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Wo Kuh Elsa in den Ring kommt

Saarbrücken. Der oder die? Diese Frage drängt sich als erste auf, wenn man über ein Objekt schreibt, das nicht wenige Saarbrücker als eins ihrer Grundnahrungsmittel bezeichnen, ja als Grundnahrungsmittel des Saarländers überhaupt: Lyoner. Also: der oder die? Oder anders gefragt: Ist Lyoner männlich oder weiblich? Korrekt heißt es wohl: die Lyoner Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. Der oder die? Diese Frage drängt sich als erste auf, wenn man über ein Objekt schreibt, das nicht wenige Saarbrücker als eins ihrer Grundnahrungsmittel bezeichnen, ja als Grundnahrungsmittel des Saarländers überhaupt: Lyoner. Also: der oder die? Oder anders gefragt: Ist Lyoner männlich oder weiblich? Korrekt heißt es wohl: die Lyoner. Weil im Saarland die Wurst, also auch die Fleischwurst, männlich ist, es also "der Wurschd" heißt, wird es hier um "den Lyoner" gehen.Der Lyoner ist mehr als eine geräucherte Brühwurst. Er ist Qualitätsmerkmal, Kulturgut, identitätsstiftendes Nationalgericht, Bestandteil des außerdem noch aus vier Maggiflaschen bestehenden saarländischen Adventskranzes, und er wurde schon zum Politikum."Es hat sich auslyonert in diesem Land - geschafft muss genn", hat der Christdemokrat Peter Müller vor 13 Jahren verkündet. Die saarländische CDU hatte ihn damals gerade zu ihrem Landesvorsitzenden gewählt. In der "Lyonermentalität", die er dem damaligen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine zum Vorwurf machte, entdeckte Müller einen Hemmschuh für die Entwicklung des Saarlandes. Und so läutete Müller nach seinem Wahlsieg 1999 den Wechsel vom Lyoner-Zeitalter in die Computer-Epoche ein. Inzwischen scheint Müller mit der Lyoner versöhnt. Schaffen, Computer und Lyoner sind für Willi Walter noch nie Gegensätze gewesen. Bei Schröder arbeiten rund 500 Frauen und Männer. Die 3,5 Millionen Lyonerringe, die jedes Jahr die Wurstfabrik verlassen, werden auch mit Hilfe von Computertechnik hergestellt und unters Volk gebracht. Schröder produziert nicht nur Lyoner. Rund 6200 Tonnen Wurst produziert das 1856 gegründete Unternehmen. Aber "der Herr der Ringel" weiß, dass der Lyoner ein ganz besonderes Produkt ist. Er ist das Produkt, an dem die Kunden die Qualität des ganzen Sortiments messen. "Wenn einer gute Fleischwurst machen kann, dann kann er auch alles andere", sagt Willi Walter.Wobei für Lyoner strengere Qualitätsanforderungen gelten, als für das, was in Deutschland sonst so als Fleischwurst bezeichnet wird. Ein echter saarländischer Lyoner darf sich nur so nennen, wenn er aus Schweine- und Rindfleisch (etwa zwei Drittel zu einem Drittel) besteht, frische Zwiebeln und Maggi drin sind. Und er muss im Naturdarm verkauft werden, erklärt Willi Walter. Welche Gewürzmischung dazukommt, ist ein Betriebsgeheimnis. Das kenne nur er und der Betriebsleiter, sagt Willi Walter. Nur so viel sagt er dazu: "Ich habe 1965 hier angefangen, seitdem hat sich das Rezept nicht verändert - und damals war das schon eine alte Mischung."Kein Geheimnis ist, dass Schöder nicht bereits zerkleinertes Fleisch zu Lyoner verarbeitet, sondern die Schweine und Rinderhälften selbst zerkleinert. "Für guten Lyoner kann man keinen Schammas kaufen", sagt Willi Walter. "Wir können genau sagen, wo die Kuh Elsa herkommt und wo sie geschlachtet wurde. Ich bin da altmodisch: Ich kann Vertrauen nur zu Betrieben haben, die ich kenne", sagt der Schröder-Manager. Bei aller Tradition müsse die Firma aber auch immer mal was Neues anbieten. Zum Lyonerfest probiert es Schröder mit einem fettreduzierten "Lyoner légère" und einem Feuer-Ring. Für letzteren wurde der Geheimmischung Chili zugesetzt. In Maßen, wie Willi Walter betont, denn man wolle ja zufriedene und keine feuerspuckenden Kunden.Wobei das mit dem Ring und dem Feuer ja auch so eine - von Schorsch Seitz musikalisch gestreute - Legende ist. Der Johnny-Cash-Song vom "Ring of Fire" gebe Hinweise darauf, dass die Saarländer ihre Lyonerkultur in den Westen der USA gebracht haben, sagt Seitz. Da wurde Lyoner geschwenkt und gesungen: "Leh de Ring uffs Feier." Und damit die Cowboys auf den entlegendsten Farmen auch immer Lyoner hatten, habe es eine eigene Motorrad-Versorgungsgruppe gegeben: die Hölls-Angels. Auf die Lyoner-Konkurrenz von Höll, Schwamm, Kunzler und Co. lässt Schröder-Mann Willi Walter übrigens nichts kommen. Super Produkte machen die, sagt er. Aber das ist eine andere Geschichte. "Wir können genau sagen, wo die Kuh Elsa geschlach- tet wurde."Willi Walter, Schröder-Manager




Auf einen BlickDas 11. Lyonerfest der Firma Schröder steigt an diesem Donnerstag ab 11 Uhr auf deren Fabrikgelände in der Straße des 13. Januar. Zum Frühschoppen spielt der Orchesterverein Schaffhausen. Ab 13.30 Uhr spielt die Band Remax. Dazwischen sorgt DJ Herry Klemm für die richtigen Töne. ols