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Tierschutz
Der heiße Sommer hat den Igeln zugesetzt

Um einem Igel zu helfen, können Gartenbesitzer sie bei der Futtersuche unterstützen – etwa mit Nassfutter für Katzen oder Hunde und einer Wasserstelle.
Um einem Igel zu helfen, können Gartenbesitzer sie bei der Futtersuche unterstützen – etwa mit Nassfutter für Katzen oder Hunde und einer Wasserstelle. FOTO: picture-alliance / dpa/dpaweb / Ulrich Perrey
Saarbrücken/Mainz. Die Zahl der Igel geht Tierschützern zufolge zurück. Die Tiere sind derzeit auf der Suche nach einem Winterquartier. Von Caroline Rübe und dpa

Die feuchte Nase am Boden, die spitzen Stacheln aufgerichtet: Jetzt sind Igel unterwegs, auf der Suche nach einem Winterquartier, etwa in einem Laub- oder Reisighaufen. Die kleinen Säugetiere sind im Herbst entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten auch tagsüber auf den Beinen, um sich Winterspeck anzufressen. „Das ist nötig, denn während ihres bis zu einem halben Jahr andauernden Schlafes verlieren sie zwischen 20 und 40 Prozent ihres Körpergewichts“, erklärt der Naturschutzbund (Nabu).


Jedoch ist die Zahl der Igel möglicherweise rückläufig. Im Saarland gibt es allerdings keine offiziellen Schätzungen der Igelpopulation. Die Igel seien jedoch besonders dieses Jahr in Schwierigkeiten, sagt Jennifer Knur-Schmidt, stellvertretende Leiterin der Wildtierauffangstation Eppelborn: „Wir bekommen auf der Station dieses Jahr viel mehr Tiere.“ Während 2017 rund 250 Igel aufgepäppelt wurden, mussten dieses Jahr bereits 450 Igel behandelt werden. Die Igel litten unter dem Klimawandel. Wegen der Hitze hätte es diesen Sommer weniger Insekten, Würmer und Wasser gegeben. Deswegen fänden die Igel keine Nahrung und hätten Schwierigkeiten, den Winter zu überstehen.

Auch in Rheinland-Pfalz sprechen Naturschützer von Hinweisen darauf, dass sich die kleinen Säugetiere rar machen. Allerdings sind nach Angaben einer Sprecherin des Mainzer Umweltministeriums keine Aussagen zur Bestandsentwicklung möglich, es gibt keine Schätzungen zur Größe der Igel-Population. „Wir haben den Eindruck, dass die Zahl der Igel insgesamt zurückgegangen ist“, sagt Andrea Friebe in der Wildvogel- und Igelpflegestation Kirchwald in der Vordereifel. Dies zeige sich sowohl bei der Zahl der in der Station aufgenommenen Tiere als auch bei der Sichtung von Tieren, die von Autos überfahren wurden. Bei der Nabu-Regionalstelle Rheinhessen seien etwas weniger Fundmeldungen eingegangen, aber ein eindeutiger Befund sei nicht möglich, sagt Nabu-Sprecherin Kerstin Schnücker.



Rheinland-Pfalz ist eines von sechs Bundesländern, in denen der Igel als gefährdet eingestuft wird. In Rheinland-Pfalz ist der Braunbrust­igel auf der Roten Liste der Säugetiere als gefährdet eingestuft, auf der Stufe 3 der vierteiligen Skala zwischen potenziell gefährdet (4) und ausgestorben (0).

Um den stacheligen Besuchern zu helfen, können Gartenbesitzer sie bei der Futtersuche unterstützen. „Wer in der Dämmerung ein solches Tier im Garten entdeckt, kann eine Futterstelle einrichten, etwa mit Nassfutter für Katzen oder Hunde“, erklärt Eva Lindenschmidt von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. Auch eine Wasserstelle helfe.

Die Futterstelle sollte allerdings vor Katzen geschützt werden, etwa mit einem Igelfutterhaus, dessen Eingang verwinkelt ist. Auch Laub- und Reisighaufen bieten sich als Überwinterungsquartiere an. Vorsicht gilt beim Verbrennen von aufgehäuften Ästen. Sie können für Igel zur tödlichen Falle werden, falls sie sich darunter versteckt halten.

Außerdem sollten Gräben und Teiche mit einem engmaschigen, 50 Zentimeter hohen Zaun gesichert werden, damit die Tiere nicht hineinfallen. Alternativ kann man Ausstiegshilfen anbringen, damit Igel sich selbstständig befreien können.

Sollte man einen vermeintlich schwachen Igel finden, rät Knur-Schmidt folgendes: Man müsse das Verhalten des Tiers beobachten. Wenn man es lethargisch, verletzt, mit Atemgeräuschen oder etwa abgemagert vorfinde, könne man es zu einer Auffangstation bringen. Ein gesunder Igel sollte im Spätherbst mindestens 500 Gramm wiegen und etwa so groß sein wie eine Pampelmuse sein, um „überhaupt den Winterschlaf zu schaffen“, so Knur-Schmidt.

Weitere Informationen gibt es
im Internet unter der Adresse:
www.saarland.de/saarforst.htm