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Wie ein Lebenswerk retten?

Saarbrücken/Dillingen. "Dr. Karl August Schleiden ist ein besserer Autor als ein zuverlässig planender und kalkulierender Verleger" - so diplomatisch drückt sich Stefan Weszkalnys aus, bis 2007 Referatsleiter im Kultusministerium und zuständig für das "Opus Magnum" des Ex-"Saarheimat"-Herausgebers Schleiden Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Saarbrücken/Dillingen. "Dr. Karl August Schleiden ist ein besserer Autor als ein zuverlässig planender und kalkulierender Verleger" - so diplomatisch drückt sich Stefan Weszkalnys aus, bis 2007 Referatsleiter im Kultusministerium und zuständig für das "Opus Magnum" des Ex-"Saarheimat"-Herausgebers Schleiden. Bekanntlich ist dessen 600-Seiten-Seiten starke "Illustrierte Saarbrücker Stadtgeschichte" 2004 stecken geblieben, liegt seitdem - zu Zweidrittel fertig gesetzt - im Dillinger Krüger Verlag (wir berichteten). Grund: Schleiden (80) hat sich finanziell übernommen, denn die erhofften Fördergelder vom Land blieben aus. Er hatte zu spät Unterstützung beantragt: Als er selbst bereits 32100 Euro Eigenkapital investiert hatte. Krüger blieb auf 26750 Euro sitzen. Laut Haushalts-Ordnung macht diese Vorgeschichte Hilfe unmöglich: "Das Kultusministerium darf keine Wirtschaftsförderung betreiben", so Weszkalnys. Was Schleiden bis heute als ein "Hängenlassen" interpretiert. Freilich hat Weszkalnys 2004/2005 wacker für Schleiden gekämpft, schrieb Briefe an die Stadt Saarbrücken, an die Bürgerinitiative Alt-Saarbrücken, fuhr gar selbst in die Druckerei. Auch heute will er die Sache nicht verloren geben: "2009 wird die Großstadt Saarbrücken 100. Das wäre ein guter Erscheinungstermin - und eine Aufgabe für den jungen Kulturdezernenten."


Freilich geht's um deftige Summen, um 83750 Euro. Andreas Krüger rechnet vor, dass er in die Vollendung der Druckvorlage 15000 Euro und in den Druck selbst 42000 Euro stecken müsste. Hinzu käme die seit vier Jahren gestundete Summe von 26750 Euro. Schleiden verkauft mittlerweile Teile seiner Kunstsammlung. Was Weszkalnys als statthaft empfindet, schließlich setze sich der Autor auch ein "Denkmal". Darüber hinaus hofft er auf eine konzertierte Aktion von Land, Stadt, Toto-Gesellschaft, Sparkasse Saarbrücken, Historischen Vereinen, Sponsoren. Damit das Werk überhaupt auf den Markt und der Verkaufserlös zurückfließen kann. Bereits 2005 hatte er Ähnliches vorgeschlagen. Die Stadt Saarbrücken folgte ihm nicht, doch sie überwies nach Auskunft von Stadtarchiv-Leiterin Irmgard Becker damals 5000 Euro. Schleiden hatte sich nur an 1500 Euro erinnert.

Becker befürwortet eine Veröffentlichung. Die geplante 3000er-Auflage sei jedoch zu hoch. Als Abnehmer kämen vor allem Archive und Bibliotheken in Frage. Gegebenenfalls also eine kleinere Auflage, weniger Seiten? Land und Stadt könnten Exemplare ankaufen, um sie als Ehrengabe zu verschenken. "Retten wir, was zu retten ist", sagt Weszkalnys.