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Zu gut für die Mülltonne

Homburg. Viele Lebensmittel vergammeln zuerst im Kühlschrank und landen dann im Müll. Die Saar-Landfrauen und der EVS wenden sich diesem Problem zu und haben eine Info-Kampagne gestartet. Am Freitag informierten sie auf dem Homburger Marktplatz. Von SZ-RedakteurFlorian Rech

"Ich hab zwar braune Flecken, tu aber noch gut schmecken", singt eine Banane auf dem Homburger Marktplatz. Dafür gab es am Freitagmorgen Applaus vom Obst- und Gemüsehändler nebenan. Die Homburger Künstlergruppe Artefix hatte sich als Lebensmittel verkleidet und zog mit einer großen Mülltonne voller weggeworfener Lebensmittel durch die Homburger Innenstadt - singend. Die Gruppe hatte den Abba-Song "Mama Mia" zu "Ich will nicht in die Tonne" umgedichtet, um so auf die große Menge noch essbarer Lebensmittel hinzuweisen, die täglich im Müll landet.

Artefix unterstützte mit ihren Auftritten eine Aktion mit dem Namen "Zu gut für die Tonne" der Saar-Landfrauen und des Entsorgungsverbands Saar (EVS). Beide hatten zwischen 9 und 13 Uhr einen Informationsstand am historischen Marktplatz aufgebaut, um die Homburger Bürger für das Thema Müllvermeidung zu sensibilisieren. Die Aktion fügt sich in die Europäische Woche zur Abfallvermeidung ein.

"Wer mehr weiß, wirft weniger weg", ist Vera Backes, Geschäftsführerin der Saar-Landfrauen überzeugt. "Wir wollen nicht moralisieren und den Zeigefinger heben, sondern kreative Vorschläge machen und Tipps gegen die Verschwendung von Lebensmittel geben", sagte Backes. Und so fanden sich am Stand massig Informationsbroschüren aber auch Hilfsmittel für den Alltag. Am Stand wurde erklärt, wie Verbraucher Kühlschränke optimal befüllen, sodass Lebensmittel möglichst frisch bleiben. Es gab aber auch Frischetests für Hühnereier.

"Was sehr bei uns nachgefragt wird, sind Rezepte für Lebensmittelreste", erzählt Judith Giese vom Landfrauenverband, "die Reste muss man ja nicht wegschmeißen. Jedes Jahr landen pro Kopf 82 Kilogramm Lebensmittel, die noch gut essbar wären, im Müll. Das sind Lebensmittel im Wert von 230 Euro." Geschäftsführerin Backes rät bei Lebensmitteln, deren Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten ist zu mehr Mut: "Ein einfacher Geruchs- oder Geschmackstest schafft hier Klarheit."

Auch der EVS macht bei der Aktion mit. "Der EVS sieht sich selbst nicht nur als Entsorgungsverband sondern auch als Umweltverband", sagt Jürgen Philipi, Leiter im Bereich Abfallwirtschaft. "Wir wollen mit dafür sorgen, dass Abfall erst gar nicht bei uns landet", sagt Philippi, "wir wollen darauf aufmerksam machen, wie viele Ressourcen sonst verschwendet werden." Was ist aber die beste Methode, um Lebensmittel nicht zu verschwenden? Vera Backes ist sich sicher: "Man muss genau planen, bevor man einkaufen geht. Es macht wenig Sinn, einen Wagen voll zu kaufen, wenn man die Woche über keine Zeit zum Kochen hat. Lieber einmal mehr, dafür aber weniger und immer nach Bedarf einkaufen."