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Zu wenig Wohnraum für Senioren

Viele Rentner müssen nur deshalb aus ihrer Wohnung, weil diese nicht altersgerecht ist. Foto: Wohnen 65plus
Viele Rentner müssen nur deshalb aus ihrer Wohnung, weil diese nicht altersgerecht ist. Foto: Wohnen 65plus FOTO: Wohnen 65plus
Kreis Saarlouis. In den kommenden Jahren werden im Landkreis Saarlouis rund 6850 altengerechte Wohnungen fehlen. So lautet das Ergebnis einer Studie. Die Prognose geht von rund 9730 Pflegebedürftigen im Jahr 2035 aus. red

Im Landkreis Saarlouis werden in den kommenden Jahren rund 6850 altengerechte Wohnungen fehlen. Das geht aus der aktuellen Studie "Wohnen 65plus" hervor, die das Regionaldaten-Institut Pestel gemacht hat. Die Wissenschaftler aus Hannover geben darin erstmals auf der Grundlage der neuen Zensus-Zahlen eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung. Demnach werden im Jahr 2035 im Landkreis Saarlouis rund 59 410 Menschen älter als 65 Jahre sein - 37 Prozent mehr als heute. "Mit der starken Zunahme Älterer wird auch die Zahl der Pflegebedürftigen rasant wachsen", sagt Pestel-Studienleiter Matthias Günther. Die Prognose für den Landkreis Saarlouis gehe von rund 9730 Pflegebedürftigen im Jahr 2035 aus. "Bei dieser Entwicklung wird es höchste Zeit, barrierearme Wohnungen für Senioren zu schaffen. Die Alternative ist der Umzug ins Pflegeheim. Genau das wollen viele Ältere aber nicht", sagt Günther. Zudem führe die stationäre Pflege im Heim zu enormen Mehrkosten.

Ein Pflegeplatz im Heim koste - im Vergleich zur ambulanten Pflege zu Hause - pro Jahr rund 7200 Euro mehr. Nach einer Berechnung des Bundesbauministeriums kostet der Umbau einer barrierearmen Wohnung durchschnittlich 15 600 Euro.

Insgesamt müssen im Landkreis Saarlouis 106,8 Millionen Euro in das altersgerechte Bauen investiert werden. Nur so kann es nach Angaben des Pestel-Instituts gelingen, die rund 6850 zusätzlichen Senioren-Wohnungen zu schaffen. Dies funktioniere jedoch nur dann, wenn es hierfür finanzielle Anreize gebe: "Es ist dringend notwendig, den Neubau und das Sanieren von altersgerechten Wohnungen stärker zu fördern", sagt Günther. Insbesondere der Bund sei hier gefordert. Die Politik müsse dabei - neben zinsverbilligten Krediten bei der KfW-Förderung - verstärkt auch auf direkte Bau-Zuschüsse und die steuerliche Abschreibung setzen.

Die Studie zum Senioren-Wohnen hat das Verbändebündnis "Wohnen 65plus" in Auftrag gegeben. Dazu gehören: der Sozialverband VdK Deutschland, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB), die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Das Verbändebündnis wirft den Parteien vor, das drängende Thema "Wohnen im Alter" zu vernachlässigen.