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"Wir müssen die erste Adresse sein"

608 Babys kamen im Merziger SHG-Klinikum 2012 zur Welt. Im Landesvergleich stehe seine Abteilung damit gut da, freut sich der neue Chefarzt Dr. Peter Sammel im SZ-Interview. Foto: gms
608 Babys kamen im Merziger SHG-Klinikum 2012 zur Welt. Im Landesvergleich stehe seine Abteilung damit gut da, freut sich der neue Chefarzt Dr. Peter Sammel im SZ-Interview. Foto: gms
Dr. Sammel, seit 1. Oktober sind Sie Chefarzt der Frauenklinik am SHG-Klinikum Merzig. Wie fällt Ihre 100-Tage-Bilanz aus? Sammel: Ich denke, ich kann eine positive Bilanz ziehen. Die Eingewöhnungsphase, die jeder Neuanfang mit sich bringt, ist mir hier nicht schwergefallen

Dr. Sammel, seit 1. Oktober sind Sie Chefarzt der Frauenklinik am SHG-Klinikum Merzig. Wie fällt Ihre 100-Tage-Bilanz aus?



Sammel: Ich denke, ich kann eine positive Bilanz ziehen. Die Eingewöhnungsphase, die jeder Neuanfang mit sich bringt, ist mir hier nicht schwergefallen. Schließlich bin ich Saarländer und war auch die längste Zeit meines Berufslebens im Saarland tätig, davon allein 16 Jahre als Leitender Oberarzt in Saarlouis und Püttlingen. Ich bin also kein Unbekannter hierzulande. Patientinnen und niedergelassene Kolleginnen und Kollegen haben mich - wohl auch deshalb - gut angenommen. Das sieht man an den Zuweisungen. Auch im Haus selbst bin ich freundlich aufgenommen worden.

Zu einem Rückblick auf 2012 gehört die Geburten-Bilanz des Klinikums. An Silvester kam das 608. Baby des Jahres zur Welt. Ein Grund zur Freude für die Eltern - und für Sie?

Sammel: Natürlich ist das auch für mich ein Grund zur Freude. Wir stehen damit im Landesvergleich gut da. Damit kann man zufrieden sein.

Aber im Vergleich zu Vorjahren, in denen für Merzig 650 bis 700 Geburten der Schnitt waren, sind die Zahlen rückläufig. Macht Ihnen das Sorgen?

Sammel: Nun, das schwankt ja immer ein bisschen von Jahr zu Jahr. Da sollte man nicht gleich von rückläufigen Zahlen sprechen. Natürlich findet auch unsere Fallzahlentwicklung vor dem Hintergrund des allgemeinen Geburtenrückgangs statt. Der muss uns allen "Sorgen" machen.

Woher kommen die Mütter, die hier entbinden? Alle aus dem Grünen Kreis?

Sammel: Ja, überwiegend. Sie kommen aber auch aus den benachbarten Landkreisen Saarlouis und auch Trier-Saarburg, gelegentlich auch aus Luxemburg, selten auch mal aus dem nahen Lothringen.

Bei Ihrem Empfang beim Oberbürgermeister sprach Alfons Lauer von einem "ausgezeichneten Ruf" der Geburtsklinik in Merzig - ein Ansporn für die Zukunft?

Sammel: Ich widerspreche dem Herrn Oberbürgermeister nicht, bemühe aber selbst nicht gerne die großen Worte. Wir haben einen Versorgungsauftrag - und zwar für Geburtshilfe und Gynäkologie - für die Stadt Merzig und ein flächenmäßig großes, eher dünn besiedeltes ländliches Einzugsgebiet. Diesen Auftrag bemühe ich mich, zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, unseren Hebammen und Pflegekräften auf qualitativ hohem Niveau zu erfüllen. Zusammen mit der Kinderklinik hier im Haus unter Leitung von Professor Jens Möller bilden wir den "Geburtshilflichen Schwerpunkt nördliches Saarland". Im gynäkologischen Teil unseres Faches verzeichnen wir in den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit einen deutlich verstärkten Zustrom von Patientinnen. Auch Frauen mit Krebserkrankungen finden wieder den Weg in die Abteilung.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Sammel: Ziele müssen erreichbar sein. Sie müssen sich an der Realität orientieren. Geburtenrückgang und demografischer Wandel sind Realität, ebenso der medizinische Fortschritt, die steigenden Qualitätsanforderungen und damit die steigenden Kosten im Gesundheitswesen. All das wird zu einem weiteren Wandel der Krankenhauslandschaft führen. Innerhalb von etwas mehr als 20 Jahren hat sich die Zahl gynäkologisch-geburtshilflicher Abteilungen im Land infolge von Schließungen und Fusionen halbiert. Derzeit sind es noch neun. Und auch dabei wird es kaum bleiben.

Mein vorrangiges Ziel ist es, meiner Abteilung mit einem modernen und umfassenden Behandlungsangebot ihren Platz im Konzert der saarländischen Kliniken zu sichern. Wir müssen die erste Adresse im Einzugsgebiet sein, um den Menschen in unserer Region dauerhaft eine wohnortnahe gynäkologisch-geburtshilfliche Versorgung bieten zu können.

Ich bin optimistisch, dass alle, die dafür Verantwortung tragen, künftig mit mir an einem Strang ziehen. Dann haben wir gute Aussichten, das Ziel auch zu erreichen. Foto: Stadt

Zur Person

Dr. Peter Sammel ist seit 1. Oktober Chefarzt der Frauenklinik am SHG-Klinikum in Merzig. Der 59-Jährige ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Er verfügt über die Schwerpunktbezeichnungen Gynäkologische Onkologie (Krebsbehandlung) und Spezielle Geburtshilfe und Perinatologie (medizinische Betreuung rund um die Geburt). Er ist Fachexperte der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) zur Zertifizierung von Brustzentren und Genitalkrebszentren. Der Mediziner lebt seit 22 Jahren in Saarlouis, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. kes