Stippvisite in den Saarburger Weinbergen feststellen. "Hier wachsen die besten Rieslinge der Welt," betonte der Winzer aus Sehndorf. Aus "Jux und Dollerei", wie er sagt, hatte Petgen die beiden Weinberge vor einigen Jahren gekauft, um sich damit einer ganz besonderen Herausforderung zu stellen. Ihm gegenüber liegen die Weinberge des rheinland-pfälzischen Erfolgswinzers Egon Müller, der mit seinen inzwischen berühmten Saar-Riesling-Weinen weltweit Rekordpreise erzielt. Und auch die Weinberge von Neuwinzer Günther Jauch sind in Quasi-Sichtweise nur wenige Kilometer entfernt.

So hoch pokert Ralf Petgen jedoch bei Weitem nicht: Er ist zufrieden, wenn er gesunde Trauben ernten und gute Riesling-Qualitäten erzielen kann. So zählte die "Weinwelt" Petgen-Dahms Saar-Riesling 2010 zu den besten in Deutschland, und zuletzt gab es bei der viel beachteten Berliner Wein-Trophy Gold für den 2012er Riesling von Ralf und Brigitte Petgen. Auch in diesem Jahr sieht es gut aus: Trotz nicht immer idealer Witterungsbedingungen konnten reife Trauben in bestem Zustand geerntet werde: 2000 Liter mit einem Mostgewicht von 82 Öchsle versprechen einen hervorragenden Riesling-Wein. "Wetter gut - alles gut," meinte Ralf Petgen zum Abschluss der Weinlese in Ayl durchaus zufrieden.



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stichwortDie Vorfahren des Rieslings stammen vermutlich aus dem Rheintal und waren bereits den Germanen bekannt. Durch Einkreuzen der Traminer-Trauben der Römer konnten deutliche Qualitätsverbesserungen erzielt werden. Durch die Verbindung mit der Rebsorte Heunisch erhielt der "Riesling" zu seiner ursprünglichen Frosthärte und Kleinbeerigkeit die ihm eigene Beständigkeit, Vitalität und wahrscheinlich auch sein Säurepotenzial. Vom Rheintal verbreitete sich der Riesling am Ende des Mittelalters in die meisten deutschen Anbaugebiete. 1787 verfügte der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen, dass in seinem Herrschaftsbereich nur noch Riesling angebaut werde, sodass die Mosel das größte zusammenhängende Riesling-Weinanbaugebiet der Welt wurde. Heute kommt Riesling aus aller Welt, aus Österreich, Frankreich, Luxemburg, Australien, Neuseeland, Moldawien und den USA. Trotz dieser internationalen Konkurrenz zählen die deutschen Riesling-Weine, insbesondere die von der Saar, nach wie vor zu besten und begehrtesten der Welt. rup