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Wer ernennt Weltverbesserer?

Diese Woche hat sich die St. Johanner SPD zwischen Vergangenheit und Gegenwart verirrt.

Sie beklagt im Internet, dass am Mast des Straßenschildes, das den Max-Braun-Platz neben der Alten Feuerwache ausweist, eine Pfandkiste angebracht wurde.

Pfandkisten sind leere Getränkekisten, die die Saarbrücker "Freiraum-Initiative" an Laternenmasten und Straßenschildern aufhängt. In die Kästen sollen die leeren Flaschen, die bisher in öffentlichen Mülleimer gelandet sind. So bleibt es den Menschen, die diese Flaschen sammeln, weil sie auf das wenige Geld angewiesen sind, erspart, im Müll zu wühlen.

Die Stadtverwaltung hat die Pfandkisten "aus Sicherheitsgründen" untersagt. Die Initiative gibt trotzdem nicht auf. Doch die St. Johanner SPD sieht zumindest für die Kiste am Rand des Nauwieser Viertels einen weiteren Grund, aktiv einzuschreiten: "Max Braun hat sein Leben riskiert, um gegen die Faschisten zu kämpfen. Jetzt hängen selbsternannte Weltverbesserer Pfandkisten an das Max-Braun-Platz-Schild. Es gibt im Viertel Leute, die schrecken vor keiner Geschmacklosigkeit zurück", schreibt die SPD.

Ja, Max Braun ist Teil einer großen SPD-Vergangenheit. Gerade deswegen drängt sich die Frage auf: Was hätte er in der Gegenwart zu den großen Problemen (zu denen die Pfandkiste offenbar für die SPD zählt) zu sagen? Und was die selbsternannten Weltverbesserer angeht: Wer ernennt eigentlich Weltverbesserer? Die Vereinten Nationen? Gott? Der SPD-Ortsverein St. Johann? Wieder mal Fragen über Fragen.