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Wie lange soll der Fuchs geschont werden?

Im Saarland dürfen von 15. Februar bis 16. August keine Füchse geschossen werden. Foto: dpa
Im Saarland dürfen von 15. Februar bis 16. August keine Füchse geschossen werden. Foto: dpa
Saarbrücken. Um die heute beginnende Fuchsschonzeit droht jetzt unter Jägern ein heftiger Streit zu entbrennen. Die damalige Jamaika-Regierung strebte im März 2010 mit einer neuen Verordnung an, aus Tierschutzgründen erwachsenen Füchsen, die ungestörte Aufzucht ihrer Jungtiere zu ermöglichen. Jedes Jahr ist es demnach bis 16. August verboten, Füchse zu jagen Von SZ-Mitarbeiter Benjamin Rannenberg

Saarbrücken. Um die heute beginnende Fuchsschonzeit droht jetzt unter Jägern ein heftiger Streit zu entbrennen. Die damalige Jamaika-Regierung strebte im März 2010 mit einer neuen Verordnung an, aus Tierschutzgründen erwachsenen Füchsen, die ungestörte Aufzucht ihrer Jungtiere zu ermöglichen. Jedes Jahr ist es demnach bis 16. August verboten, Füchse zu jagen. Ginge es allerdings nach der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS), soll nun die bestehende Fuchsschonzeit erheblich verkürzt werden.Der Landesjägermeister Daniel Hoffmann von der VJS schlägt dazu vor, jeweils für Jung- und Altfüchse eine Schonzeit festzulegen. Jungtiere sollten von 1. März bis 30. April von der Jagd verschont bleiben. "Das würde ausreichen, denn nach dieser Zeit halten sich die Jungtiere nicht mehr im Bau auf", erklärt Hoffmann. Um zu verhindern, dass Jäger Elterntiere erlegen, die ihre Jungtiere aufziehen, sollte die Schonzeit für Altfüchse von 1. März bis 15. Juli dauern.

Tierschutzorganisationen wie der Verein Wildtier und Artenschutz Saar (Witas) lehnen den Vorschlag der VJS aber rigoros ab. "Wir werden Demonstrationen organisieren, falls die bisherige Fuchsschonzeit abgeschafft werden sollte", kündigte Witas-Chef Hartmann Jenal an. Gerade weil Fuchswelpen noch bis September im Bau leben und auf ihre Elterntiere angewiesen seien, müsse die aktuelle Regelung beibehalten werden. Jenal forderte die Landesregierung auf, die Fuchsschonzeit auf das ganze Jahr auszuweiten. Nur so ließen sich die "natürlichen sozialen Strukturen der Füchse" wieder herstellen und auf Dauer erhalten.

Vor allem angesichts der bald beginnenden Brut- und Aufzuchtzeit von Bodenbrütern hält der Landesjägermeister die bisherige Schonzeitregelung für "nicht zufrieden stellend". Durch das Schießen von jungen Füchsen könne man die potenziellen Beutetiere des Fuchses während dieser Zeit schonen und ihr Überleben sicherstellen.

Seitdem die Regelung gilt, sind laut einer Statistik der VJS hierzulande 30 bis 40 Prozent weniger Füchse erlegt worden. Mit der Bejagung der Jung- und Altfüchse zwischen 1. Mai und 15. März sowie zwischen dem 15. Juli bis 15. März könne man dafür sorgen, dass die Anzahl der Füchse "nicht auf dem derzeit hohen Niveau verharrt", sagt Hoffmann.

Die beiden ökologisch ausgerichteten Jagdverbände im Saarland wollen jedoch die bisherige Schonzeit für Füchse beibehalten. Für positiv an der Regelung hält der Chef des Ökologischen Jagdverbandes Saar, Christian Schneider, dass man durch das Abschussverbot von erwachsenen Füchsen "nicht mehr billigend in Kauf nimmt, dass deren Jungtiere im Bau verhungern".

Entgegen der weit verbreiteten Ansicht von Förstern und Waldbesitzern richte der Fuchs in der freien Natur keinen Schaden an, sondern sei nützlich, sagt Manfred Hoffmann, Chef des Vereins Ökologisch Jagen im Saarland. Der Fuchs ernähre sich vor allem von Mäusen, die die Rinde von jungen Bäumen abfressen, die dann in der Regel absterben.

Das Saar-Umweltministerium, das auch für die Jagd zuständig ist, ließ auf SZ-Anfrage offen, ob die schwarz-rote Landesregierung an der bisherigen Fuchsschonzeit-Regelung festhalten will. Da hierzu derzeit Gespräche mit Jägern, Tier- und Umweltschützern andauern, stünde eine Entscheidung noch aus.

Im Saarland dürfen von 15. Februar bis 16. August keine Füchse geschossen werden. Foto: dpa
Im Saarland dürfen von 15. Februar bis 16. August keine Füchse geschossen werden. Foto: dpa