| 00:00 Uhr

Wohl kein Zuschuss für gebrauchte Drehleiter

Mit Hilfe einer Drehleiter können Menschen aus oberen Etagen gerettet oder Flammen von oben bekämpft werden. Archiv-Foto: Müller
Mit Hilfe einer Drehleiter können Menschen aus oberen Etagen gerettet oder Flammen von oben bekämpft werden. Archiv-Foto: Müller FOTO: Müller
Friedrichsthal. Dass die Freiwillige Feuerwehr der Stadt ein Drehleiterfahrzeug bekommen soll, ist unstrittig. Während der Rat die Beschaffung eines gebrauchten favorisiert, rückt ein 50-Prozent-Zuschuss aus der Brandschutzsteuer dafür in weite Ferne. Das bestätigte gestern Tony Bender, Brandinspekteur im Regionalverband. Von SZ-RedakteurThomas Feilen

Eigentlich ist die Sachlage klar: Der Stadtrat ist für die Anschaffung einer Drehleiter für die Freiwillige Feuerwehr. In der jüngsten Sitzung beschloss das Gremium, im Haushalt für die Investition bis zu 300 000 Euro bereitzustellen (die SZ berichtete mehrfach). Das ist zu wenig für ein neues Fahrzeug oder einen "Vorführer", bestätigte gestern Tony Bender in der SZ-Redaktion. Der 51-Jährige ist Leiter des Sport- und Bäderamtes der Landeshauptstadt. Nebenbei ist er aber auch Brandinspekteur im Regionalverband Saarbrücken. Und in dieser Funktion hat er gestern klargestellt, dass er davon abraten wird, einen Zuschuss für ein gebrauchtes Drehleiterfahrzeug (mit Ausnahme eines Vorführfahrzeugs, dessen Leiter nicht deutlich mehr als 200 Betriebsstunden haben sollte) zu gewähren. Und Benders Wort hat Gewicht.

Wie aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Regionalverband hervorgeht, "gibt der Brandinspekteur bzw. die Landeshauptstadt als Aufsichtsbehörde in jedem konkreten Einzelfall eine Stellungnahme aus fachtechnischer Sicht zur Förderungsfähigkeit einer Maßnahme" ab.

Doch warum ist Bender gegen die Anschaffung eines guten Gebrauchten?

Bei seiner Antwort verweist er aufs Geld, denn "die Wartungskosten wachsen mit zunehmendem Alter exponentiell". Wenn man zudem die "Lebenserwartung" von 15 bis 20 Jahren eines Drehleiterfahrzeugs berücksichtige, lohne die Anschaffung eines rund zehn Jahre alten Fahrzeugs nicht. Zudem gibt es nach Benders Worten Probleme bei der Beschaffung der Ersatzteile für die alten Gebrauchten. Und eventuell nötige Sonderanfertigungen von Teilen würden weiteres Geld verschlingen.

Ausdrücklich widerspricht er der Aussage, es gehe hier um "ein Prestigeobjekt". Denn ein von einer Saarbrücker Beratungsfirma erstelltes Gutachten, "das immer noch aktuell ist" (Bender), lehnt in diesem Fall, wenn es um Rettung von Verletzten oder um Brandbekämpfung in höher gelegenen Stockwerken geht, das Zurückgreifen auf Drehleitern benachbarter Feuerwehren ab. Und zwar mit Hinweis auf die sogenannte Ausrückzeit. Die Spanne von der Alarmierung bis zur Ankunft am Brandort dürfe acht Minuten nicht übersteigen. Und diese Vorgabe sei beim Ausrücken der Kameraden von Sulzbach oder gar Dudweiler aus nicht einzuhalten. Und die bauliche Situation in Friedrichsthal könne den Einsatz einer Drehleiter nunmal notwendig machen.

Keinen Dissens sieht Bender beim Kauf eines geeigneten Vorführfahrzeugs. Hier wolle er sich dafür aussprechen, den für Sonderfahrzeuge, also auch eine Drehleiter, üblichen 50-prozentigen Zuschuss aus der Feuerschutzsteuer zu befürworten. Aber natürlich liegt die Entscheidung übers Geld nicht bei Bender, sondern bei den Aufsichtsbehörden.



Tony Bender gestern in den Redaktionsräumen Foto: Engel
Tony Bender gestern in den Redaktionsräumen Foto: Engel FOTO: Engel