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Bous
Zug entgleist kurz vor Bouser Bahnhof

Im Bereich des Bouser Bahnhofs riss der Motor ab und brachte den Zug zum Entgleisen.
Im Bereich des Bouser Bahnhofs riss der Motor ab und brachte den Zug zum Entgleisen. FOTO: Thomas Wieck
Bous. Eine Regionalbahn ist am Montag gegen 7.45 Uhr kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof in Bous entgleist. Eine Person erlitt einen Schock, die Strecke war zeitweise komplett gesperrt.

Ein entgleister Zug in Bous hat gestern zeitweise den Schienenverkehr zwischen Saarbrücken und Trier lahmgelegt. Wie Dieter Schwan, Sprecher der Bundespolizei, mitteilte, sprang die Regionalbahn gegen 7.45 Uhr beim Einfahren in den Bouser Bahnhof aus den Schienen. Unter dem Zug hatte sich ein Motorblock gelöst, der beim Überfahren einer Weiche abriss. Der Zug verunfallte, als er den Motorblock überfuhr. Warum dieser sich löste, ist derzeit noch nicht klar.


Die ganze Sache ging dabei „glimpflich“ aus, wie der Sprecher berichtete. Der Zug sei so von den Schienen gerutscht, dass er nicht mit einem in der Nähe stehenden Pfeiler kollidierte. Wäre er nach rechts gesprungen, hätte es für die Insassen deutlich schlimmer kommen können. Die 58 Reisenden konnten über einen nahegelegenen Weg evakuiert werden. Eine Person wurde aufgrund eines Schocks in ein Krankenhaus gebracht.

Das Eisenbahn-Bundesamt und die Bundespolizei haben nun ihre Untersuchungen aufgenommen. „Es wird in alle Richtungen ermittelt“, sagte Schwan. Dabei wird es auch um die Frage gehen, ob der Motor etwa durch Altersschwäche einzelner Teile abgerissen ist, oder ob eventuell sogar ein bautechnischer Defekt vorgelegen hat, was dann auch weitere Züge baugleichen Typs betreffen würde. Diesel sei bei dem Unglück in Bous nicht ausgelaufen, nur wenige Betriebsmittel wie Schmierstoffe, die aber nicht ins Erdreich gelangt seien, sagt Schwan.



Beim Entgleisen kam es sowohl an den Schienen als auch an der Regionalbahn zu Schäden – etwa 70 000 Euro sollen diese nach ersten Schätzungen betragen. „Teile des Drehgestells sind abgerissen, auch eine Weiche wurde beschädigt“, zählte Schwan auf. Er vermutet, dass die Reparatur an den Gleisen ein bis zwei Tage dauert. Der Zugverkehr war bis 11.30 Uhr laut einer Bahnsprecherin auf der gesamten Strecke eingestellt. Gegen Mittag sei dieser wieder eingleisig geführt worden. Bis dahin seien auf dem Abschnitt zwischen Saarlouis und Völklingen als Ersatz Busse eingesetzt worden.

Die Zustände beim ersten Schienenersatzverkehr beschrieb ein Leser: „Um 8.40 Uhr kamen dann für zig Reisende zwei Busse, einer davon fuhr, obwohl er von der Bahn die Anweisung hatte nach Völklingen zu fahren, halb leer nach Merzig. Nach über zwei Stunden kam endlich ein dritter Bus, der ebenfalls gegen 9.40 Uhr total überfüllt nach Völklingen fuhr. Und noch immer warteten Menschen. Es gab keine Infos, kein Management, es herrschte einfach nur Chaos.“

Nach 17 Uhr kam ein Spezialzug mit Kran aus Wanne-Eickel im Ruhrgebiet nach Bous, um die Regionalbahn wieder aufs Gleis zu heben. Allerdings musste diese auf ein Fahrgestell, der Zug selbst konnte nicht mehr rollen. Die Arbeiten wurden zusätzlich dadurch erschwert, dass der Zug geknickt war und unter Spannung stand, so Bundespolizeisprecher Schwan.

Leider blieben bis Redaktionsschluss einige Fragen von der Deutschen Bahn unbeantwortet. Etwa zum Alter der Regionalbahn oder in welchen Abständen solche Personenzüge in der Regel gewartet werden. Ein Bahnsprecher beteuerte jedoch, dass die Deutsche Bahn die Untersuchungen „in vollem Umfang“ unterstützen werde.

In der Region kam es zuletzt bei Bettemburg in Luxemburg im Februar 2017 zu einem tragischen Zugunglück, bei dem ein luxemburger Lokführer ums Leben kam, als ein Güterzug mit einem Passagierzug aus Frankreich zusammen stieß. Damals hatte ein Sicherheitssystem versagt, als es ein Stopp-Signal nicht erkannte. Zudem wird dem Lokführer von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dass er zum Zeitpunkt des Unglücks mit seinen Handy beschäftigt war. Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen allerdings noch.