| 20:14 Uhr

Wenn Klassik auf Jazz trifft

Homburg. Langweilige Programme oder fehlenden Mut kann man dem Homburger Kammersinfonie-Orchester beileibe nicht vorwerfen. Seit der neue Dirigent Markus Korselt hier den Taktstock schwingt, hat das Ensemble sich schon an etliches gewagt: Von der Uraufführung bis zum technisch ehrgeizigen Stück. Korselt wäre wohl nicht Korselt, wenn er fürs nächste Konzert am Sonntag, 7 Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Homburg. Langweilige Programme oder fehlenden Mut kann man dem Homburger Kammersinfonie-Orchester beileibe nicht vorwerfen. Seit der neue Dirigent Markus Korselt hier den Taktstock schwingt, hat das Ensemble sich schon an etliches gewagt: Von der Uraufführung bis zum technisch ehrgeizigen Stück. Korselt wäre wohl nicht Korselt, wenn er fürs nächste Konzert am Sonntag, 7. Juni, nicht erneut ein Überraschung in der Tasche hätte. "Wir überschreiten einige Grenzen", sagt er im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Und hofft gerade oder vielleicht trotzdem auf richtig viele Zuhörer, neue und treue, denn es wird der Saalbau in Homburg sein, in den das Orchester um 18 Uhr einlädt. Neben Klassik wird diesmal Jazz geboten, nicht irgendwelcher, sondern orientalischer - und nicht mit irgendwem, sondern mit Christoph Mudrich, "da er derjenige ist, der im Saarland im Jazz einen großen Namen hat". Die Stile sollen nicht nebeneinander stehen, sondern werden miteinander verbunden. Nicht nur aus Lust und Laune, der Crossover hat hier einen tieferen Sinn, das ist Korselt wichtig. "Wir wollten nicht einfach zwei Sachen zusammenschustern, die nichts miteinander zu tun haben." Das Band, das die vom Orchester gespielte "Orientalische Suite" von Gustav Holst (1874 bis 1934) mit dem Beisatz "Beni Mora" und Mudrichs Jazz-Improvisationen auf dem Klavier verbindet, muss Korselt allerdings erst einmal ein bisschen ausgraben: Holst, ein britischer Komponist, weilte zur Kur in Algerien. Beni Mora heiße dort ein Berggebiet und es sei auch die Bezeichnung für einen Volksstamm der Berber. Als der Komponist dort nun so durch ein Dorf spazierte, habe er am Straßenrand improvisierende Musiker gehört. Der Kuraufenthalt war vergessen, Holst versuchte, dieses fremdländische Kolorit einzufangen in einer eigenen Komposition. Nun will Korselt diese verwandelte Kunstmusik durch die Jazz-Improvisationen sozusagen wieder zurückfahren aufs Ursprüngliche. "Das schreit förmlich danach." Wie beim Improvisieren üblich, weiß also keiner so genau, was beim Konzert letztlich genau gespielt wird. "Es wird aus dem Moment heraus entstehen." Mudrich gehe von der Harfenstimme aus, die er mit dem Klavier übernehme. Das sei Anknüpfungs- und Startpunkt seiner Improvisationen.Neben diesem musikalischen Trip ins eher Unbekannte stellen Korselt und das Orchester etwas Altbewährtes: Antonin Dvoraks ( 1841 bis 1904) neunte Symphonie "Aus der Neuen Welt". Eine der beliebtesten und berühmtesten Symphonien überhaupt - und eine technisch anspruchsvolle noch dazu. "Das kann jeder mitpfeifen", spielt er auf den Gassenhauer-Charakter mancher Melodien an. Und was den Schwierigkeitsgrad angeht, den das Nicht-Profi-Orchester dabei meistern muss, gibt der Dirigent sich selbstbewusst: "Das können wir spielen." Auch Dvoraks Stück wurde übrigens von einem anderen Kulturkreis inspiriert: Bei seinem Amerika-Aufenthalt fand er Musik-Motive, die er auf seine Art verarbeitete. Und hier schließt sich dann auch wieder der Kreis zu Holsts "Orientalischer Suite".


Auf einen BlickAuch für das Konzert am Sonntag, 7. Juni, um 18 Uhr im Homburger Saalbau empfehle sich eine rechtzeitige Kartenreservierung, so das Orchester - und zwar beim Kultur- und Verkehrsamt Homburg unter Telefon (06841) 10 11 66 oder an der Abendkasse. Als besonderen Anreiz haben Kinder, Jugendliche und Studenten freien Eintritt. Erwachsene zahlen zwölf Euro. ust