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„Wir lassen es auf uns zukommen“

The Apemen treibt es wieder auf die Bühne. Ihr Comeback geben sie auf dem Nauwieser-Viertel-Fest. Foto: Cora Staab
The Apemen treibt es wieder auf die Bühne. Ihr Comeback geben sie auf dem Nauwieser-Viertel-Fest. Foto: Cora Staab FOTO: Cora Staab
St Johann. Seit 2004 war von der in der Mod-Szene beliebten Saarbrücker Band The Apemen, die zwischen 1994 und 1998 vier Mal durch Großbritannien tourte, nichts zu hören. Doch Anfang dieses Jahres kam sie wieder zusammen und wird auf dem „Nauwieser-Viertel-Fest“ am 27. Juli ihr Bühnen-Comeback feiern. SZ-Mitarbeiter Kai Florian Becker traf Sänger Tom Platte und Gitarrist Markus Brixius. pam

Wieso kehren The Apemen gerade jetzt zurück?

Tom Platte: Gute Frage. Die kann ich gar nicht beantworten.

Markus Brixius: Eine Wiedervereinigung war immer wieder mal im Gespräch. Jetzt kam es endlich dazu - ohne besonderen Grund.

Erstaunlich ist, dass just für Herbst eine fünftägige Deutschlandtour angekündigt wurde. Woher kommt es, dass The Apemen trotz der langen Pause noch so begehrt sind?

Platte: Wir hatten noch viel mehr Konzerte angeboten bekommen, aber aus Zeitmangel absagen müssen. In der heutigen Zeit macht es für uns keinen Sinn, irgendwo in Deutschland an einem Montag, Dienstag oder Mittwoch zu spielen. Dafür weiß ich jetzt schon, dass der Duisburger Club "Djäzz" donnerstags ziemlich voll sein wird, wenn wir da sind. Ich glaube, dass die Leute, die uns damals gesehen haben, heute einen größeren Einfluss haben und unsere Konzerte aus eigenen Mitteln finanzieren. Die Tour hat übrigens unser Bassist Nuss geplant. Vielleicht sind wir irgendwann auch wieder in England unterwegs.

Mod ist nicht nur ein Musikgenre, es ist eine Lebenseinstellung. Ist so vielleicht die treue Anhängerschaft zu erklären?

Platte: Ja, ohne Zweifel. Ich kann aber nicht erklären, warum Mod eine Lebenseinstellung geworden ist. Es klassifiziert jedenfalls nach wie vor eine spezielle gesellschaftliche Klasse. Damals waren es weiße Arbeiterklasse-Jungs, die schwarze Musik hörten und irgendwann Mods getauft wurden. Es waren Jungs, die sich nicht wichtig machten und schick angezogen waren.

Gibt es bei den anstehenden Konzerten neue Songs zu hören? Ist ein neues Album in Planung?

Brixius: Wir haben ein paar Songs in petto. Wir wollen aber erst einmal sehen, wie die Resonanz auf die Shows ausfällt.

Platte: Wir lassen alles auf uns zukommen, strengen uns gar nicht groß an und machen so, wie es eben kommt. Heutzutage ist das alles schwer abzuschätzen. Man kann nicht in dem Glauben nach London fahren, da gäbe es noch eine große Mod-Bewegung und wir haben 250 Besucher auf unserem Konzert. Die hatten wir im Januar 1998 im Londoner "100 Club". Aber ob die jetzt wieder kommen? Damals standen übrigens fast alle Mitglieder der Britpop-Band Blur vor unserer Bühne und deckten sich nach der Show mit unseren Platten ein. Das muss man sich einmal vorstellen.(lacht).

Termin: The Apemen am 27. Juli um 22.30 Uhr, Hauptbühne des Nauwieser-Viertel-Fests auf dem Max-Ophüls-Platz.

the-apemen.de

Das ist das Programm an ausgewählten Orten während des Nauwieser-Viertel-Festes.

Hauptbühne

Am Freitag wird es auf der Hauptbühne am Max-Ophüls-Platz ab 19 Uhr elektronisch mit "We Know The Risk", "My First Robot", "Tubbe", und "Abby". Der Samstag startet um 16.30 Uhr mit einer Lesung der Nauwieser Poeten Schmitt &Rausch und Lectrice Nelia Dorscheid. Im Anschluss folgt jede Menge Rock-Musik von "The Quaves", "Stereolectric", "Everyday Circus", "Three Cherylinas" und "The Apemen”. Der Sonntag wird kunterbunt mit der Band "Prison Bound”, einem Singer/Songwriter-Projekt namens "O Captain! My Captain!", Folk-Punk von "Mr. Irish Bastard" und irischem Punk von "The Mahones" aus Kanada.

Auf dem Max-Ophüls-Platz treffen sich Musikliebhaber zudem am Samstag und Sonntag ab 13 Uhr zur der CD- und Schallplattenbörse.

Im Hof des Antiquitätenladens

Im Hof des Antiquitätenladens in der Nauwieser Straße gehen Besucher am Freitag mit dem senegalesischen Max Bousso auf eine musikalische Reise. Am Samstag spielt dort "Memphis" Rock- und Pop-Covers.

Im Bleistift

Im Bleistift zu Gast ist am Freitag "CUB", am Samstag "Woodwell" und "Crocodile Cowboys" und am Sonntag "Captain Sperrmüll".

Karateclub Meier

Punk-Liebhaber werden im Karateclub Meier fündig: "Mr. Inman" und "Nerven" spielen am Freitag, "Die Fahrt von Holzminden nach Oldenburg" am Samstag und "The Sexy Drugs" und "Power" am Sonntag.

Café Kostbar

Café Kostbar öffnet am Samstag den Innenhof für "Ein Mann mit Gitarre" und "Hexeschuss". Am Sonntag gibt es dort Musik von "Auric Eyes" und "Savoy Truffle".

Kurzen Eck

Außerdem am Sonntag: Jazz-Folk-Surf-Metal von "Uhl" im Kurzen Eck.

Buchladen in der Försterstraße

Während dem musikalischen Treiben auf dem Fest können sich Besucherinnen und Besucher auch in den Hinterhof des Buchladens in der Försterstraße absetzen. Dort findet am Samstag von 14 bis 19 Uhr ein Bücherflohmarkt statt.

Nauwieser Neunzehn

In der Nauwieser Neunzehn wird es eine Kunstausstellung, Live-Performance und ebenso Live-Musik geben.

SOS-Kinderdorf

Das SOS-Kinderdorf bietet eine Betreuung für Kinder von drei bis zehn Jahren, samstags von 12 bis 19 Uhr und sonntags von 13 bis 19 Uhr. Auf dem dortigen Handwerkermarkt können Kinder gestalten und werken.

"Tausch und Plausch"

"Tausch und Plausch" in der Nauwieser Straße bietet die Möglichkeit am Samstag und Sonntag Spielzeug zu tauschen.

Familiencafé

Im Familiencafé wird am Samstag von 18 bis 19.30 Uhr gezaubert, am Sonntag von 16 bis 17.30 Uhr geschminkt und von 17.30 bis 18 Uhr in der Minidisco getanzt.



Zum Thema:

HintergrundWarum gerade diese Band? SZ-Musikexperte Kai Florian Becker interviewt regelmäßig Musiker. Warum es diesmal gerade The Apemen sein musste, erklärt er so: Tom Platte ist eine Institution in der Saarbrücker Szene. Der 49-Jährige ist DJ, Sänger der 1992 gegründeten Mod-Band The Apemen und seit vielen Jahren heimlicher Saarbotschafter der Mod-Bewegung, die in den 60er Jahren in London ihren Ursprung fand. Wer ihn interviewt, der erfährt für gewöhnlich weitaus mehr, als gefragt wurde. Etwa dass bei einem Londoner Konzert der Apemen einige Blur-Mitglieder zugegen waren.Platte ist der perfekte Interviewpartner, denn er ist ein leidenschaftlicher Mensch und Sänger und ein Mod von Herzen. Manchmal lässt er sogar seinen Gitarristen Markus Brixius zu Wort kommen. So war es zumindest bei unserem Treffen im Nauwieser Viertel. kfb