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Wer war Wilhelm Caroli?

Der in Saarlouis geborene Pfarrer Wilhelm Caroli wird als mutiger Gegner des NS-Regimes verehrt. An seinen verschiedenen Wirkungsstätten in der Pfalz wird des Widerstandskämpfers gedacht, der 1942 im KZ Dachau verstarb. Nur die Stadt Saarlouis tut sich noch schwer mit dem Andenken an den berühmten Sohn. Wilhelm Caroli wurde am 7. April 1895 in Saarlouis geboren Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Der in Saarlouis geborene Pfarrer Wilhelm Caroli wird als mutiger Gegner des NS-Regimes verehrt. An seinen verschiedenen Wirkungsstätten in der Pfalz wird des Widerstandskämpfers gedacht, der 1942 im KZ Dachau verstarb. Nur die Stadt Saarlouis tut sich noch schwer mit dem Andenken an den berühmten Sohn.Wilhelm Caroli wurde am 7. April 1895 in Saarlouis geboren. Der sechste Sohn der Eheleute Adolf Caroli und Katharina Schneider besuchte in Saarlouis die Volksschule und bis 1912 das "Städtische Knabengymnasium Saarlouis" im Gebäude des heutigen Robert-Schuman-Gymnasiums. Die tiefgläubige Beamtenfamilie wohnte in der Pavillonstraße 2. Der 1905 verstorbene Vater war Gerichtsobersekretär in Saarlouis, sein Grab auf dem Alten Friedhof, unmittelbar vor der Gruftkapelle des Alten Friedhofs, ist in den Fünfziger Jahren eingeebnet worden. Schon als Schüler soll Caroli Artikel für die "Saarzeitung" verfasst haben, berichtet der Saarlouiser Heimatforscher Hans-Jörg Schu. Umzug nach Mayen1912 zog der junge Wilhelm mit seiner Mutter nach Kürrenberg bei Mayen zu seinem Bruder August, der dort Pfarrer war. Als 19-Jähriger trat er wie zwei seiner älteren Brüder in das Bischöfliche Priesterseminar Trier ein. Im Mai 1915 wurde er jedoch zum Militärdienst eingezogen und konnte erst nach 18 Monaten als Sanitätsunteroffizier an der Ostfront sein Theologiestudium wieder aufnehmen. Dieses musste Caroli jedoch in Speyer beenden, weil er sich in Trier in einer Probepredigt humorvolle Bemerkungen über seine Professoren erlaubt hatte. Diese fühlten sich verspottet und legten dem Studenten einen Wechsel nahe.Priesterweihe in SpeyerIm Dom zu Speyer wurde Caroli am 12. März 1921 zum Priester geweiht und wirkte anschließend als Kaplan in Ludwigshafen und Kusel, schreibt das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon. 1926 wurde Caroli Pfarrer von St. Joseph in Rheingönheim. Caroli war für die Kirche und den Staat recht unbequem, denn er vertrat seine politischen Ansichten unerschrocken. Als Redakteur und Schriftleiter des "Katholischen Kirchenblattes" in Ludwigshafen bekämpfte Caroli vehement den aufkommenden Nationalsozialismus. Schikane durch die NSDAP1933 geriet der Pfarrer in Schwierigkeiten, weil er im Kirchenblatt den Antisemitismus als "Blödsinn" anprangerte. Am 25. März 1933 erhielt er dann auch eine Verwarnung der NSDAP, die er mutig von der Kanzel verlas. In der Nacht vom 26./27. Juni wurde Caroli vor dem Pfarrhaus Rheingönheim von SA-Männern bewusstlos geschlagen und schwer verletzt. Über den Vorfall berichtete das Bistumsblatt, prompt wurden drei Ausgaben von der Gestapo beschlagnahmt. Selbst die amerikanische Presse schrieb über diesen brutalen Übergriff gegen einen katholischen Pfarrer. Die Gauleitung forderte die Versetzung von Caroli, ab 1935 verstärkte die örtliche NSDAP ihren Kampf gegen den unbeugsamen Pfarrer und rief auch unverhohlen zu seiner Ermordung auf. Ein fanatischer NS-Mob verwüstete die Kirche und das Pfarrhaus. Die Polizei griff jedoch nicht ein, auch eine weitere Strafverfolgung unterblieb.Das Sondergericht Frankenthal verurteilte den Pfarrer als "Feind des Systems" am 16. Juni 1937 unter anderem wegen fortgesetzten Vergehens gegen das Reichsflaggengesetz und Beleidigung zu acht Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe. Die Gestapo Neustadt verhängte ein Aufenthaltsverbot für die Pfalz und das Saarland, woraufhin Caroli vom Bischof seines Amtes enthoben wurde. Verhaftung und KZNach seiner Haft lebte Caroli bei seinen Brüdern in den Pfarrhäusern von Kell und Kürrenberg im Kreis Mayen, ab 1939 war er dann als Seelsorger in Kottenheim tätig, berichtet das Bautz-Kirchenlexikon.Nach der Tötung seines Bruders hielt er 1941 in Kell/Andernach eine Predigt, in der er die Euthanasie der Nazis aufs Schärfste verurteilte. Caroli wurde angezeigt und verhaftet. Am 18. Februar 1942 wurde er in das KZ Dachau überstellt und erhielt die Häftlingsnummer 29258. Dort starb Wilhelm Caroli völlig entkräftet in der Nacht vom 22. zum 23. August 1942. Sein Mithäftling, Pfarrer Friedrich Seitz, berichtete später, Caroli sei systematisch zu Tode geschunden worden. Seine Leiche wurde im KZ eingeäschert. Die Urne bewahrte sein Bruder Adolf im Pfarrhaus Kell auf, wo sie erst 1994 bei Aufräumarbeiten gefunden wurde. So wurde Wilhelm Caroli am 24. November 1996 in der Vorkapelle seiner früheren Pfarrkirche Rheingönheim beigesetzt - 54 Jahre nach seinem Tod.