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| 20:13 Uhr

"Wir kommen deutlich über die 30 Prozent bei der Landtagswahl""Das Saarland darf in keinem Fall mit Peter Müller weitermachen"

SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst (links) im Gespräch mit dem Generalsekretär der Saar-SPD Reinhold Jost. Foto: Oliver Dietze
SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst (links) im Gespräch mit dem Generalsekretär der Saar-SPD Reinhold Jost. Foto: Oliver Dietze
Die SPD liegt nach der aktuellsten Umfrage wieder deutlich vor der Linken. Sehen Sie darin eher eine Erstarkung Ihrer Partei oder eher eine Schwäche von Oskar Lafontaine und der Linken?Jost: Es ist wohl eine Mischung von beidem. Die SPD hat sich berappelt. Wir haben das Tal der Tränen hinter uns gelassen und nochmal Mut gefasst

Die SPD liegt nach der aktuellsten Umfrage wieder deutlich vor der Linken. Sehen Sie darin eher eine Erstarkung Ihrer Partei oder eher eine Schwäche von Oskar Lafontaine und der Linken?

Jost: Es ist wohl eine Mischung von beidem. Die SPD hat sich berappelt. Wir haben das Tal der Tränen hinter uns gelassen und nochmal Mut gefasst. Das Selbstbewusstsein der 23 000 Genossinnen und Genossen im Saarland ist wieder vorhanden (…). Andererseits ist die Luft bei den Linken immer dünner geworden.

Dennoch, 27 Prozent für die SPD bei der aktuellen Umfrage: Es gab mal eine Zeit hier, da war die SPD für den doppelten Wert gut. Wie ist die Stimmung in der Partei?

Jost: Die Stimmung ist gut. Die Genossinnen und Genossen in den über 350 Ortsvereinen sind der Auffassung, dass wir als Sozialdemokraten wieder eine Machtperspektive haben. (…) Und darüber hinaus hat es Heiko Maas geschafft, den Laden wieder in den Griff zu kriegen. Die SPD im Saarland ist wieder da, und wir kommen deutlich über 30 Prozent bei der Landtagswahl. Das ist meine feste Überzeugung.

Das ist ein sehr optimistischer Ziel. Aktuell gibt es nach den Umfragen zumindest keine klare Mehrheiten, weder für CDU und FDP, noch für SPD und Linke. Was ist Ihre Wunschkonstellation?

Jost: Wir wollen eine Regierung, die ohne die SPD nicht auskommt. Wir wollen eine SPD in der Regierungsverantwortung. Das heißt: Wir wollen mit Heiko Maas den nächsten Ministerpräsidenten stellen. (…)

Landesvorstand und Landtagsfraktion der SPD haben sich einstimmig positioniert, in gar keinem Fall Oskar Lafontaine zum Ministerpräsidenten zu wählen. War dieser Beschluss, rückwirkend gesehen, richtig. Hat er SPD-Mitgliedern und Wählern Klarheit gebracht?

Jost: Genau das ist der Fall. Es war absolut richtig, diesen Beschluss zu fassen, um auch Klarheit in diese Angelegenheit nach außen zu bringen. Und wir werden auch als SPD an dieser Linie festhalten. Wir werden aber einen Fehler nicht machen, dass wir vor der Wahl irgendetwas ausschließen, was die Koalitionsoptionen angeht. (…)

Nochmals zu den möglichen Koalitionen. Wenn es nach der Wahl keine anderen Optionen gibt: Wie gut oder schlecht wäre eine Große Koalition für dieses Land?

Jost: (…) Wir stehen mit Heiko Maas für eine andere Politik. Wir wollen insbesondere in den Bereichen Bildungs-, Wirtschafts-, Finanz- und Familienpolitik andere Schwerpunkte setzen als die jetzige Landesregierung. Das zeigt schon die Schwierigkeiten, die wir hätten, mit der CDU zusammenzuarbeiten. Es gibt Schnittmengen zu allen Parteien in den unterschiedlichsten Bereichen. Wir müssen nach der Wahl sehen, ob und inwieweit ein Größtmaß an sozialdemokratischer Politik für die Menschen in diesem Land, was dringend notwendig ist, umgesetzt werden kann. (…)

Für wie stark halten Sie hier das Führungspersonal der Linken?

Jost: Ich kenne das Führungspersonal der Linken im Saarland außer Lafontaine nicht. Da gibt es Rolf Linsler, den Landesvorsitzenden. Aber wenn man da mal an der einen oder anderen Stelle heftiger nachhakt, dann kommt spätestens nach dem zweiten oder dritten Satz: ,Dazu kann ich nichts sagen, da müssen Sie Oskar Lafontaine fragen.' Wir müssen uns das nach der Wahl genau anschauen: Mit wem ist welche Politik machbar? Dass die Linke kein Schreckgespenst ist, was Regierungsverantwortung angeht, sieht man in Berlin. Dort, wo sie in der Regierungsverantwortung sind, sind die Linken durchaus bereit zu sehr, sehr pragmatischen Lösungen und einer Politik, die den Menschen letztendlich zugute kommt, und die auch nicht dazu führt, dass die Wirtschaft abgewürgt wird. (…) Ein Politiker darf nie…

Jost: …unglaubwürdig werden.

Ein Politiker muss immer…

Jost: …den Menschen klar machen, dass er sie mag, und er darf vor niemandem Angst haben.

An meiner eigenen Partei, der SPD, hat mich schon immer gestört, dass…

Jost: ... wenn sie in der Verantwortung ist, sie meist mit sich selbst mehr Schwierigkeiten hat, als diejenigen, die die SPD gewählt haben.

Meine Parteifreunde kritisieren an mir immer…

Jost: …, dass ich manchmal zu hart mit ihnen umgehe.

Das Saarland braucht…

Jost: …Heiko Maas als Ministerpräsidenten.

Das Saarland darf in keinem Fall…

Jost: …mit Peter Müller weitermachen.

Das SZ-Gespräch wird in der kommenden Woche auf Saar-TV wiederholt. Es ist dann auch im Internet als Video abrufbar unter www.saarbruecker-zeitung.de/szgespraech und unter www.saartv.de