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Wie das Leben so spielt

Dudweiler. Lehrerin wollte sie werden. Oder Architektur studieren. Am Ende aber wurde Marie-Luise Jaske-Steinkamp Pfarrerin - wie das Leben halt so spielt. Seit vielen Jahren kennt man sie als Seelsorgerin der evangelischen Kirchengemeinde in Dudweiler-Süd. Die 54-Jährige ist ein quicklebendiger Mensch, der viel Energie versprüht Von SZ-Redakteurin Michèle Hartmann

Dudweiler. Lehrerin wollte sie werden. Oder Architektur studieren. Am Ende aber wurde Marie-Luise Jaske-Steinkamp Pfarrerin - wie das Leben halt so spielt. Seit vielen Jahren kennt man sie als Seelsorgerin der evangelischen Kirchengemeinde in Dudweiler-Süd.


Die 54-Jährige ist ein quicklebendiger Mensch, der viel Energie versprüht. In ihrem Pfarrhaus vis à vis zur Heilig-Geist-Kirche haben wir sie besucht. Dort wohnt sie seit 22 Jahren mit ihrem Mann Gerhard und den Töchtern Anne (22) und Nina (17).

Die Seelsorgerin stammt aus Sohren im Hunsrück, in direkter Nachbarschaft zum Flughafen Hahn. Der war mal ein großer US-Militärflughafen. Marie-Luise Jaske-Steinkamp kam hier mit der Friedensbewegung in Kontakt. Es ging um die Pershing-Stationierung, um die Bedrohung der Menschheit durch unvorstellbare Waffenarsenale, und es ging um meist junge Leute, die zu diesem Szenario nicht Ja und Amen sagen wollten. "In der Friedensbewegung bin ich großgeworden", sagt sie. Und: "Plötzlich haben wir begriffen, dass wir auf einem Pulverfass sitzen."



Studiert hat sie später an der Uni Heidelberg und an der Kirchlichen Hochschule in Bethel, einem Bielefelder Stadtteil, in dem behinderte Menschen leben und betreut werden. In ihr wuchs der sehnliche Wunsch, dass solche Menschen in die "normale" Gesellschaft integriert werden. Dieses Bestreben treibt sie um, nicht zuletzt im Konfirmandenunterricht, in dem die Kinder lernen, dass ein Mensch mit Handicap - sei es geistig oder auch körperlich - genau so selbstverständlich dazugehört wie jeder andere auch.

Doch wie kam sie als junge Frau zur Theologie? "Ein Religionslehrer hat mir beigebracht, dass dies Wissenschaft ist", sagt sie und lächelt. Die Geschichte des Volkes Israel, die habe sie besonders begeistert. Mit eine Rolle gespielt habe bei der Wahl des Studiums auch die Tatsache, dass sie im Leben "sehr viel Verlusterfahrung" gemacht habe, dass sie den frühen Tod von Geschwistern und ihres Vaters verkraften musste. Beruf - Berufung, bei Marie-Luise Jaske-Steinkamp sind die Übergänge fließend. Sie liebt das, was sie tut von ganzem Herzen. Und wird gleich auch ein großes Kompliment los in Richtung ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: "Auf sie kann ich mich hundertprozentig verlassen." Kompliment auch an die Gläubigen ihrer Gemeinde, die sie nicht allein ließen, als sie selbst Trost und Zuspruch brauchte. Vor wenigen Jahren war das, als sie schwer erkrankte. Als sie nicht wusste, ob sie je wieder wird eine Predigt halten, jemals wieder ein Kind taufen und Angehörige am Grab eines geliebten Menschen wird trösten können. Ihre Augen funkeln vor Freude und Dankbarkeit, als sie erzählt, wieviele Leute sich damals anerboten haben, ihr zu helfen. "Von dem, was man gibt", sagt die Pfarrerin, "kriegt man hier auch sehr viel zurück."

Und was tut sie, wenn sie mal nicht im Namen des Herrn unterwegs ist? "Endlos lange lesen", sagt sie, gute Krimis, Biografien mit historischem Hintergrund, zudem liebt sie das Theater, das Schauspiel. Nicht zu vergessen die Nordsee-Insel Spiekeroog.

Geduld, Ehrlichkeit, Offenheit, Organisationstalent - diese Eigenschaften nennt sie als ihre Stärken, wenn man sie danach fragt. Und ihre Schwächen? "Dass ich so unheimlich viel auf mich lade." Just in dem Moment klingelt im Pfarrhaus sehr energisch das Telefon. "Plötzlich haben wir begriffen, dass

wir auf einem

Pulverfass sitzen."

Marie-Luise Jaske-Steinkamp