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Wie der Müllschnüffler aus dem Internet ins Telefon kommt

Saarbrücken. Mehrere SZ-Leser-Reporter erhielten in den vergangenen Wochen einen Anruf von einem selbst ernannten "Müllkontrolleur". Der Mann, der sich "Herr Tropelmann" nennt, habe in die Restmülltonnen seiner Gesprächspartner geschaut und festgestellt, dass sie diese angeblich nicht korrekt befüllen würden Von SZ-Mitarbeiter Marko Völke

Saarbrücken. Mehrere SZ-Leser-Reporter erhielten in den vergangenen Wochen einen Anruf von einem selbst ernannten "Müllkontrolleur". Der Mann, der sich "Herr Tropelmann" nennt, habe in die Restmülltonnen seiner Gesprächspartner geschaut und festgestellt, dass sie diese angeblich nicht korrekt befüllen würden. "Ich sehe mich schon so als Saubermann hier", erklärt er. Für ihn sei es eine Bürgerpflicht, andere zu überprüfen. Dabei habe der Mülldetektiv auch feststellen müssen, dass der Angerufene seine Briefe falsch entsorgen würde. Mit den Worten "Ich kontrollier' dann die Tage nochmal", verabschiedet er sich.Auch der Entsorgungsverband Saar (EVS) habe von mehreren Kommunen Hinweise erhalten, dass Bürger solche Anrufe von einem Mülldetektiv erhalten haben (wir berichteten). Sprecherin Marianne Lehmann versicherte daraufhin im Gespräch mit der SZ, dass der Verband diesbezüglich keinen Auftrag erteilt habe. "Haushalte, die ihre Tonne nicht korrekt befüllt haben und bei Stichproben der EVS auffallen, werden durch eine schriftliche Information darauf hingewiesen", stellte Lehmann klar und riet Betroffenen, den Hörer einfach aufzulegen.


Nun liegen unserer Zeitung neue Erkenntnisse über den "Müllkontrolleur" vor: Viele SZ-Leser sind offenbar auf einen Gag-Anruf des Telefonspaß-Portals "Marcophono.net" hereingefallen. Die Firma "Schneewittchen Technology Ltd." mit Sitz in London bietet auf ihrer Internetseite verschiedene, so genannte Anruf-Szenarien an, zu denen unter anderem der Müllschnüffler gehört.

Die Nutzer können über das Portal eine Telefonnummer eingeben, dem Angerufenen vorgefertigte Satzbausteine per Mausklick vorspielen und gleichzeitig direkt über den Browser hören, wie dieser reagiert. Um auf eventuelle Fragen des Gesprächspartners reagieren zu können, gibt es zudem verschiedene Antwort-Alternativen.



Abgesehen von den Premium-Anrufszenarien sei das Angebot kostenlos, heißt es auf der Internetseite: "Die anfallenden Verbindungskosten tragen wir und finanzieren sie durch Online-Werbung". Das Portal bietet zudem die Möglichkeit an, eine Telefonnummer gegen Spaßanrufe sperren zu lassen.

Für weitere Fragen unserer Zeitung war der Gag-Anrufanbieter gestern allerdings nicht zu erreichen.

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von mehreren SZ-Leser-Reportern. Wenn Sie auch Interessantes zu erzählen haben, wenden Sie sich entweder per SMS/Fax an Tel. (06 81) 5 95 98 00 oder per Mail an: leser-reporter@sol.de.